Aurelius
- Markus Horntrich - Chefredakteur

AURELIUS: „Die Dividendenschätzung der Analysten ist konservativ“

Dr. Dirk Markus, Aurelius AG, 20130729

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Markus, AURELIUS übernimmt die Schuhsparte von Scholl von der britischen Reckitt Benckiser Group. Sie werden dabei mit den Worten zitiert: ‚Das ist genau die Art von Transaktion, wie wir sie suchen‘. Was zeichnet diese Transaktion konkret aus?

Dr. Dirk Markus: Ein interessanter Markt mit Wachstumspotential, das vom übernommenen Unternehmen bisher nicht optimal genutzt wurde. Wenn Sie so wollen: ein schlafendes Dornröschen! In Europa und Asien sind die Gesundheitsschuhe von Scholl sehr bekannt und verfügen über hohe Kundenloyalität. Der Markt für orthopädische oder auch „funktionale“ Schuhe wird aufgrund des demografischen Wandels weiter wachsen und Scholl will dabei sein. Die letzten Jahre waren für das Unternehmen jedoch nicht einfach, denn das Unternehmen gehörte beim bisherigen Gesellschafter nicht zum Kerngeschäft.

Scholl Footwear erwirtschaftet Umsätze von rund 90 Millionen Euro im Jahr. Wie ist es um die operative Leistungsfähigkeit bestellt? Ist die Gesellschaft ein klassischer Sanierungsfall?

Nein, eher ein vielversprechender Optimierungsfall, eben ein Dornröschen, das wachgeküsst werden will! Gute Marke, guter Markt, loyale Kunden, das ist eine gute Basis für eine gute Entwicklung in der Zukunft. Das dieses Potential in der Vergangenheit nicht gehoben wurde, ist eher darauf zurückzuführen, dass das Unternehmen bei mehreren aufeinanderfolgenden Gesellschaftern nicht im Fokus stand, und das werden wir ändern.

AURELIUS hat sich als strategischer Restrukturierungsspezialist einen Namen gemacht. Können Sie uns schon einen ersten Einblick geben, wie genau Ihr „Wachküss-Programm“ aussieht?

Scholl Schuhe sind in Europa nur in Italien, Frankreich und Spanien erhältlich. Zusätzlich ist man in Thailand, Malaysia und Australien gut vertreten. Eine stärkere Internationalisierung, neue Vertriebswege sowie Synergien zwischen Europa- und Asiengeschäft sollten Wachstum und Ertrag steigern. Scholl Gesundheitsschuhe sind derzeit vor allem im unteren und mittleren Preissegment vertreten. Durch neue und modischere Varianten können wir neue Käufer gewinnen, die bereit sind, auch höhere Preise zu zahlen.

Welche Ziele haben Sie sich mit Scholl Footwear mittelfristig gesetzt?

Neue Kundensegmente, höhere Margen und eine zunehmende Internationalisierung in Europa und Asien. Unsere gegenwärtigen Kunden beziehen ihre Schuhe in erster Linie über den Apothekenhandel. Hier gilt es neue Wege zu gehen. E-Commerce sowie das klassische Schuhgeschäft durch den Einzelhandel stehen dabei im Mittelpunkt. Scholl Schuhe werden zukünftig nicht nur für komfortabel und nützlich, sondern auch für modisch und modern stehen. Durch die Erschließung neuer Märkte werden wir die Kosten langfristig senken.

Welche Rolle spielt die aktuelle Übernahme in der Internationalisierungsstrategie von AURELIUS? Planen Sie die Abhängigkeit vom deutschen Markt weiter zurückzufahren?

Sie ist Folge der Internationalisierung. Wir werden auch auf dem deutschen Markt weiter wachsen und jede gute Chance nutzen, die sich uns bietet. Eine Abhängigkeit vom deutschen Markt hat es auch in der Vergangenheit nicht gegeben. Unsere Töchter kommen unter anderem aus Großbritannien, den Niederlanden, Spanien, der Schweiz und den nordischen Ländern und agieren zumeist international. Durch unsere neuen Büros in London und Stockholm sind wir jedoch noch näher an den dortigen Akteuren.

School Footwear ist bereits die vierte Akquisition von AURELIUS in 2014. Werden Sie dieses rasante Expansionstempo auch in den kommenden Quartalen aufrechterhalten können? Welche finanziellen Mittel stehen Ihnen für weitere Zukäufe zur Verfügung?

Wir haben rund 150 Millionen Euro für weiteren Übernahmen in der Kasse. Die derzeitige Situation auf dem Markt für Unternehmensübernahmen ist sehr gut. Für 2014 rechne ich mit weiteren zwei bis drei weiteren Akquisitionen. Letztlich ist jedoch nicht die Anzahl, sondern das Potential der übernommenen Firmen entscheidend. Zusätzliche Mittel könnten sich ja dann im Laufe des Jahres auch noch aus dem Verkauf von Konzernunternehmen ergeben.

Sie sprechen mögliche Verkäufe an, die Analysten von Berenberg erwarten für das laufende Geschäftsjahr eine Erhöhung der Gesamtdividende auf 1,26 Euro je Aktie. Um eine Ausschüttung in dieser Höhe leisten zu können, müsste im zweiten Halbjahr noch der ein oder andere lukrative Exit folgen, oder?

Ja, wir rechnen stark mit einigen Exits in den nächsten Wochen. 50 Prozent der dabei erzielten Erlöse werden, wie bei uns üblich, als Sonderdividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Insofern ist die angesprochene Schätzung der Analysten sicher als konservativ zu bezeichnen.

Herr Dr. Markus, vielen Dank für das Interview.

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