Der Lohn für die Nervenstärke der Bitcoin-Halter bleibt aus. Wer derzeit auf die größte Kryptowährung setzt, bekommt die volle Volatilität, aber keine Rendite mehr. Das Urteil der Märkte und Analysten ist eindeutig: Das Risiko lohnt sich aktuell nicht.
Das nüchterne Signal liefert die Sharpe-Ratio. Diese Kennzahl, bei Fondsmanagern der Goldstandard zur Bewertung risikobereinigten Renditen, ist laut Daten von CryptoQuant in den negativen Bereich gerutscht. Übersetzt heißt das: Die erzielten Gewinne decken nicht einmal mehr das Risiko ab, das Anleger im Vergleich zu sicheren Häfen wie US-Staatsanleihen eingehen. Der Grund: Während die Kurse von den Rekordhochs über 120.000 Dollar Anfang Oktober auf aktuell rund 90.000 Dollar eingebrochen sind, bleibt die Volatilität extrem hoch.
Das 2022er-Trauma kehrt zurück
Die Parallelen zur Vergangenheit sind beunruhigend. Ein vergleichbar negatives Sharpe-Niveau zeichnete sich zuletzt in den Tiefen der Bärenmärkte von 2018 und 2022 ab. Damals folgte keine schnelle Erholung, sondern eine monatelange Durststrecke, geprägt von Zwangsliquidationen und Leverage-Ausfällen. Auch dieses Mal macht sich das Umfeld bemerkbar: Schwache Erholungsversuche werden durch heftige Intraday-Schwankungen wieder zunichte gemacht.
Während Krypto-Optimisten auf Social Media den negativen Wert bereits als antizyklisches Kaufsignal feiern, mahnen Profis zur Vorsicht. Ein Analyst von CryptoQuant stellt klar: „Die Sharpe-Ratio ruft keinen Boden aus.“ Sie signalisiere lediglich, dass das Risiko-Ertrags-Verhältnis auf ein Niveau zurückgesetzt wurde, das historisch großen Bewegungen vorausgeht – ob nach oben oder unten, bleibt offen. Der Markt ist technisch überverkauft, doch das allein garantiert keine Wende.
Kein Anschluss an Tech und Gold
Entsprechend verhalten reagieren die Händler. Großanleger warten ab, bis die Kennzahl wieder nachhaltig in den positiven Bereich dreht – historisch der verlässlichste Indikator für einen neuen Bullenmarkt, in dem Gewinne die Schwankungen wieder überholen.
Davon ist Bitcoin aktuell weit entfernt. Die Kryptowährung beendet eine Woche, die von hoher Volatilität geprägt war, und verliert dabei den Anschluss an Gold, Anleihen und globale Tech-Aktien.
Ein negativer Sharpe-Wert ist kein Timing-Tool, sondern eine Zustandsbeschreibung: Bitcoin ist derzeit ein teures Vergnügen im Portfolio. Solange die Volatilität nicht sinkt oder der Kurs stark steigt, bleibt das Verhältnis von Chance zu Risiko unattraktiv.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 10:10