Das hatte sich abgezeichnet: Rio Tinto bricht die Gespräche über eine Übernahme von Glencore ab. Wochenlange Verhandlungen enden ohne Ergebnis, die Konsolidierungsfantasie platzt. Die Aktien reagieren sofort. Was als Mega-Deal geplant war und den größten Bergbaukonzern der Welt hervorgebracht hätte, scheitert an einem wenig überraschenden Punkt.
Es geht um den Preis. Rio Tinto teilte mit, man habe kein Angebot vorlegen können, das den eigenen Aktionären ausreichend Wert geliefert hätte. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die Gespräche beendet wurden. Glencore-Aktien brechen zeitweise um mehr als zehn Prozent ein. Auch Rio steht unter Druck.
Im Zentrum stand das Umtauschverhältnis. Glencore wollte eine Struktur, die den eigenen Aktionären rund vierzig Prozent am kombinierten Konzern gesichert hätte. Rio konnte diesen Aufschlag nicht rechtfertigen und war nicht bereit, nachzugeben. Glencore wiederum bewegte sich nicht. Ergebnis: Abbruch.
Dabei wären die Dimensionen enorm gewesen. Rio bringt aktuell rund 157 Milliarden Dollar Börsenwert auf die Waage, Glencore etwa 76 Milliarden. Gemeinsam wäre ein Konzern von mehr als 200 Milliarden Dollar entstanden. Vor allem im Kupfergeschäft hätte Rio massiv zugelegt. Die Produktion hätte sich nahezu verdoppelt, zusätzlich wären Projekte mit rund einer Million Tonnen künftigem Wachstum ins Portfolio gekommen.
Doch es ging nicht nur um Zahlen. Glencore kritisierte, dass Rio sowohl den Chairman- als auch den CEO-Posten behalten wollte, ohne einen entsprechenden Preis zu zahlen. Nach britischem Übernahmerecht darf Rio nun mindestens sechs Monate keinen neuen Anlauf starten – abgesehen von wenigen Sonderfällen.
Geht doch noch was?
Ganz erledigt ist das Thema damit nicht. Die Idee eines Zusammenschlusses begleitet die Branche seit mehr als einem Jahrzehnt. Schon vor der Finanzkrise 2008 stand sie im Raum. 2014 wurde sie verworfen. 2024 erneut aufgenommen. Vielleicht geht da später noch was.
DER AKTIONÄR hatte rechtzeitig auf Rio Tinto gesetzt. Leser können sich innerhalb weniger Monate bereits über mehr als 30 Prozent Buchgewinn freuen. Die Aktie bleibt zudem im AKTIONÄR-Depot. Rio Tinto dürfte nun vorerst den Ausbau im Kupfergeschäft aus eigener Kraft verfolgen. Glencore hingegen rückt wieder als potenzieller Käufer in den Blick.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Aktien der Rio Tinto befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 20:03