Unangekündigter Besuch in den Frankfurter Zwillingstürmen: Am Mittwochmorgen um 10 Uhr haben Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) die Zentrale der Deutschen Bank sowie Räumlichkeiten in Berlin durchsucht. Rund 30 Ermittler in Zivil waren im Einsatz. Der Vorwurf wiegt schwer: Verdacht auf Geldwäsche.
Der Grund für den Einsatz liegt offenbar in der Vergangenheit. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen bislang unbekannte Verantwortliche und Mitarbeiter des Instituts. Im Kern geht es um die Frage, ob die Bank ihre Pflichten bei der Geldwäsche-Prävention verletzt hat. Konkret stehen frühere Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Gesellschaften im Fokus.
Die Spur führt zu Roman Abramowitsch
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zieht der Fall weite Kreise in die Welt der russischen Milliardäre. Die Ermittlungen sollen im Zusammenhang mit Roman Abramowitsch stehen. Der 59-jährige ehemalige Besitzer des Fußballklubs FC Chelsea gilt als Vertrauter des Kremls. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im März 2022 steht er auf der Sanktionsliste der EU.
Das Problem für Deutschlands größtes Geldhaus: Die Bank soll es versäumt haben, verdächtige Transaktionen im Umfeld von Abramowitsch-Firmen rechtzeitig an die Behörden zu melden. Während Banken verpflichtet sind, auffällige Geldströme sofort anzuzeigen, floss das Geld hier offenbar ungehindert weiter.
Reaktion der Bank und Börse
Die Deutsche Bank bemüht sich um Schadensbegrenzung. Ein Sprecher bestätigte die laufenden Maßnahmen und betonte, man arbeite „vollumfänglich“ mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Details zu den betroffenen Konten oder dem Volumen der Transaktionen nannte das Institut unter Verweis auf das laufende Verfahren nicht.
Anleger reagierten nervös auf die Nachricht. Die Aktie der Deutschen Bank geriet kurz nach Bekanntwerden der Razzia unter Druck und verlor zeitweise über ein Prozent an Wert.
Altlasten belasten die Compliance
Der Vorfall trifft das Haus von CEO Christian Sewing zu einem empfindlichen Zeitpunkt. Zwar hat die Bank ihre internen Kontrollen in den letzten Jahren massiv verschärft, doch die Geister der Vergangenheit lassen das Institut nicht los. Entsprechend kritisch dürfte auch die Finanzaufsicht BaFin die neuen Entwicklungen beobachten. Die Behörde fordert bereits seit längerem spürbare Fortschritte bei der Bekämpfung von Geldwäsche.
Noch ist unklar, wie lange die Auswertung der sichergestellten Daten dauern wird. Fest steht: Für die Compliance-Abteilung in Frankfurt bedeutet der heutige Tag einen herben Rückschlag im Bemühen um ein sauberes Image. Anleger bleiben vorerst weiter an Bord.
Heute, 14:06