China wird für Porsche zur Dauerkrise. 2025 brach der Absatz dort erneut zweistellig ein, weltweit fielen die Auslieferungen so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Europa schwächelt, Modelllücken bremsen. Die Aktie gibt weiter nach. Für den neuen Chef wird es sofort ernst.
Die Lage des Sportwagenbauers Porsche in China hat sich im vergangenen Jahr weiter verschärft. 2025 verkauften die Stuttgarter dort gut 41.900 Fahrzeuge. Das waren rund 26 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.
Insgesamt lieferte die Volkswagen-Tochter weltweit 279.449 Sport- und Geländewagen aus. Das ist der niedrigste Stand seit dem Corona-Jahr 2020 und zugleich der stärkste Absatzrückgang seit der Finanzkrise 2009.
An der Börse blieb die Reaktion verhalten. Der MDAX-Wert verlor knapp ein Prozent, hielt sich damit aber etwas besser als andere deutsche Autobauer.
Im Rückwärtsgang
In China handelt es sich bereits um den vierten Rückgang in Folge. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 hatte Porsche dort noch fast 95.700 Fahrzeuge abgesetzt. Als Gründe nennt der Konzern herausfordernde Marktbedingungen und harten Wettbewerb, insbesondere bei elektrischen Modellen. Der frühere Porsche-Chef Oliver Blume hatte mehrfach betont, der Markt für Luxusprodukte in der Volksrepublik sei förmlich zusammengebrochen. Mit Wachstum rechnete Blume kurz vor seinem Abtritt nicht. Die Kaufzurückhaltung wohlhabender Chinesen hält an, auch wegen der Immobilienkrise.
Weltweit unter Druck
Doch die Schwäche ist kein reines China-Problem. In Deutschland sanken die Auslieferungen um 16 Prozent auf 29.968 Fahrzeuge, im übrigen Europa um 13 Prozent auf 66.340. In den Übersee- und Wachstumsmärkten verbuchte Porsche ebenfalls ein leichtes Minus. Lediglich Nordamerika blieb mit 86.229 Auslieferungen auf Vorjahresniveau und ist damit weiterhin die größte Vertriebsregion.
Fast die Hälfte des weltweiten Absatzrückgangs geht auf China zurück. Bereits 2024 war der Gesamtabsatz um drei Prozent auf rund 310.700 Fahrzeuge gesunken. Vertriebsvorstand Matthias Becker sagte, nach mehreren Rekordjahren liege man 2025 unter dem Vorjahresniveau. Diese Entwicklung entspreche den Erwartungen. Neben der schwächeren Nachfrage in China verweist Porsche auf Angebotslücken bei bestimmten Modellen.
Beim Modellmix zeigte sich ein gemischtes Bild. Der Kompakt-SUV Macan war mit gut 84.300 Auslieferungen erneut das meistverkaufte Modell und legte um zwei Prozent zu. Mehr als die Hälfte entfiel auf die vollelektrische Variante. Der Sportwagenklassiker 911 steigerte sich leicht auf fast 51.600 Fahrzeuge und erreichte einen Auslieferungsrekord. Bei allen anderen Baureihen ging es bergab. Der Cayenne verlor 21 Prozent, der Taycan 22 Prozent, die auslaufenden 718-Modelle ebenfalls 21 Prozent. Weltweit waren 22,2 Prozent der verkauften Porsche reine Stromer.
In Europa zeigte sich zugleich ein struktureller Wandel. Erstmals wurden dort mehr elektrifizierte Fahrzeuge als reine Verbrenner ausgeliefert. Der Elektrifizierungsanteil lag bei 57,9 Prozent, jedes dritte Fahrzeug war vollelektrisch.
Mit Blick auf das laufende Jahr gibt sich der Konzern zurückhaltend. Angesichts des Produktionsauslaufs von 718 und Verbrenner-Macan plant Porsche das Volumen „realistisch“. Die Modelle laufen unter anderem wegen neuer Cybersicherheitsregeln aus, direkte Nachfolger gibt es zunächst nicht. Ein elektrischer Cayman und Boxster sind in der Entwicklung, verzögern sich jedoch.
Der Absatzrückgang fällt in eine Phase des Führungswechsels. Seit Anfang Januar steht Michael Leiters an der Spitze von Porsche, Oliver Blume konzentriert sich auf die Führung des Volkswagen-Konzerns. Für den neuen Vorstandschef wird der Druck sofort hoch. Vor allem in China.
DER AKTIONÄR hat die Porsche AG derzeit nicht auf seiner Empfehlungsliste. Der Konzern kämpft mit harter Konkurrenz und schwacher Nachfrage in China. In den USA belasten fehlende lokale Produktion und Importzölle. Hinzu kommen Sparprogramme und hohe Kosten für neue Modelle. Ein Einstieg drängt sich daher nicht auf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Porsche AG.
Heute, 11:42