Yahoo!
- Thomas Bergmann - Redakteur

Yahoo - ein Internet-Dino auf Abwegen

Der US-Internetkonzern Yahoo hat am Dienstagabend die Geschäftszahlen zum ersten Quartal präsentiert. Unternehmenschefin Marissa Mayer musste wiederholt eingestehen, dass noch viel Arbeit vor ihr liegt. Das Kerngeschäft läuft bescheiden, nur die Beteiligungen sorgen für Kursfantasie. "Yahoo ist mitten in einem mehrjährigen Umbau, um als Unternehmen wieder eine Ikone zu werden", sagte Konzernchefin Marissa Mayer. Sie will durch neue Inhalte und Funktionen mehr Nutzer und damit Werbeanzeigen auf die Yahoo-Angebote locken. Zuletzt allerdings mit durchwachsenem Erfolg.

Yahoo meldete zwar einen Umsatzanstieg um acht Prozent auf 1,23 Milliarden Dollar. Ohne die Erlöse, die für die Weiterleitung von Nutzern an Partner-Websites abgegeben werden müssen, waren es aber nur 1,04 Milliarden Dollar, was einem Rückgang um fast fünf Prozent zum Vorjahr entspricht. Der Gewinn brach sogar um 93 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum auf 21 Millionen Dollar ein, wie der Finanzbericht am Dienstag zeigte. Analysten hatten bessere Zahlen erwartet.

Teuer bezahlt

Yahoo hatte Google beim Web-Browser Mozilla als voreingestellte Suchmaschine verdrängt - ein Erfolg, der aber auch teuer bezahlt werden musste, wie sich nun zeigte. Außerdem schwächelt das Anzeigen-Kerngeschäft weiter. Klassische Desktop-Werbung - eine wichtige Einnahmequelle - sprudelt immer weniger. Die um die Abgaben an Partner-Seiten bereinigten Erlöse gingen um sieben Prozent und damit bereits das vierte Quartal in Folge zurück.

In Nischen wie den Anzeigen auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets konnte auch Yahoo Erfolge vermelden. Aber das reicht bislang nicht, um die Gesamtlage zu verbessern. Zumal auch andere Bereiche wie das Suchmaschinengeschäft zuletzt abbauten.

Abspaltungsfantasie

Dass die Aktie im nachbörslichen Handel nicht einbrach, lag an Mayers Aussagen zur Beteiligung an Yahoo Japan. Die Managerin erklärte während der Videokonferenz nach Bekanntgabe der Quartalszahlen, dass sie Berater angeheuert habe, um Optionen für die 35,5-prozentige und mehr als acht Milliarden Dollar wertvolle Beteiligung an Yahoo Japan zu sondieren. Die Ausgliederung dieses Anteils ist eine Kernforderung von Großinvestor Starboard Value.

Die Luft wird dünner

Sollte Yahoo nicht bald der Turnaround im operativen Geschäft gelingen, definiert sich der Wert des Konzerns nur noch über die Beteiligungen und die Liquidität. Diese zusammen sind aber immer noch mehr wert als Yahoo derzeit an der Börse wert ist.

(mit Material von dpa-AFX)

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