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Volkswagen-Fiasko: "Milliarden versenkt" – Aktie vor Richtungsentscheidung

Die Aktie des Wolfsburger Automobilkonzerns Volkswagen geriet in der zurückliegenden Woche deutlich unter Druck, ging als fünftschlechtester DAX-Wert ins Wochenende. Neben sich ändernden Marktbedingungen hat das Unternehmen auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Ein Magazinbericht deckt auf, dass VW Milliarden versenkt hat. Spätestens am Dienstag muss der Vorstand Anlegern reinen Wein einschenken – und der droht gekippt zu sein.

Die Probleme um den neuen Abgas- und Verbrauchstest WLTP sollen den Autobauer Volkswagen laut einem Pressebericht deutlich mehr gekostet haben als bislang bekannt. Der Konzern habe im vergangenen Jahr wegen Lieferverzögerungen und Rabatten Ergebniseinbußen von 3,6 Milliarden Euro hinnehmen müssen, berichtete der Spiegel am Freitag unter Berufung auf interne Berechnungen der Arbeitnehmerseite. Volkswagen-Finanzchef Frank Witter hatte das Ausmaß der Kosten stets mit über einer Milliarde Euro beziffert. Das Unternehmen wollte den Bericht des Magazins nicht kommentieren. Sollte die Summe jedoch stimmen, käme das einem Fiasko gleich. 2,6 Milliarden höhere Einbußen – ein Umstand, über den Aktionäre informiert werden sollten.

Rund eine Million Fahrzeuge hätten nicht wie geplant verkauft werden können, schreibt das Blatt. VW hatte im vergangenen Jahr viele Modelle zeitweise nicht anbieten können, weil die Zertifizierung nach dem seit September geltenden neuen Abgas- und Verbrauchstest fehlte. 800.000 betroffene Fahrzeuge seien zwar ausgeliefert worden, aber entweder verspätet oder durch Lieferung anderer Fahrzeuge mit kräftigen Rabatten. 200.000 Autos hätten gar nicht an Kunden geliefert werden können. Die Wirrungen rund um den Stichtag 1. September hatten weite Teile des Automarkts in der EU durcheinandergewirbelt und die gesamte Autoproduktion spürbar belastet. Auch andere Autobauer wie Mercedes-Benz hatten Probleme mit den neuen Vorgaben. 

Als wäre das nicht schon Problem genug, droht in Wolfsburg jetzt auch noch ein neuer Streit aufzuziehen. Wie das Handelsblatt vor dem Wochenende unter Berufung auf Konzernkreise berichtet hatte, plant das VW-Management bei der besonders von WLTP betroffenen Kernmarke bis 2023 weitere rund 5.000 Stellen zu streichen, um Milliarden einzusparen. Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte hingegen in der Braunschweiger Zeitung personelle Konsequenzen wegen Managementfehlern. "Es kann nicht sein, dass hier Milliarden versenkt werden und das bleibt ohne Folgen", sagte er dem Blatt. Der Vorstand gehe in Verwaltungsfunktionen von einem Abbau von 5.000 bis 7.000 Stellen aus. Darüber müsse aber verhandelt werden, so Osterloh.

Auf der Automesse in Genf hatte der Sprecher der Eigentümerfamilien und Volkswagen-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Porsche Anfang der Woche die "Verkrustungen" in Wolfsburg gerügt und insbesondere den Betriebsrat damit scharf attackiert. Vor allem die Kernmarke VW Pkw und die Premiumtochter Audi hätten Speck angesetzt und müssten schlanker werden. VW-Chef Herbert Diess indes stärkte Porsche interpretationslos den Rücken, in dem er sagte: "Ich stehe voll hinter dem Vorstand, wenn er das Unternehmen neu ausrichtet. Herbert Diess ist einer, der Druck macht, und das ist wichtig."

Dann kam Wolfgang Porsche auch auf das Thema Elektromobilität zu sprechen und wählte dabei ein Bild, das viel über die Wahrnehmung der deutschen Automobilindustrie aussagt. "Wir ziehen bildlich gesprochen mit unserer einen Elektrolokomotive zwanzig Waggons. Einige neue Wettbewerber haben gar keine Waggons, und bei uns beginnt eine Riesendiskussion, wenn ein halber Waggon abgehängt werden soll."

Zusätzlicher Ärger könnte Volkswagen nun von der EU drohen. Die europäische Wettbewerbsbehörde geht gegen die deutschen Autobauer in der Dieselaffäre rigoros vor. Dabei könnte VW ein Bußgeld von bis zu 23 Milliarden Euro drohen. Der Frontalangriff sorgte in Verbindung mit schwachen China-Daten und der Diskussion um den durch WLTP bedingten Milliardenverlust in der vergangenen Woche für vermehrten Druck auf die Aktie, die innerhalb von fünf Tagen 4,62 Prozent an Wert verlor, nachdem sie zuvor mit dem Überschreiten der 200-Tage-Linie noch ein Kaufsignal generiert hatte.

Nachdem Volkswagen nicht auf den eingangs erwähnten Spiegel-Bericht eingehen wollte, muss der Vorstand den Aktionären spätestens am Dienstag reinen Wein einschenken. Dann wird der Wolfsburger Automobilkonzern seine endgültigen Zahlen zum zurückliegenden Geschäftsjahr vorlegen. Beobachter erhoffen sich dabei weitere Antworten auf Fragen nach der derzeitigen Verfassung des Unternehmens.

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Mit Material von dpa-AFX

Ein Beitrag von Leon Müller, Chief Editor Börsen.Briefing. – dem täglichen Newsletter des Anlegermagazins DER AKTIONÄR (registrieren Sie sich kostenfrei unter www.boersenbriefing.de)

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