Volkswagen
- Jan Heusinger

US-Börsenaufsicht klagt gegen VW: Kommt die nächsten Milliardenstrafe?

Der Dieselskandal kostete den Volkswagen-Konzern allein in den USA bis dato mehr als 23 Milliarden Dollar. Doch Anleihekäufer, welche vom Unternehmen hinters Licht geführt wurden, waren von den Vergleichen bislang ausgeschlossen. Nun klagt die SEC gegen VW. Es drohen Strafzahlungen in Milliardenhöhe.

Neben dem Volkswagen-Konzern wird auch der langjährige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn explizit als Beschuldigter in der Klageschrift benannt. Hintergrund ist, dass VW im Zeitraum zwischen April 2014 und Mai 2015 Anleihen im Wert von 13 Milliarden Dollar am amerikanischen Kapitalmarkt begeben hat. Soweit natürlich kein Problem. Allerdings sei das Unternehmen seiner Informationspflicht nicht nachgekommen, so die Börsenaufsicht SEC.

Informationen vorenthalten

Denn nach Informationen der Behörde haben die Verantwortlichen des Konzerns zu diesem Zeitpunkt bereits von der Schummelsoftware in 500.000 Fahrzeugen gewusst und die Informationen vorenthalten. „Unternehmen, die den amerikanischen Kapitalmarkt nutzen, müssen Investoren mit akkuraten Informationen beliefern“, so die SEC-Direktorin Stephanie Avakian. Die Anleihen seien aufgrund der Unterschlagung zu günstigeren Konditionen für VW platziert worden.  

Mit „Nachdruck“ zur Wehr setzen

VW kündigte heute an, sich mit „Nachdruck“ gegen die Klage zur Wehr zu setzen. Die Klage weise „erhebliche juristische und inhaltliche Mängel auf“. Im Geschäftsbericht 2018 heißt es unter dem Punkt „Anlegerklagen weltweit“: „Die Volkswagen AG ist unverändert der Auffassung, ihre kapitalmarktrechtlichen Pflichten ordnungsgemäß erfüllt zu haben, sodass für diese Anlegerklagen keine Rückstellungen gebildet wurden.“ Neben der Anzeigen in den USA sind auch in Deutschland und den Niederlanden Klagen gegen das Unternehmen rechtshängig. Insgesamt belaufen sich die geltend gemachten Ansprüche weltweit (exklusive USA und Kanada) auf 9,6 Milliarden Euro. Wie hoch die Ansprüche in den USA ausfallen, ist bislang unklar. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet in dem Verfahren gegen die SEC mit schlechten Karten für das Unternehmen und geht von einer Ausgleichszahlung aus. Weltweit dürfte sich der Schadenersatz auf ein bis drei Milliarden Euro summieren, so Dudenhöffer weiter.

Aktie am Scheideweg

Fakt ist: Der Dieselskandal lastet weiter auf Volkswagen und die fehlenden Rückstellungen für Anlegerklagen sind ein Risiko. Doch der Konzern kommt Stück für Stück aus dem Skandal heraus. Wichtiger ist in naher Zukunft nach Meinung von Dudenhöffer die Umstellung auf den WLTP-Standard, damit VW wieder alle Modelle anbieten kann. Für den AKTIONÄR gibt es aktuell keinen Grund, langfristig in den Autobauer einzusteigen. Kurzfristig ist die Aktie aber sehr interessant.

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