UniCredit
- Martin Mrowka - Redakteur

Unicredit: HypoVereinsbank-Mutter nimmt Chart-Hürde ins Visier

Die italienische Großbank Unicredit hat die Analysten mit ihren Geschäftszahlen für das zweite Quartal überrascht. Die Aktie gehört heute an der Börse zu den Gewinnern.

Der seit zwei Jahren amtierende Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier kommt beim Umbau der italienischen Großbank offenbar gut voran. Dank deutlich geringerer operativer Kosten und Abschreibungen auf faule Kredite hat die Großbank – unter anderem Muttergesellschaft der HypoVereinsbank und der Bank Austria – zuletzt wieder mehr verdient. Der Nettogewinn stieg von 945 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf nun 1,02 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis nahm allerdings wegen sinkender Nettozins- sowie Handelseinnahmen um rund 4,3 Prozent auf 4,95 Milliarden Euro ab. Mit beiden Zahlen wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Deutschland-Geschäft mager

Die Ziele für das Gesamtjahr wurden von Mustier bestätigt. Im deutschen Privat- und Unternehmenskundengeschäft, wo seit der Finanzkrise vor zehn Jahren viele Filialen geschlossen und Stellen abgebaut wurden, verdiente die Unicredit allerdings deutlich weniger. Hierzulande konnten die Einsparungen das schwache Geschäft nicht kompensieren. Zudem hatte die Bank in Deutschland im Vorjahresquartal von der Auflösung einer Steuerrückstellung profitiert. 

Das Analysehaus Jefferies hat seine Einstufung für Unicredit nach den Zahlen auf "Buy" belassen. Das Kursziel liegt bei 20 Euro. Beim Ergebnis und den notleidenden Krediten hätten die Italiener positiv überrascht, schrieb Analyst Benjie Creelan-Sandford in einer ersten Reaktion. Die Kapitaldecke sei allerdings dünner als erwartet. In der vergangenen Woche hatte sich auch die US-Investmentbank Goldman Sachs positiv zur Unicredit geäußert und das Kursziel von 24,30 Euro bestätigt. Analyst Jean-Francois Neuez sagte, die Aktien blieben sein Favorit unter den italienischen Bankenwerten. Die Geschäfte im Heimatland machten weniger als die Hälfte der Bilanz des Finanzinstituts aus, was einen relativen Schutz vor den politischen Unsicherheiten in Rom biete.

Bis dahin hat die Unicredit-Aktie jedoch noch einige charttechnische Widerstände zu überwinden. Bei 15,50 Euro hindert zunächst das Zwischentief von Anfang Januar den Kursaufschwung, bei 16,40 Euro folgt dann die 200-Tage-Linie. Und die größte Hürde wartet dann bei gut 18 Euro, wo der Italo-Wert seit Juni 2017 bereits mehrfach scheiterte. Heute Morgen notiert die Aktie bei 14,55 Euro. DER AKTIONÄR bleibt vorerst an der Seitenlinie.

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