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Trading-Coach Sven Kleinhans im Interview: "Die Volatilität wird steigen"

Sven Kleinhans ist erfolgreicher Trader und Trading-Coach auf der Plattform nextmarkets.com. Im Interview mit dem AKTIONÄR gibt er wertvolle Tipps für den Einstieg in die Welt des Tradings.

◼ DER AKTIONÄR: Herr Kleinhans, wie sind Sie zum Trading gekommen?

Sven Kleinhans: Ich habe meine Laufbahn als Trainee bei der Resource Trading Group (RTG Deutschland) in Frankfurt begonnen. Später hab ich unter anderem bei der Man Group/MF Global in London und der Schweiz gearbeitet.

Was zeichnet einen guten Swing-Trader aus?

Richtige Analyse und richtiges Timing plus Selbst- und Risikobewusstsein. Mehr ist meines Erachtens nicht nötig.

Was war Ihr bisher bester Trade?

Ich weiß nicht, ob es den einen besten Handel gibt. Es waren viele tolle Geschäfte dabei. Es gäbe so viel zu erzählen.

Welches ist Ihr Fachgebiet beim Trading?

Mein Fachgebiet ist ganz klar die Aktie und die dazugehörigen Indizes. Aufgrund der vielen Möglichkeiten und meines mittlerweile eher globalen Blickwinkels finde ich aber auch in anderen Assetklassen Ideen. Zusätzlich nehme ich für mich in Anspruch, einen sehr differenzierten Blick auf die Märkte zu haben. Deshalb pflege ich zu vielen und vielem ein ambivalentes Verhältnis.

Auf welchen Regionen liegt dabei Ihr Fokus?

Ich konzentriere mich vor allem auf die USA und Europa. Regionen wie beispielsweise Japan stellen für mich derzeit keine Alternative da. Dasselbe gilt für China. Durch Regierungen manipulierte Märkte meide ich.

Wie bewerten Sie das Jahr 2015 im Rückblick aus Trader-Sicht?

Ich denke, dass viele Anleger das Jahr sehr unterschiedlich erlebt haben. Vor allem, weil die Notenbankpolitik kein „One Way“ war – auch wenn viele das rückblickend so einschätzen würden. Generell würde ich dennoch behaupten, dass die Chancen überwogen haben. 2015 war ein Jahr der Flexibilität.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Märkte im Jahr 2016 ein?

Die Risiken haben schon während des letzten Jahres stark zugenommen. Nun gesellen sich mehr und mehr versteckte Probleme hinzu. Die Kreditmärkte sind aufgrund des Richtungswechsels bei der Fed sehr angespannt, die Ertragsqualität der Unternehmen und die Wirtschaft generell stehen auf dem Prüfstand, hinzu kommen geopolitische Spannungen. Die Volatilität wird meines Erachtens daher etwas zunehmen, was jedoch gleichzeitig neue Möglichkeiten eröffnet. Ein nach wie vor unterschätztes Problem: die immer weiter versiegende Liquidität und die Zersplitterung der Märkte. Durch die Regulierung wurde mehr Unheil angerichtet, als vielen lieb sein dürfte.

Orientieren Sie sich bei der Auswahl Ihrer Empfehlungen an Fundamentaldaten oder am Chart?

Markttechnik überwiegt mit rund 90 Prozent. Fundamentale Daten greife ich ab und an auf, um ins Detail zu gehen. Ansonsten halte ich mich an Trendfolgestrategien und die Dow-Theorie.

Welche Maßnahmen zum Money-Management ergreifen Sie? Was raten Sie Anlegern, um die Risiken zu minimieren?

Ich habe im Money-Management schon viele Dinge ausprobiert und wissen Sie, was ich festgestellt habe? Klar, man kann mit strikten Stop-Loss-Orders arbeiten. Die passen nur leider nicht immer zum gewählten Underlying. Dabei spielen beispielsweise die Liquidität eines Produkts oder die Risiken aufgrund seiner Beschaffenheit eine Rolle. Auch die geplante Haltedauer ist ein Kriterium, über das sich viele gar keine Gedanken machen. Dazu kommen noch die relevanten Preismarken. Generell sollte man dennoch einen „Last Exit“ haben – sei es in Summe oder prozentual.

Auf wie viele Empfehlungen können sich Ihre Follower im Schnitt einstellen? Und wie lange bleiben Ihre Empfehlungen dann durchschnittlich im Depot?

In der Regel können Follower schon zwei Ideen pro Woche erwarten – mal mehr, mal weniger. Die Haltezeit liegt bei einigen Tagen bis zu mehreren Wochen.

Nun ans Eingemachte: Wie steht es um Ihren Track Record?

In meiner hochvolumigen, aktiven Zeit von 2002 bis 2012 belief sich meine Cumulative Rate of Return auf rund 1.411 Prozent. Aktuell erreichen wir bei den Trade Calls und Ideen eine Trefferquote zwischen 60 und 70 Prozent.

Wozu würden Sie Ihren Kindern raten? Zu einem BWL-Studium oder zu einer Ausbildung zum Trader?

Da ich in diesem Business schon einiges erlebt habe: Um ein vernünftiges Studium führt kein Weg herum!

Welchen Tipp würden Sie jedem Anleger mit auf den Weg geben?

Verlasse niemals den Pfad der Tugend und halte immer genug Pulver trocken, damit du auch morgen noch den Kampf aufnehmen kannst. Ich kenne einige der größten Trader in Chicago und an der EUREX. Eines haben alle gemeinsam: zu wissen, wann man nicht traden sollte.

Herr Kleinhans, vielen Dank für das Interview.

Hinweis auf potenzielle Interessenkonflikte: An der nextmarkets GmbH ist die börsennotierte FinLab AG (WKN 121806 / ISIN DE0001218063 / Tickersymbol: A7A) beteiligt. An der FinLab wiederum ist der Herausgeber von DER AKTIONÄR mittelbar wesentlich beteiligt.

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