Take-Two Interactive Software
- Benedikt Kaufmann

Take-Two: Schlag auf die Finger beim Griff in die Tasche

Es dauerte nur einen Tag, dann regte sich der erste Widerstand der Gamer-Community gegen „Red Dead Redemption 2“ von Take-Two. Der Vorwurf: Das Monetarisierungs-System durch Mikrotransaktionen sei unfair und gehe zu Lasten von Gelegenheitsspielern und Spielern, die kein zusätzliches Geld investieren wollen oder können. Die Folge: Die Aktie taucht vorerst ab. Ist die Angst übertrieben?

Wie erwartet, hat Take-Two in den Online-Multiplayer-Modus des bereits im Oktober erschienen Gaming-Krachers „Red Dead Redemption 2“ (RDR2) Mikrotransaktionen eingeführt. Spieler können damit bessere Waffen oder kosmetische Upgrades mit Echtgeld kaufen. Zwar können Gegenstände, die einen Unterschied im Gameplay machen, auch durch Spielgeld erworben werden. Doch die Spielzeit die dafür benötigt wird, ist absurd hoch.

Beta-Test lässt Spielraum

Während vor wenigen Jahren ein derartiges System ebenfalls kritisch gesehen worden wäre – die Spieler hätten es mit einem Murren akzeptiert. Doch in letzter Zeit greifen die großen Spiele-Konzerne nach dem Empfinden der Spieler zu tief in deren Taschen. Electronic Arts setzte hier mit „Star Wars Battlefront II“ einen Präzedenzfall. Das Spiel wurde aufgrund eines unfairen Pay-To-Win Monetarisierungs-Systems boykottiert und floppte, obwohl EA nachträglich alle Bezahlinhalte aus dem Spiel nahm.

Tatsächlich ist auch bei RDR2 Online die Ökonomie im Spiel noch nicht perfekt und geht in Richtung Pay-to-Win. Laut den Analysten der Bank of America Merill Lynch (BofAML) könne sich dieser Umstand jedoch noch verbessern. Die Analysten weisen darauf hin, dass Take-Two etwa 18 Monate gebraucht habe, um aus GTA Online eine zuverlässige Umsatz-und Gewinn-Maschinerie zu machen, die von den Spielern akzeptiert und nicht als zu unfair betrachtet wird. Aktuell sei RDR2 Online noch in seiner Beta-Testphase. Spielmechaniken und Spielökonomie könnten sich noch verbessern.

Paywall ganz neu

Laut der BofAML sei die Angst vor einer Umsatzenttäuschung bei RDR2 Online daher unbegründet. DER AKTIONÄR sieht das zum aktuellen Beta-Zeitpunkt jedoch anders. Sicherlich ist der Online-Modus nur als Addon zu einem hervorragenden seine 60 Euro Kaufpreis mehr als werten Spieles zu verstehen. Doch die Community ist aktuell hoch sensibilisiert für unfaire Ingame-Monetarisierung. Wer dann bereits in der Beta seine Spieler gegen eine Pay-to-Win-Wand laufen lässt, läuft Gefahr potenzielle Spieler zu verlieren. Bei GTA Online wurde die „Monetarisierungs-Schraube“ langsam angezogen und konnte durch ständig neueinfließende Inhalte gerechtfertigt werden. Bereits im Beta-Test mit überzogenen Mikrotransaktionen zu starten – eine Fehlentscheidung von Take-Two.

DER AKTIONÄR rät zum aktuellen Zeitpunkt weiterhin von der Aktie von Take-Two ab und wartet ab, wie die Reaktion des Entwicklerstudios sowie die fertige Version von RDR2 Online ausfallen.

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  • Chillside
    Chillside -
    Guter Artikel! Ich teile Ihre Meinung. TakeTwo muss hier ganz vorsichtig sein, damit sie nicht den selben "shitstorm" wie Battlefront2/FIFA und Konsorten erleben. Ich denke hier muss noch eine gesunde Balance zwischen Monetarisierung via Mikrotransaktionen und Spielspaß für alle gefunden werden.

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