DAX
- Michael Schröder - Redakteur

Spannende Situation im DAX: Anlagenotstand contra Gewinnmitnahmen

Der DAX konnte heute erneut Wirtschaftsgeschichte schreiben und erstmals die magische Marke von 11.000 Punkten überspringen. Neben dem Plan für eine Waffenruhe in der Ukraine sorgten positive Konjunkturdaten aus Deutschland für die notwendigen Impulse. „Es wird nun auch von der Regierung in Athen abhängen, ob die Party an den Börsen anhalten kann“, sagt Tobias Basse, Aktienstratege bei der Nord/LB. DER AKTIONÄR fragte nach.

DER AKTIONÄR: Woher kamen die jüngsten Impulse für den DAX?

Tobias Basse: Nachdem gestern der Plan für eine Waffenruhe in der Ukraine die Kurse befeuert hatte, halfen dem Aktienmarkt am aktuellen Rand die erfreulichen Angaben zum Wirtschaftswachstum in Deutschland. Diese vorläufigen Zahlen waren eine positive Überraschung für die Marktteilnehmer. Die deutsche Wirtschaft profitiert derzeit eindeutig von niedrigen Zinsen, einem gesunkenen Ölpreis und einer schwachen Währung. Dieses Umfeld hilft den Unternehmen und gibt der Rekordjagd an der Börse entsprechend noch etwas mehr Schwung.

Aber das QE-Programm der EZB bleibt weiter ein stützender Faktor für den deutschen Aktienmarkt, oder?

Ja. Dieses Programm verankert das Zinsniveau in der Euro-Zone zunächst auf niedrigem Niveau und sorgt für reichlich Liquidität. Damit bleiben die Investoren im Zustand des Anlagenotstands gefangen. Die Auswirkungen, die QE-Maßnahmen auf den Aktienmarkt haben können, lassen sich in den USA beobachten. Das inzwischen beim Leitindex S&P 500 zu diagnostizierende hohe KGV ist nämlich zumindest partiell eine Folge der Wertpapierkäufe der US-Notenbank Fed.

Aus welcher Richtung ist mit Störfeuer zu rechnen?

Stören kann die Party am Aktienmarkt nun wohl vor allem der Schulden-Poker der EU mit Athen. Das Ausbleiben einer Lösung würde sicherlich kurzfristig für Druck auf die globalen Aktenkurse sorgen. Selbst mit einer Einigung könnten Investoren angesichts der aktuellen Bewegungen zu Gewinnmitnahmen neigen.

Wie lautet vor diesem Hintergrund Ihr Fazit?

Der DAX konnte heute erstmals über die Marke von 11.000 Zählern springen. Positive Konjunkturdaten aus Deutschland halfen. Es wird nun auch von der Regierung in Athen abhängen, ob die Party an den Börsen anhalten kann. Selbst mit einer Einigung müssen potenzielle Belastungsfaktoren im Auge behalten werden. Trotz Anlagenotstand der Investoren könnte auch das Thema Gewinnmitnahmen zunehmend von Bedeutung für das Marktgeschehen werden. Wir sehen den DAX in zwölf Monaten bei 11.200 Zählern. Damit ist der Weg zur nächsten magischen Marke von 12.000 Punkten noch weit!

Vielen Dank für das Interview

 

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

DAX: Und täglich grüßt das Murmeltier

Der deutsche Aktienmarkt kommt auch am Dienstag nicht von der Stelle. Nach anfänglichen Verlusten kämpft sich der DAX immerhin etwas ins Plus, was mit der Nachricht zusammenhängen könnte, die britische Regierung müsse die Zustimmung des Parlaments zum geplanten EU-Austritt einholen. Letztendlich … mehr
| Michael Schröder | 0 Kommentare

+6% seit Jahresanfang, +190% seit Auflage: Lust auf reale Börsengewinne? Dann sichern Sie sich dieses Kennenlernangebot!

Mit dem Real-Depot vom AKTIONÄR bringen Sie neuen Schwung in Ihr Depot. Denn ab sofort nutzen Sie die gesamte Bandbreite des Börsenhandels: Sie nutzen kurzfristige Trading-Chancen. Sie halten manche Positionen aber auch über Monate, um das Maximum an Rendite aus einem Aktientrend herauszuholen. Nutzen Sie dazu das exklusive Kennenlernangebot. … mehr
| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

DAX stark unter Druck - Ende der "Honeymoon-Rallye"

Am deutschen Aktienmarkt herrscht am ersten Handelstag der Woche trübe Stimmung. Kurz nach Eröffnung notiert der DAX mehr als 100 Punkte im Minus. Vor allem der wiedererstarkte Euro macht den Börsen hierzulande zu schaffen. Der Grund dafür: Wegen Donald Trumps "America First"-Ideologie trennen sich … mehr