DAX
- Nikolas Kessler - Redakteur

Trading-Coach Christian Fahrner: "Anleger lernen erst durch Schmerz"

Basierend auf der technischen Analyse hat Day-Trader Christian Fahrner seine eigene Trading-Strategie entwickelt. Als Coach bei nextmarkets.com teilt er sie mit seinen Followern. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät er, worauf es beim Trading ankommt und warum gute Ratschläge oft nichts nützen.

◼ DER AKTIONÄR: Herr Fahrner, wie sind Sie zum Trading gekommen?

Christian Fahrner: Während meiner Bankausbildung kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit Derivaten und Zertifikaten. Ich war sofort begeistert vom Thema Börse und begann zunächst, übereifrig und ohne Konzept zu handeln. Parallel eignete ich mir dann das Fachwissen an, intensivierte das Trading und entwickelte meinen persönlichen Handelsstil.

Was war bisher Ihr bester Trade?

Das ist eine schwierige Frage. Einen meiner besten Trades erzielte ich mit einer Long-Position auf den DAX. Bei dem panikartigen Abverkauf am 24.August 2015 bin ich mit einem 15-Punkte-Stopp bei 9.360 Zählern long gegangen. Im Tagesverlauf drehte der Markt und schloss letztlich bei 9.648 Punkten.

Was zeichnet einen Swing-Trader aus?

Generell versuchen Swing-Trader, die Kurschwankungen an der Börse beim Handeln für sich auszunutzen. Auf unterschiedlichen Zeitebenen nutzt man dabei verschiedene Indikatoren und die Charttechnik, um Ein- und Ausstiegssignale zu erhalten. Das Entscheidende ist die Bewegung im Markt – die eigene Meinung zur jeweiligen Situation spielt dagegen eine untergeordnete Rolle.

Wie bewerten Sie das vergangene Jahr aus Trade-Sicht?

Aus meiner Sicht war das Jahr 2015 ein sehr schwieriges Jahr für die Trader. Der DAX zog innerhalb von nur vier Monaten über 30 Prozent an und war lange Zeit überkauft. Im Oktober sahen wir dann das Tief bei etwa 9.320 Punkten. Die Schwankungsbreite war enorm und durch den Computerhandel fielen die Bewegungen noch schneller und heftiger aus als bisher.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Märkte 2016 ein?

Insgesamt kann man festhalten, dass die Unsicherheit wieder deutlich zugenommen hat. Auch in der nächsten Zeit wird die Volatilität sehr hoch bleiben. Für das Gesamtjahr bin ich jedoch sehr zuversichtlich. Meiner Meinung nach sehen die Marktakteure gerade nur die Risiken und vergessen dabei die Chancen, welche der Kapitalmarkt bietet.

Welches ist Ihr Fachgebiet beim Trading?

Ich habe mich auf das Day-Trading spezialisiert. Die technische Analyse bildet dabei die Grundlage meiner Strategie. Neben der Candlestick-Darstellung verwende ich diverse Chartmuster mit verschiedenen finanzmathematischen Indikatoren, insbesondere Oszillatoren.

Auf welchen Basiswerten und Produkten liegt dabei Ihr Schwerpunkt?

Generell arbeite ich mit CFDs auf den DAX, den Dow Jones und das Währungspaar Euro/US-Dollar. Auf Sicht von mehreren Tagen handle ich darüber hinaus ausgewählte Einzelaktien, Gold und Silber.

Die Rohstoffpreise – vor allem bei Öl und Gold – notieren auf Mehrjahrestiefs. Wie sollten sich Anleger jetzt verhalten?

Nach derartigen Verlusten, wie wir sie am Ölmarkt gesehen haben, sind kurzfristig natürlich immer Gegenbewegungen möglich. Fundamental betrachtet hat sich die Lage jedoch komplett geändert: Vor allem durch das Fracking ist die Fördermenge enorm gestiegen. Zudem sind die Lagerbestände weltweit auf Rekordniveau. Selbst für den Fall, dass die Preise für Öl jemals wieder kräftig steigen sollten, sind die alternativen Energiequellen wieder stärker gefragt und üben Druck auf den Preis aus. Daher würde ich von langfristigen Long-­Positionen beim Öl abraten. Zum Goldpreis habe ich derzeit keine eindeutige Meinung.

Orientieren Sie sich bei der Auswahl Ihrer Empfehlungen an Fundamentaldaten oder am Chartbild?

Die meisten meiner Empfehlungen sind eher auf kurzfristige Sicht und beruhen allein auf der Charttechnik. Fundamentaldaten beziehe ich nur bei Einzelwerten mit ein, wenn ich sie über einen längeren Zeitraum halte.

Auf wie viele Empfehlungen können sich Ihre Follower im Schnitt einstellen? Und wie lange bleiben die Empfehlungen dann durchschnittlich im Depot?

Die Anleger bekommen von mir eine tägliche Trading-Idee für den DAX und darüber hinaus noch vier bis fünf Empfehlungen pro Woche, die sich auf den Dow Jones oder ausgewählte Einzeltitel beziehen. Die Haltedauer variiert dabei von einigen Stunden bis hin zu einer Woche.

Welche Maßnahmen zum Money-Management ergreifen Sie?

Das Wichtigste ist, bei der Eröffnung des Trades einen Stop-Loss festzulegen. So kann der maximale Verlust von vornherein einkalkuliert werden. Denn es ist immer wichtig, zu sehen, welcher Betrag verloren geht, falls die Idee nicht aufgeht. Außerdem setze ich pro Trade immer maximal 1,5 Prozent meines Eigenkapitals ein.

Nun ans Eingemachte: Wie steht es um Ihren Track Record?

Ich handle mit meiner Strategie mittlerweile schon seit sieben Jahren. Die durchschnittliche Rendite lag dabei bei 20 Prozent.

Wozu würden Sie Ihrem Kind raten? Zu einem BWL-Studium oder einer Ausbildung zum Trader?

Generell würde ich mein Kind nicht in eine gewisse Schiene drängen wollen. Sollte sich tatsächlich – wie bei mir – eine Leidenschaft für das Trading entwickeln, kann ich den Beruf „Trader“ nur empfehlen. Zwar ist der Job nicht immer leicht und kann auch sehr nervenaufreibend sein. Dafür ist er jedoch auch sehr abwechslungsreich und aufregend.

Welchen Tipp würden Sie jedem Anleger mit auf den Weg geben?

Meiner Meinung nach muss man die meisten Erfahrungen beim Traden leider selbst machen und aus den eigenen Fehlern lernen. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass all die gut gemeinten Ratschläge, wie beispielsweise zum Money-Management oder zu Stoppkursen, in der Praxis mindestens einmal missachtet werden. Der Anleger lernt sozusagen erst durch den Schmerz. Daher kann ich nur raten, das eingesetzte Kapital den persönlichen Vermögensverhältnissen anzupassen.

Herr Fahrner, vielen Dank für das Interview!

 

Hinweis auf potenzielle Interessenkonflikte: An der nextmarkets GmbH ist die börsennotierte FinLab AG (WKN 121806 / ISIN DE0001218063 / Tickersymbol: A7A) beteiligt. An der FinLab wiederum ist der Herausgeber von DER AKTIONÄR mittelbar wesentlich beteiligt.

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