Tesla
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Investmentpunk: "Tesla kann crashen, Bitcoin explodieren"

Immobilienexperte und Buchautor Gerald Hörhan – bekannt als Investmentpunk – warnt vor „ICO-Bullshit“, der Bilanz von Tesla und den hohen Bewertungen im Markt. Chancen sieht er bei Kryptowährungen wie Bitcoin. Florian Söllner, leitender Reakteur des AKTIONÄR und Chefredakteur des Hot Stock Report hat ihn gesprochen.

DER AKTIONÄR: Gerald, wir haben uns 2001 bei einem Kurzurlaub mit Freunden kennengelernt. Du hattest damals noch keine Punk-Klamotten, aber schon schnelle Autos und einen großen Ehrgeiz. Wie wurdest du zum „Investmentpunk“?

Gerald Hörhan: Ja, damals haben wir das Wochenende in Monaco gut gefeiert. Und ich war damals schon ein Rebell, sogar schon als Kind in der Schule. Ich lehne den ganzen gesellschaftlichen Bullshit, die Normen, ab. Dresscode oder andere Regeln finde ich sinnlos. Auch von Bürokraten halte ich gar nichts.

Mein Ziel war immer, was zu erreichen.

Die letzten Jahre habe ich viele Immobilien gekauft, hab ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben und die Investmentpunk-Academy gegründet.

Viele junge Menschen, die du per Youtube und Facebook erreichst, fragen sich: Kann auch ich großen Wohlstand erreichen – oder wurdest du bereits mit dem goldenen Löffel im Mund geboren?

Nein, bei meinen Eltern war Geld immer knapp – ich habe mir alles erarbeitet. Ich habe als Schüler und nebenbei zu meinen Harvard-Studium gearbeitet. Normale Punks stehen untätig auf der Straße und betteln. Doch Investmentpunks zeigen Einsatz, sind mutig und erobern die Wirtschaftswelt.

Hart bist du nicht nur dir gegenüber, sondern auch im Geschäftsleben. Ich erinnere mich daran, wie wir zur Jahrtausendwende Start-ups besucht haben und du zum Entsetzen der Gründer knallhart Passagen aus Verträgen gestrichen hast. Wie tough muss man im Business sein?

Man darf im Business kein Arschloch sein und Leute bestehlen – wie es etwa teilweise gerade im ICO-Bereich der Fall ist. Aber man muss hart sein. Hart kämpfen und laufen wie etwa im Fußball ist Pflicht. Um erfolgreich zu sein, muss man die Dinge anders, kreativer machen. Man muss überraschen, die Konventionen hinter sich lassen.

Auch Initial Coin Offerings (ICOs) gehen einen neuen Weg, um Geld für Start-ups einzuwerben. Doch viele Experten warnen: Das Gros der ICOs ist unseriös. Rätst auch du: Finger weg?

Die Blockchain kann Handelsregister, Grundbücher, Markenregister ersetzen. Noch gibt es jedoch wenig wirklich sinnvolle Business Models. Vielmehr versuchen derzeit viele, per ICO das schnelle Geld zu machen. Aktuell sind 98 Prozent dieser ICOs Trash. Bei 10 bis 20 Prozent wird das Geld tatsächlich auf illegale Weise gestohlen, bei 20 Prozent wird es auf legale Art und Weise gestohlen, indem etwa die Gründer bis zu 30 Prozent des Emissions­erlöses einstecken. Nur ein paar ICOS gibt es, die Sinn machen. ICOs für Online-Sex oder bei Immobilien machen teilweise etwa wirklich Sinn.

Ein anderes Kapitel sind größere Kryptowährungen. Wir setzen etwa im Hybrid-Depot des bitcoin report auf den Coin EOS, der sich allein im April vervielfacht hat. Spielst du hier auch mit?

Ja, ich habe ein paar Kryptowährungen – aber nur einige der großen.

Wie schätzt du in etwa die Chancen deiner Bitcoins ein?

Ziemlich binär: Entweder der Bitcoin wird wertlos oder sehr, sehr viel mehr wert. Wenn es einen Börsencrash gibt, dann gibt es immer Safe Havens, in die das Cash fließt. Wenn hier auch in Kryptowährungen Geld hi­neinfließt, ist dieses Segment sehr viel wert – setzt aber dann auch hier die Flucht ein, können Bitcoin und Co ins Bodenlose fallen.

Und es gibt bereits positive Beispiele ...

Ja, bei Bitcoin und Ethereum hat sich in Simbabwe und Venezuela schon gezeigt, dass sie als Krisenwährungen funktionieren. Geht nur ein kleiner Teil der großen Vermögen in Kryptowährungen, dann explodiert Bitcoin.

Dein Steckenpferd sind Immobilien-Investments – wie ist hier die Lage, ist das ein Markt, in den man noch beherzt einsteigen kann als Investor?

Die Immo-Blase kann sich noch weiter aufblasen. Doch das Verhältnis von Mieten und dem Investment stimmt mittlerweile in den meisten Fällen nicht mehr.

Wenn die Zinsen stark steigen und die Wirtschaft sich abkühlt, dann kann in gehypten Lagen wie Berlin das Preisniveau um 40 bis 50 Prozent fallen. Zumal angesichts des aktuellen Baubooms Überkapazitäten aufgebaut werden.

Bist du nur bei Immobilien oder auch bei anderen Asset-Klassen vorsichtiger geworden?

Wir bewegen uns auf einen Höhepunkt der Asset-Preise zu. Die Asset-Inflation hat es schon gegeben. Jetzt beginnt in den USA und Deutschland allmählich die Real-Inflation – dann müssten die Zinsen steigen und Vermögensgegenstände wie Aktien deutlich fallen. In zwei bis drei Jahren werden die Zinsen auch in Europa deutlich steigen, wie in den USA schon gesehen. Und der gesamte Aktienmarkt ist überbewertet. Gerade bei Banken, die durch die Digitalisierung bedroht sind, sollte man vorsichtig sein.

Keine sehr rosigen Aussichten. Was soll also ein junger Mensch mit 100.000 Euro, die er von seiner Oma geerbt hat, tun?

Aktien sind teuer, der Boom war lange, die Gefahr von Zinserhöhungen steigt. Die Wahrscheinlichkeit einer saftigen Korrektur nimmt an der Börse zu. Die Zeiten werden turbulent. Ich wäre vorsichtig. Tipp: Cashquote hoch halten, Edelmetalle wie Gold und Rohstoffe kaufen und ein wenig in Kryptowährungen stecken. Aber nie spekulative Investments mit Schulden finanzieren. Wichtig: Keine illiquiden Vermögenswerte wie Start-ups oder Kunst halten. Zu Beginn jedoch erst lernen!

Denn Schulbildung reicht für den Einstieg in die Finanzmärkte nicht aus ...

Ja, gegen die Bürokratie bei Schulen sind Banken Schnellboote. Gute Lehrer müsste man besser bezahlen und schlechte sofort auf die Straße setzen. Online-Marketing, künstliche Intelligenz, IT-Ethik werden unseren Kindern nicht gut beigebracht.

Du sagst, es braucht in Zukunft wieder mehr Philosophen. Wieso?

„Was ist Hate-Speech“ ist eine solche philosophische Frage. Laut Aussage der Grünen ist etwa alles löschwürdige Hate-Speech, was nicht deren Meinung ist. Das Gegenteil sind Rechtspopulisten, für die alles unter Meinungsfreiheit fallen sollte. Das Schwierige: Der Mensch muss definieren, was die künstliche Intelligenz dann umsetzt.

Womit wir beim Thema Facebook wären. Neben den Vorteilen solcher Plattformen wird derzeit der problematische Datenschutz diskutiert. Nun gab es einen Rückschlag im Chart – würdest du hier nun zugreifen?

Facebook ist ein wichtiger Konzern. Zuckerberg hat sich in den Anhörungen gut geschlagen, auch weil sich gezeigt hat, dass das politische Establishment ahnungslos ist. Facebook ist zunächst gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Würde sich he­rausstellen, dass wirklich aufgrund des Datenskandals Trump gewählt worden oder der Brexit befeuert worden ist – dann käme es zur Staatskrise und könnte Facebook weiter schaden. Doch so wie es Facebook jetzt managt, wird nicht viel passieren. Die Facebook- Aktie ist noch nicht so tief gefallen, um schon hier antizyklisch einzusteigen.

Du liebst es, in deinem Tesla zu reisen? Nervt dich das Nachladen bei weiten Strecken?

Meinen Tesla kann ich in 35 Minuten laden, um zum nächsten Supercharger zu kommen – dann muss ich ohnehin pinkeln und Pause machen. Das funktioniert gut.

Während du dem Auto vertraust, bist du bei der Aktie vorsichtiger...

Ich liebe das Auto. Bei Tesla sind die Produkte besser als die Bilanz. Tesla verbrennt pro Quartal 600 Millionen Dollar. Kommt es zu einem Börsencrash, dann versiegt der Zugang zu Kapital. Auch könnte im Falle einer Scheidung von Musk die Ex-Frau Aktien bekommen und die Papiere auf den Markt werfen, was die Aktie ins Bodenlose fallen lassen könnte. Verlieren die Anleger die Geduld, wenn die Produktion des Model 3 nicht wie geplant klappt? Gelingt keine Massenfertigung, ist die aktuelle Marktkapitalisierung nicht gerechtfertigt. Spätestens nächstes Jahr braucht Tesla neue Milliarden Dollar. Wenn die Börsen crashen, wird es eng für Tesla.

Doch eine rapide fallende Aktie bedeutet ja nicht das Ende der Marke Tesla ...

Tesla würde im Fall einer Insolvenz oder Umstrukturierung nicht komplett verschwinden. Tesla hat eine starke Marke, auch wenn sie mittlerweile etwas angekratzt ist, viele Daten und das größte Ladenetz. Fällt die Aktie stark, könnte es auch ein Übernahmekandidat für Mercedes oder VW werden. Denn ein Tesla, der auch noch die deutsche Verarbeitungsqualität hätte, wäre das beste Auto der Welt. Eine S-Klasse mit allen Vorzügen des Teslas wäre ein Traum. Das würde ich sofort kaufen.

Ein selbstfahrendes Auto hat viele Vorteile – doch du siehst auch Gefahren?

Die Menschen haben verlernt zu rechnen, verlernt zu navigieren – und bald wird die KI auch Vorschläge machen, wohin wir Essen gehen oder was wir einkaufen sollen. Den Menschen wird abgenommen zu denken, und das Gehirn degeneriert. Und wenige Menschen im Silicon Valley oder China kontrollieren all das – und das politische Establishment schaut ahnungslos zu. Kritische Bürger sollten solche Entwicklungen verhindern – rebellieren!

Auch in Deutschland gibt es mit dem „Börsenpunk“ aus unserem Haus ein erfrischendes Youtube-Finanz-Format. Schon ein Fan davon?

Das Format habe ich bislang nicht angeguckt. Der Name Börsenpunk stört mich nicht. Den Investmentpunk gibt es ja schon länger. Aber ich finde es gut, wenn es immer mehr Punks gibt.

Zuletzt noch ein Tipp an alle jungen und erfahrenen Anleger?

Regeln brechen – denkt nicht mit dem Mainstream, und ihr werdet erfolgreich!

(Dieses Interview ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 19/2018 erschienen)

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| Jan Heusinger | 0 Kommentare

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