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- Andreas Deutsch - Redakteur

Investment-Guru Bill Gross: Es droht der Kollaps

Nach Einschätzung Gross’ hemmt die ultra-lockere Geldpolitik der großen Notenbanken das Wachstum der meisten Volkswirtschaften eher, als dass sie es ankurbelt. „Solange die Zentralinstitute ihre Leitsätze weiterhin künstlich nahe der Nulllinie halten, ist die elementare Steuerungsfunktion des Zinses für die Verteilung von Kapital weitgehend außer Kraft gesetzt“, so der Anleihenprofi, der früher bei Pimco und jetzt bei Janus Capital beschäftigt ist. Die Notenbanken sollten umschwenken.

Die Gefahr bestehe, dass mittel- bis langfristig das Wirtschaftssystem der Industriestaaten nachhaltig geschädigt wird. „Niedrige oder Null-Prozent-Zinsen scheinen zunächst Wunder zu wirken, weil sie die Vermögenspreise beflügeln und die Realwirtschaft stabilisieren. Aber sie haben eine Art unsichtbares Gepäck im Schlepptau. Je länger die Niedrigzinsphase andauert und Zinsen nahe der Nullmarke zur einer Art Norm werden, desto schwerer wird dieses Gepäck.“ Aber das scheinen die Notenbanker laut Gross nicht zu bemerken.

„Zinsen von nahezu null Prozent zerstören die Funktion, die das Sparen innerhalb des kapitalistischen Systems hat. Die Sparvermögen sind die synchrone Gegenkomponente für Investitionen. Ich frage mich, warum kaum jemand diesen offenkundigen Zusammenhang sehen möchte.“

Vor diesem Hintergrund sieht Gross die Gefahr, dass die Wirtschaftssysteme in den Industriestaaten vor einem Kollaps stehen. „Die Volkswirtschaften der entwickelten Welt sind dabei, ins Leere zu laufen. Denn wenn die Erträge eines Investments mittel- bis langfristig auf nahezu null abdiskontiert werden, woher soll dann das Geld kommen, um etwa das Versorgungsversprechen gegenüber einer alternden Bevölkerung einzulösen?“, warnt Gross.

Gefahr für US-Aktien

Für den US-Aktienmarkt ist Gross skeptisch. Mit der jüngsten Korrektur sei es noch nicht getan, so der Altmeister in einem Interview mit Bloomberg News. "Es werden noch mehr schlechte Zahlen kommen und wenn man einen Bärenmarkt als eine Korrektur um 20 Prozent definiert, werden wir in sechs bis zwölf Monaten die klassische Definition eines Bärenmarktes haben, was eine Abwärtsbewegung um weitere zehn Prozent bedeutet.“


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