HanseYachts
- Markus Horntrich - Chefredakteur

HanseYachts: „Unser Auftragsbestand liegt auf Rekordniveau“

Am 11. September startet mit dem Cannes Yachting Festival eine der bedeutendsten internationalen Messen für Motorboote und Yachten. Mit dabei: die HanseYachts AG, die in Frankreich mit neuen Modellen auftrumpfen will. Mittelfristig peilt CEO Dr. Jens Gerhardt einen Umsatz von 200 Mio. Euro Umsatz bei einer EBITDA-Marge von 10 bis 12 Prozent an: „Damit wären wir im Segelbereich deutlich die Nummer 2 und rücken bei den Motorbooten dichter an die Top 5 heran.“ DER AKTIONÄR sprach mit dem Konzernlenker auch über die Insolvenz des Konkurrenten Bavaria, den Trend zu mehr luxuriösen Extras und den starken Auftragseingang nach dem Rekordumsatz im Vorjahr.

Herr Dr. Gerhardt, die Insolvenz Ihres Konkurrenten Bavaria hat die Machtverhältnisse im Segelyachtbau neu geordnet. Wie profitiert HanseYachts von dieser neuen Marktstruktur?

Dr. Jens Gerhardt: Derzeit ist noch unklar, ob und wie es mit dem Brand der bisher drittgrößten Segelyacht-Werft der Welt aus Bayern weitergeht. Da diese finanzielle Schieflage nicht plötzlich gekommen ist, gehe ich davon aus, dass die Endverbraucher weitestgehend schadfrei ausgehen. Dies ist für alle Markteilnehmer – und das sind nicht nur die Wettbewerber, sondern auch Händler und Lieferanten – kurzfristig das Wichtigste, um das Vertrauen in die Branche hoch zu halten. Sofern Kapazität vom Markt genommen wird, freut das natürlich immer den Rest der Anbieter, auch wenn sie nicht exakt dieselbe Zielgruppe bedienen und einem die Mitarbeiter leidtun, die wie meistens nichts dafürkönnen.

Wenn man die zahlreichen kleinen Nischenplayer außen vorlässt, herrscht im Markt für Segelyachten ein regelrechtes Oligopol und das global. Dies müsste sich doch auch positiv auf die Margen auswirken oder befinden Sie sich in einem Preiskampf mit Ihren französischen Wettbewerbern?

Wenn wir den globalen Markt der Segelboot-Yachten ansehen, können wir inzwischen durchaus beinahe von einem Oligopol sprechen. Lassen wir Bavaria einmal außen vor, dann sehen wir weltweit nur noch drei Konglomerate. Beneteau aus Frankreich ist mit den Marken Jeanneau, CNB und Lagoon deutlich der Platzhirsch und hat jüngst seine Kapazitäten durch den Zukauf von Delphia ausgeweitet. An zweiter Stelle folgt die HanseYachts AG mit unseren Marken Hanse, Moody und Dehler. Fast gleichauf formiert sich derzeit ein weiteres französisches Joint Venture aus Dufour und Fontain Pajot. Es existieren zwar unzählige kleine Werften in praktisch jedem Land, diese sind jedoch geprägt durch kleine Volumina. Das ist für uns ein komfortablerer Markt als noch vor zehn Jahren, als sich mehr als 20 fast gleich große Werften aus vier Kontinenten einen erbitterten Kampf geliefert haben. Interessant ist auch, dass alle drei großen Anbieter mehrere Marken unter einem Dach bündeln und auch Katamaran-Werften in Frankreich besitzen. Zudem betreiben zwei von den drei Marktführern auch Produktionsstätten in Polen.

Welche der HanseGroup-Marken wachsen aktuell am stärksten? Gibt es auch Sorgenkinder im Portfolio, die sich nicht wie geplant entwickeln?

Besonders stark wächst derzeit das Segment der Motorboote. Neu für uns sind Motorboote mit Außenbordmotoren. Wir hatten erwartet, dass sich dieser Markt positiv entwickelt, sind aber nun doch von der hohen Dynamik überrascht. Viele Kunden bestellen insbesondere bei den Außenbordern erstaunlich leistungsstarke Aggregate. Hier steht eindeutig die sprichwörtliche Freude am Fahren mehr im Vordergrund als die Wirtschaftlichkeit. Aber nicht alle Marken wachsen gleichzeitig. Das liegt hauptsächlich an unserer Produktpolitik. Wir können nicht in jedem Jahr für alle Marken gleichmäßig Innovationen an den Markt bringen. Beispielsweise hatten wir im letzten Jahr keine neue Moody im Angebot, dies ändern wir nun, was auch dieser Marke in der nächsten Saison ein stärkeres Plus bescheren sollte.

Mit der Aufnahme der Katamaran-Marke „Privilège“ haben Sie die Markenvielfalt nochmals erweitert. Wie fällt Ihr erstes Fazit zu „Privilège“ aus? Welche Synergien konnten Sie bereits heben?

Nach einem Jahr kaufen wir schon jedes zweite Teil für Privilège über Hanse ein. Damit heben wir große Synergien, die kleine Werften nicht haben. Darüber hinaus haben wir für die 50 Fuß Katamarane eine moderne Serienfertigung etabliert und drei neue Produkte entworfen: Das erste, ein Motorkatamaran, schwimmt bereits. Im zweiten Jahr fokussieren wir nun auf Vertriebssynergien: mehr Werbung, neuer Internetauftritt, mehr Händler, mehr Messen. Wir sind überzeugt davon, dass uns Privilège noch viel Freude bereiten wird.

Am 11. September startet mit dem Cannes Yachting Festival eine der bedeutendsten internationalen Messen für Motorboote und Yachten. Mit welchen Neuheiten werden Sie in diesem Jahr in Frankreich vertreten sein?

Wir haben den Kern unser Fjord Marke überarbeitet und trumpfen in Cannes mit drei neuen Modellen auf. Dazu gibt es eine neue Außenbord-Version der 330 Sealine und zwei neue Hanse-Modelle mit 45 und 50 Fuß.

Wie hat sich zuletzt Ihr Auftragsbestand entwickelt? Welche Märkte laufen am besten?

Wir bewegen uns beim Auftragseingang über Vorjahr, was ja vom Umsatz das stärkste Jahr in der Firmengeschichte war. Unser Auftragsbestand liegt dementsprechend auf einem neuen Rekordniveau. Der Trend geht weiter hin zu Motor und Außenborder und auch wieder zu kleineren Schiffen. Die Bestellungen sind nach wie vor sehr hochwertig mit vielen luxuriösen Extras, tollen Segeln bzw. hohen PS-Werten.

Für das am 1. Juli angelaufene Geschäftsjahr 2018/2019 stellen Sie ein positives Konzernergebnis bei einem moderaten Umsatzwachstum in Aussicht. Das klingt erst einmal nicht sehr ambitioniert. Haben Sie diese Prognose bewusst eher konservativ gewählt oder erwarten Sie Gegenwind auf einzelnen Märkten?

Bisher haben sich Embargos, Brexit, neue Zölle und Währungskrisen bei uns nicht negativ bemerkbar gemacht. Das Gros unserer Kunden hat viele Jahre auf seinen Lebenstraum des eigenen Bootes gespart, von daher sehen wir global weiterhin gute Märkte. Entsprechend positiv blicken wir nach vorne. Dennoch wollen wir uns zum jetzigen Zeitpunkt bewusst noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Zudem sind mit dem Wachstum auch untrennbar kurzfristige Wachstumsschmerzen verbunden. Seit 2011 sind wir in jedem Jahr stark gewachsen, zukünftig werden wir noch mehr Gewicht darauf legen, unsere Ergebnisse zu optimieren.

Mit der vorzeitigen Rückzahlung der Unternehmensanleihe 2014/2019 und der von der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Sparkasse Vorpommern gewährten Umfinanzierungen haben Sie die Finanzierung langfristig neu aufgestellt und dabei eine jährliche Zinsersparnis von 0,7 Mio. Euro erreicht. Können Sie damit die weitere Expansion aus eigener Kraft schultern?

Das organische Wachstum können wir mit den vorhandenen Mitteln stemmen. Wir werden aber auch zukünftig eine nachhaltige Buy-&-Build-Strategie verfolgen, wenn wir geeignete Akquisitionsobjekte finden. Die Finanzierung hängt dabei stark vom Target ab und kann daher nicht pauschal beantwortet werden. Wir sind zwar noch mit der Integration und der Neuausrichtung von Privilège beschäftigt, aber unser Motorbootabsatz steigt rasant, so dass mittelfristig eine Beteiligung und Ausweitung in diesem Bereich durchaus sinnvoll sein könnte.

Wo sehen Sie die HanseGroup in fünf Jahren?

Unser letztes langfristiges Ziel stammte aus 2011 und wurde 2017/2018 erreicht. Unser neues Mittelfristziel lautet 200 Mio. Euro Umsatz bei einer EBITDA-Marge von 10 bis 12 Prozent – damit wären wir im Segelbereich deutlich die Nummer 2 und rücken bei den Motorbooten dichter an die Top 5 heran. Mit Moody, Fjord, Privilège und auch Dehler haben wir ein Markenportfolio, das zunehmend durch sehr luxuriöse Produkte geprägt ist, was sich in Zukunft positiv auf unsere Ergebnismarge auswirken wird.

Herr Dr. Gerhardt, besten Dank für das Interview.

 

AKTIONÄR-Hot-Stock auf Erfolgskurs

DER AKTIONÄR hat die Aktie bereits bei Kursen um 5,00 Euro als Hot Stock zum Kauf empfohlen. Nach dem erfolgreichen Turnaround kann das Unternehmen nun zuversichtlich nach vorne blicken. Im Yacht-Geschäft ist die Hanse Group top positioniert, während man bei Motorboten gleichzeitig ordentliche Wachstumsraten vorweisen kann. Hinzu kommt: Mit der Pleite des Wettbewerbers Bavaria dürfte sich das Geschäft noch zusätzlich beschleunigen. Die Aktie zählt klar zum Luxus-Segement der Börse und bleibt bei aktuellen Kursen ein Kauf. Zweistellige Notierungen sind allemal wieder möglich.

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