Gold
- Markus Bußler - Redakteur

Gold und Inflation: Alles nur ein Missverständnis?

Die Mini-Inflation bereitet der EZB weiter Kopfzerbrechen. EZB-Chef Mario Draghi kündigte an, mit allen Mitteln dagegen vorzugehen. Das überrascht: Immerhin bedeutet eine geringe Inflation zunächst einmal nichts anderes als Preisstabilität. Und genau das ist eigentlich das oberste Ziel der EZB.

Dabei dürfte es weniger die Mini-Inflation sein, die dem EZB-Chef Sorgen bereitet, sondern vielmehr das Deflationsgespenst, das weiterhin umgeht. Einige Länder, allen voran das ohnehin krisengeschüttelte Spanien, sind bereits in die Deflation gerutscht. Kein Wunder, müssen doch Privathaushalte angesichts einer Arbeitslosenquote von 26 Prozent massiv sparen. Und das setzt die Preise unter Druck.

Inflation in manchen Assetklassen

Doch während die offizielle Inflationsrate im Euroraum auf 0,5 Prozent gefallen ist, sorgen die dauerhaft niedrigen Zinsen in Verbindung mit dem frischen Geld, das in den Markt gepumpt wird, dennoch in manchen Assetklassen für deutliche Preissprünge. Denken Sie nur einmal an die Immobilien in Premiumlagen, an den Kunstmarkt oder auch an den Oldtimermarkt oder den Markt für Weine und Whisky. Überall dort müssen Sie mittlerweile weit mehr Geld ausgeben als noch vor einigen Quartalen. Woran liegt diese Diskrepanz?

Noch immer Überkapazitäten

Zum einen hängt das damit zusammen, dass die niedrige offizielle Inflation auch viel mit den gesunken Preisen für Energierohstoffe wie Öl oder auch Benzin zu tun hat. Zum anderen befinden sich im Warenkorb aber zum Großteil Güter, die praktisch beliebig vermehrbar sind. Und hier gibt es noch immer Überkapazitäten auf dem Markt. Denken Sie nur an die Stahlbranche, die seit Jahren unter Preisdruck leidet, weil zu viel Stahl produziert wird. Dieser Preisdruck macht dann auch die daraus hergestellten Produkte billiger. Oder denken Sie an Fernsehgeräte, die, kaum auf dem Markt, schon einen Preisverfall ausgesetzt sind, weil die Konkurrenz schon wieder ein besseres oder günstigeres Modell auf den Markt bringt.


Nicht beliebig vermehrbar

Dagegen sind Immobilien in Premiumlagen, Kunstobjekte oder auch Oldtimer gerade nicht beliebig vermehrbar. Der Markt ist eng – und das günstige Geld sorgt dafür, dass dort die Preise steigen. Schließlich flüchten immer mehr Anleger in Sachwerte. Und die Geldschwemme führt dazu, dass auch Anleger, die bislang noch nicht in solche Assets investiert haben, diese Klassen für sich entdecken. Von daher gibt es in diesen Bereichen sehr wohl Inflation.

Der Unterschied: der Terminmarkt

Das Paradoxe: Eigentlich müsste auch Gold dazu gehören. Auch Gold ist nicht beliebig vermehrbar. Die jährliche Inflation – also die jährliche Neuproduktion im Verhältnis zu der jemals produzierten Menge – liegt gerade einmal bei etwa 1,5 Prozent. Doch während Assetsklassen Wertzuwächse erfahren haben, verbucht Gold seit gut zwei Jahren einen Wertverlust. Der Grund dürfte schlicht und ergreifend darin zu suchen sein, dass es bei Gold einen Terminmarkt gibt, den es bei Immobilien, Kunst oder Oldtimern in dieser Form nicht gibt. Und genau dort wird der Preis nach unten „korrigiert“. Würde es bei Gold nur den physischen Markt geben, dann dürfte das Edelmetall schon weitaus höher notieren. Getrieben durch Inflation.

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