Gold
- Markus Bußler - Redakteur

Gold: Der große Denkfehler

Gold ist eine Versicherung. Das ist jedem Anleger in den vergangenen fünf Jahren mehrfach eingebläut worden. Angesichts der monitären Experimente der Notenbanken rund um den Globus sollte das Edelmetall Anlegern einen Schutz vor einer möglichen Geldentwertung bieten. So weit, so gut.

Doch als die befürchtete Inflation – zumindest statistisch gesehen – ausgeblieben ist und der schrittweise Ausstieg der US-Notenbank FED aus der ultralockeren Geldpolitik sich abzeichnete, geriet der Goldpreis unter Druck. Mehr und mehr Experten meldeten sich zu Wort und erklärten, dass Gold nur noch den Weg nach unten einschlagen kann, da die Aktienmärkte haussieren und es keiner Versicherung mehr Bedarf. Die Zeit für Gold sei abgelaufen. Und genau das ist der große Denkfehler.

Tapering hat keinen Einfluss auf den Goldpreis

Ich hatte bereits im März erklärt, dass Tapering faktisch keinen Einfluss auf die Entwicklung des Goldpreises haben wird. Und genauso so ist es auch eingetreten. Im Gegenteil: Seitdem die US-Notenbank ihren schrittweisen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik vollzieht, steigt der Goldpreis. Goldminenaktien haben die Standardwerte seit dieser Zeit sogar outperformt. Doch warum? Steigt die Verunsicherung jetzt wieder? Fließt das Geld womöglich wieder zurück in den sicheren Hafen Gold aus Angst vor einer größeren Korrektur der Aktienmärkte?

Ein Transfer von West nach Ost

Keine Frage: Gold hat nach wie vor seine Daseinsberechtigung als Versicherung gegen die nach wie vor lockere Geldpolitik. Und bei dem Thema Inflation gilt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Doch der eigentliche Treiber des Goldpreises dürfte in den kommenden Monaten ein anderer sein: Gold wird allmählich knapp. Das mag auf den ersten Blick wenig logisch klingen: Doch die enormen Abflüsse der ETFs im vergangenen Jahr könnten dazu führen, dass vor allem im Westen Gold bald zu einem knappen Gut werden könnte. Das Gold landete nicht etwa blind auf dem Markt – sondern fand seinen Weg über die Schweiz nach Asien. Und dort hat sich vor allem die chinesische Zentralbank als dankbarer Abnehmer herauskristallisiert. Dass die Chinesen das Gold jetzt wieder verkaufen werden, ist höchst unwahrscheinlich. Mit anderen Worten: Faktisch wurde dieses Gold dem Markt entzogen.

Mittlerweile hat der Verkaufsdruck durch die ETFs nachgelassen. Kostolany würde sagen: Die zittrigen Hände sind aus dem Markt. Und bei einem steigenden Goldpreis könnte durchaus auch das Interesse an Gold wieder erwachen. Doch was dann? Woher sollen die ETFs das Gold nehmen? Die Minenproduktion ist etwa konstant bei 2.700 Tonnen pro Jahr. Eine schnelle Erhöhung ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Angesichts des gesunkenen Goldpreises haben die großen Goldkonzerne ihre Explorationsausgaben reduziert. Großprojekte, wie beispielsweise Pascua-Lama von Barrick Gold, wurden auf Eis gelegt. Mit anderen Worten: Die Angebotsseite kann praktisch nicht erhöht werden. Das bedeutet, dass eine höhere Nachfrage auf einen ausgetrocknete Angebotsseite treffen würde. Und das wiederum könnte zu einer Beschleunigung des Goldpreisanstiegs führen.

Daher glaube ich nicht, dass der Versicherungsgedanke in den kommenden Wochen und Monaten als Kurstreiber für Gold wirken wird. Vielmehr könnte sich mehr und mehr die Erkenntnis durchsetzen, dass Gold tatsächlich zu einem knappen Gut werden könnte. Auch die Lagerbestände an der Rohstoffbörse Comex lassen diesen Schluss zu. Dazu kommt, dass auch gezielte Angriffe auf den Goldpreis in der jüngsten Vergangenheit keine Anschlussverkäufe mehr nach sich gezogen haben. Nähert sich die Zeit der Goldmanipulation also dem Ende? Fast scheint es so. Und neben physischem Gold dürften auch Goldminenaktien von dieser Entwicklung profitieren. Übrigens: Der weltgrößte Goldproduzent Barrick Gold wird heute Zahlen vorlegen. Dass diese schlecht ausfallen, dürfte mittlerweile hinlänglich eingepreist sein. Anleger sollten sich nicht verunsichern lassen.

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