Gold
- Markus Bußler - Redakteur

Gold: Das Ende der Comex?

Goldanleger sind es gewohnt beim Goldpreis zunächst auf die Rohstoffbörse Comex zu schauen. Dort tummeln sich die großen Akteure und beeinflussen mit ihren Kontrakten maßgeblich den Verlauf des Goldpreises. Doch die Bedeutung der Comex könnte in den kommenden Monaten merklich schwinden.

An der Comex, das sollte sich jeder Anleger vor Augen halten, wird vor allem Papiergold gehandelt. Experten sprechen davon, dass das Verhältnis von Comex-Papiergold zu physischem Gold mittlerweile das Verhältnis von 100:1 erreicht hat. Oder anders ausgedrückt: Würden die Anleger am Ende der Laufzeit eines Kontraktes auf physische Lieferung von Gold bestehen, dann könnte dieser Lieferverpflichtung nie und nimmer nachgekommen werden.

Verlagerung von West nach Ost

Der Handel mit physischem Gold hat sich längst vom Westen in den Osten verlagert. China hat im vergangenen Jahr dankend die Gold-Abflüsse aus den ETFs aufgenommen. Das Gold gelangte über die Schweiz nach China. Geht man davon aus, dass im vergangenen Jahr weltweit rund 2.700 Tonnen Gold produziert worden sind, dann haben China und Indien gemeinsam wohl die gesamte jährliche Goldproduktion aufgekauft. Und das ist noch nicht die gesamte Wahrheit.


Der größte Goldproduzent ist nämlich China. Wer aber glaubt allen Ernstes, dass das chinesische Gold jemals den Weltmarkt erreicht? Die Chinesen dürften das in China produzierte Gold auch in China behalten. Wenn also von Einfuhren nach China gesprochen wird, dann sollten Anleger immer im Hinterkopf behalten, dass die chinesische Goldproduktion (rund 430 Tonnen) ebenfalls in China bleiben wird. Oder anders ausgedrückt: Mit Indien zusammen kontrolliert China schon heute den physischen Goldmarkt. In der Vergangenheit gab es immer wieder Gerüchte, wonach China selbst mit Produktionskosten jenseits der 2.000-Dollar-Marke je Unze arbeitet. Und das ergibt nur dann Sinn, wenn die Chinesen dieses Gold nicht zu einem Weltmarktpreis von 1.300 Dollar je Unze verkaufen.

An der Comex mögen sich nach wie vor große Spekulanten tummeln, die eventuell mit Papiergold versuchen, den Preis für Gold zu drücken. Doch die Entkopplung des Papiergold-Marktes vom physischen Markt wird nicht ewig funktionieren. Das Hauptaugenmerk der Akteure wird sich mehr und mehr auf die Käufe aus China und Indien verlagern – und allmählich könnte sich der Verdacht breit machen, dass im Westen das Gold knapp wird. Wenn die Lieferverpflichtungen irgendwann nicht mehr eingehalten werden können, wird die Bedeutung der Comex schwinden. Denn was ist eine Börse wert, die die versprochene Leistung im Zweifel nicht erbringen kann?

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold: Sehen Sie den Wald vor lauter Bäumen noch?

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Wohl bei keiner anderen Anlageklasse wechselt die Gefühlslage derart schnell wie bei Goldanlegern. Waren sich viele noch vor drei Wochen sicher, Gold werde auf 1.500 Dollar marschieren, überwiegen jetzt wieder die Stimmen, Gold werde auf 1.200 Dollar fallen – … mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Goldexperte Bußler: Zwei Marken, auf die es ankommt

Der Goldpreis konsolidiert. Der Silberpreis konsolidiert. Die Minenaktien konsolidieren. Kurzum: Die abgelaufene Woche war für Goldanleger alles andere als spannend. Dennoch rät Markus Bußler, nicht in Verzweiflung zu verfallen. Aus charttechnischer Sicht ist alles im Lot. Und die Unterstützungen … mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Goldexperte Bußler: Voilà, der goldene Herbst

Der Goldpreis kennt aktuell kein Halten mehr. Auch wenn eine Korrektur längst überfällig ist, schleicht sich der Goldpreis Schritt für Schritt an das Jahreshoch aus dem vergangenen Jahr bei 1.366 Dollar heran. „Eigentlich rechnet jeder mit einer Korrektur“, sagt Markus Bußler. „Doch es ist wie so … mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold: 2.500 Dollar

Ein halbes Jahr befand sich der Goldpreis in einem nervenaufreibenden Sägezahnmarkt. Anleger haben frustriert das Handtuch geworfen. Doch das letzte Tief bei 1.205 Dollar war auch der Auftakt einer beeindruckenden Rallye an deren Ende der Ausbruch aus der Seitwärtsrange stand. Die Frage: Wie weit … mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold: Der Beginn von einer großen Rallye?

Staunen Sie auch, wie so viele, über die Rallye bei den Edelmetallen? Ich hoffe nicht. Ich weiß gar nicht, wie oft ich geschrieben habe, dass wir ein stärkeres zweites Halbjahr sehen werden. Und seit Mitte Juli befindet sich der Goldpreis im Rallyemodus. Seit Anfang des Jahres kann Gold mehr als 16 … mehr