Geely
- Jochen Kauper - Redakteur

Geely-Aktie: Nur ein Strohfeuer?

In den zurückliegenden Monaten stellte die Aktie von Geely das Nervenkostüm der Anleger auf eine harte Probe. Aufgrund des Handelsstreits zwischen China und den USA zogen viele Investoren ihre Gelder aus chinesischen Aktien ab und sorgten für ein Kursdebakel. Doch die Aussicht auf ein mögliches Ende des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits hat Geely neues Leben eingehaucht. In den letzten Tagen ist das Papier von 1,15 Euro auf 1,45 Euro geklettert. 

Schwacher Ausblick

Ein weiteres Problem für Geely ist die lahmende Autokonjunktur. Zum ersten Mal seit 1990 sind die Verkaufszahlen in China 2018 gesunken. Für 2019 rechnet Geely deshalb nor noch mit einem Anstieg der Verkäufe um 0,6 Prozent auf 1,51 Millionen Autos. "Das ist ein sehr düsterer Ausblick, der zeigt wie schwierig der Markt in China geworden ist und die Schwierigkeiten werden eher größer als kleiner. Geely hat hoch in Kapazitäten investiert. Dieser magere Ausblick unterstreicht die sehr schwierige Lage im chinesischen Automarkt. Der US-Präsident Trump schickt die Weltkonjunktur und den Weltautomarkt mit seinen Zollkriegen in die Rezession", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut.

Wachstumsmotor China

Auch wenn der Automarkt in China derzeit schwächelt. Fakt ist: Die Chinesen besaßen 2017 im Durchschnitt 79 Autos. In den USA waren es dagegen 812 Autos pro 1.000 Einwohner, in Deutschland 553 Autos. Soll heißen: Der chinesische Automarkt bietet noch ein großes, bisher nicht erschlossenes Potential. Dass das alles nicht von heute auf morgen geht, sollte jedem klar sein.

Elektro-Offensive

Bis 2020 will Geely 30 neue Elektro- und Hybridautos in den Markt drücken. Vor allem den europäischen Herstellern will man mit Elektroflitzern und Plug-In-Hybriden Marktanteile abjagen. Dazu beitragen wird sicherlich auch die stylische Tochter Lynk & Co. In Deutschland wird die Marke 2019 eingeführt, in den USA sollen die Renner 2020 auf den Markt gebracht werden. Ins Bild passt zur angekündigten E-Offensive von Geely auch das vor kurzem geschlossene Joint-Venture in Sachen Batteriebau mit dem Zellenhersteller CATL.

Technologie-Transfer

Zur Erinnerung: Geely hat einige exzellente Marken im Portfolio. Die Marken Volvo, Lotus oder The London Taxi werden allerdings in der Geely-Holding bilanziert. Die Käufer der Geely-Aktie erwerben "nur" das China-Geschäft mit den Marken Geely, Emgrand, Gleagle und der noch relativ neuen SUV-Tochter Lynk & Co. Dennoch: Das China-Geschäft wird durch den Technologie-Transfer von Volvo oder Lotus profitieren.

Schlechter Deal mit Daimler

Einzig die Hängepartie mit Daimler passt nicht so ganz ins Bild des umtriebigen Geely-Firmenchefs Li ShuFu. Geely hätte die 7,5 Milliarden Euro, die man in Daimler gesteckt hat, sicherlich besser investieren können. Sei es in eine andere Automarke oder in eine eigene Batteriefabrik.

 

UBS bleibt optimistisch

UBS-Analyst Paul Gong bleibt weiterhin bullish für die Aktie von Geely. Gong geht davon aus, dass die EBIT-Margen stabil bleiben. Geely dürfte auf längere Sicht Marktanteile gewinnen.

Aussichtsreich

Die Aktie scheint sich nach dem langen Abwärtstrend wieder aufzurappeln. Die starke Unterstützung bei 10,22 Hongkong-Dollar (1,15 Euro) hat gehalten. Jetzt gilt es, die 90-Tage-Linie in Angriff zu nehmen. Diese verläuft bei 14,17 Hongkong-Dollar (umgerechnet 1,55 Euro). Wird diese überwunden, wäre das ein erstes Kaufsignal für die Aktie. Noch kann zwar für die Aktie keine Entwarnung gegeben werden, das langfristige positive Investment-Szenario bleibt aber intakt.

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