Alno
- Michael Schröder - Redakteur

Experte sicher: "Small Caps im Aufwind" - darauf kommt es bei Alno, Mifa und Co jetzt an

Nicht "Big", sondern "Small" is beautiful. Der bisherige Aufschwung an den Aktienmärkten wurde in erster Linie von wachstumsstarken, defensiven Aktien aus dem DAX, MDAX oder TecDAX getragen. Erst jetzt, nach rund vier Jahren Hausse und einem neuen Rekordstand des DAX, nimmt die Risikobereitschaft bei vielen Investoren und damit das Interesse an Nebenwerten wieder merklich zu.

Bislang vernachlässigte Werte aus der zweiten oder gar dritten Reihe geben plötzlich wieder Lebenszeichen von sich. Können sich Anleger auf ein nachhaltiges Comeback der heimischen Small- und Micro Caps einstellen?

DER AKTIONÄR erwartet in den nächsten Monaten eine deutliche Wiederbelebung des Segments. Die Redaktion hat fünf Werte herausgepickt, die das Potenzial haben, ihren Wert überproportional zu steigern. Voraussetzungen für die Auswahl waren neben einer starken Marktstellung und einer niedrigen Bewertung auch ein solides durchschnittliches Handelsvolumen der Aktie an der Börse. Lernen Sie diese fünf Unternehmen jetzt kennen – in der neuen Ausgabe des AKTIONÄR, die Sie hier lesen können.

DER AKTIONÄR fragte nach bei Michael Kollenda. Der Vorstand der Salutaris Capital Management ist seit über 30 Jahren im Bereich Vermögensanlage tätig und Experte für Nebenwerte.

DER AKTIONÄR: Herr Kollenda, der DAX befindet sich auf Rekordfahrt. Small- und Micro Caps standen in diesem Jahr dagegen bisher noch nicht so im Rampenlicht. Warum?

Michael Kollenda: Mein Eindruck ist, das kleinere Aktiengesellschaften von vielen Marktteilnehmern als risikoreicher angesehen werden. Was übrigens statistisch nicht zu beweisen ist! Außerdem kümmern sich viele Banken nicht mehr um Gesellschaften, die nicht in den großen Indices vertreten sind. Dahinter stehen wirtschaftliche Überlegungen. Eine Analyse zu einem Unternehmen mit 100 Millionen Marktkapitalisierung macht genauso viel Aufwand wie eine Analyse zu BMW oder Siemens. Den institutionellen Investor interessiert es vielleicht, aber er kauft nicht, weil viele Fondsmanager nicht in kleine Werte investieren dürfen. Also liest er interessiert und bezahlt die Bank mit einer Order für Siemens. Deshalb steigen in positiven Börsenphasen die kleinen Gesellschaften meist erst dann, wenn große bereits deutlich gestiegen sind. Frei nach dem Motto, was ist noch nicht gestiegen, das kaufen wir jetzt!

Was spricht für ein nachhaltiges Comeback der heimischen Kleinstwerte?

Die Bewertung der meisten Gesellschaften ist günstig, viel günstiger als z. B. im MDAX. Außerdem profitieren viele deutsche Mittelständler von einem Aufwind der Weltkonjunktur. Wir sind das Exportland Nr. 1 und das vor allem im Mittelstand. Über die ganze Republik verteilt gibt es spannende und börsennotierte Unternehmen. Und das Interesse an kleinen Gesellschaften wächst wieder. Erstmals seit Jahren. Zusätzlich erkennen immer mehr private Anleger, dass sie mehr als in der Vergangenheit sich selbst schlau machen müssen, weil sie von ihren Banken nicht mehr beraten werden. Ein privater Anleger hat nicht die Restriktionen eines oben beschriebenen Großanlegers, also kann er sich selbst informieren und dann beherzt kaufen.

Warum sollte man sonst in diesem Bereich investieren?

Ich beobachte bei einigen traditionellen Unternehmen eine interessante Metamorphose: vom nationalen zum europäischen zum weltweit agierenden Unternehmen. Damit entstehen völlig neue Wachstums- und Gewinnchancen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Gerne. Da zieht der Vorstandsvorsitzende eines Schwarzwälder Familienunternehmens mit seiner Familie nach Asien, um das wachstumsstarke Geschäft vor Ort zu steuern. Gleichzeitig läuft das Geschäft so gut, das die 2013 Prognose deutlich nach oben korrigiert wird. Hier ist es entscheidend, wer das Unternehmen führt! Entscheidend für die Arbeitsplätze, für die Gewinne und vor allem für die Kursentwicklung. Bei einem DAX-Unternehmen spielt das keine große Rolle, da ist es wichtig, wie der Gesamtmarkt läuft. Bei Small-Caps ist es entscheidend, wer da als Manager sagt: Heute Mittag gibt es Fisch!

Also ist es wichtig, nah am Unternehmen zu sein, oder?

90 Prozent der positiven wie negativen Kursentwicklung haben direkt mit dem Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens zu tun. Der Markttrend spielt keine große Rolle. Deshalb ist die intensive Beschäftigung mit dem Unternehmen und der persönliche Eindruck vom Management entscheidend für den Erfolg. Sie werden bei kleinen Aktiengesellschaften dafür mit einer deutlich besseren Wertentwicklung belohnt. Das ist statisch klar nachweisbar.

Worauf müssen Anleger beim Kauf von Werten mit einer geringen Marktkapitalisierung rechnen?

Die wichtigste Regel ist: Limitieren, beim Kauf wie beim Verkauf. Und bitte keine Stop-loss-Orders geben, das ist bei Small Caps unsinnig, da man schnell ausgestoppt wird und nicht wieder reinkommt! Ich habe dieses Jahr am besten mit einem Turnaround-Wert verdient, der sich in der Spitze mehr als versiebenfacht hat. Dieser Wert läuft in Schüben mit anschließender Konsolidierung. Wenn ich da mit Stop-loss arbeite, fliege ich raus und tue mich hart, wieder zu investieren, weil die Volatilität so hoch ist.

Welche Favoriten haben Sie auf der Agenda?

Ich mag Unternehmen, die gerade nicht in aller Munde sind, das heißt, die nicht bereits Allgemeingut sind und damit heißgelaufen! Besonders Unternehmen, in denen Veränderungen passieren und am liebsten Produktionsunternehmen, deren Produkte man kennt und die man anfassen kann. Als Turnaround-Wert steht aktuell die Alno AG bei mir ganz oben! Mit sehr guten Küchen und einer starken Expansion im Ausland. Sowohl in Europa als auch in Asien. Dieses Unternehmen kann sich in den nächsten Jahren im Kurs vervielfachen.

Und der zweite Favorit ist …

… gerade jetzt spannend, wo dessen Produkte keiner kauft, weil der Winter vor der Tür steht und damit der Kurs auch günstig ist. Deutschlands größter Fahrradhersteller Mifa AG wandelt sich gerade vom Massenhersteller für Aldi und Metro zum Produzenten von Fahrrädern und vor allem E-Bikes für alle Preisklassen und alle Vertriebswege. Das geht vom Fachhandel in Fußgängerzone der Großstadt bis zum Baumarkt auf der grünen Wiese und natürlich im Internet. Ein antizyklisches Investment, das sich im Frühjahr auszahlen wird.

Die Nummer drei …

…ist fast schon Zinsersatz. Das heißt geringe Schwankung und geringes Risiko durch ein sehr stabiles Geschäftsmodell und eine hohe Dividende. Die Deutsche Grundstücksauktionen AG aus Berlin. Ein Familienunternehmen, das Marktführer für Präsenz- und Internetauktionen bei Immobilien in Deutschland ist und seit Jahren schöne Renditen erwirtschaftet. Hier gilt es immer in der zweiten Jahreshälfte nach der Dividendenzahlung zu kaufen und sich dann im neuen Jahr über steigenden Kurs und eine schöne Dividende zu freuen.

Vielen Dank für das Gespräch!

DER AKTIONÄR erwartet in den nächsten Monaten eine deutliche Wiederbelebung des Segments. Die Redaktion hat fünf Werte herausgepickt, die das Potenzial haben, ihren Wert überproportional zu steigern. Voraussetzungen für die Auswahl waren neben einer starken Marktstellung und einer niedrigen Bewertung auch ein solides durchschnittliches Handelsvolumen der Aktie an der Börse. Lernen Sie diese fünf Unternehmen jetzt kennen – in der neuen Ausgabe des AKTIONÄR, die Sie hier lesen können.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema: