Tesla
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Exklusiv: Kollabiert Tesla? „Elon Musk hat keine Ahnung“ – Model 3 kommt zu spät

Glücksritter Elon Musk hat es geschafft: Trotz Unkenrufen aus der Autobranche hat er dem Elektroauto zum Durchbruch verholfen. Auch dank seiner Pionierleistung setzen nun lange Zeit untätige Player wie Daimler, GM, VW oder BMW massiv auf das Elektroauto. Doch die Revolution frisst ihre Väter. Der über 1.000 Prozent ins Plus geschossenen Tesla-Aktie und dem hoch gejubelten Elon Musk droht Ungemach.

Einen aggressiven Short-Angriff fährt derzeit der US-Hegdefondsmanager Mark Spiegel. Sein Fonds ist für US-Verhältnisse nicht groß, doch seit dem Start im Jahr 2011 konnte er ein Plus von 95 Prozent erzielen während der Russel 2000 nur 55 Prozent Performance schaffte.

Sein aktuelles Lieblings-Investment: Der Leerverkauf in Tesla-Aktien. „Dieses geldverbrennende, illusorische Projekt von Elon Musk ist dramatisch weniger wert, als die verwässerte Bewertung von aktuell 34 Milliarden US-Dollar. Wegen der hohen Schulden könnte Tesla schließlich sogar „null“ wert sein“, so der Hedgefonds-Manager im Interview mit dem AKTIONÄR.

Model 3 ein Cash-Burner?
Elon Musk sieht das anders. Jüngst sagte er, dass das Model 3 bei voller Produktion 20 Milliarden Dollar erlösen und dabei eine Rohmarge von 25 Prozent erzielen könne. Eine Aussage, für die Mark Spiegel nur ein müdes Lächeln übrig hat: „Wie kann jemand mit einem Gehirn in seinem Kopf glauben, dass Tesla mit dem Model 3 Geld verdienen kann? Im zweiten Quartal lag der durchschnittliche Verlust beim Model S und X bei Verkaufspreisen ab 70.000 Dollar bei 20.000 Dollar pro Auto. Das Model 3 ist nur 20 Prozent kleiner, soll jedoch bei 35.000 Dollar starten.“

Glaubt er, dass das Model 3 tatsächlich ab Ende 2017 ausgeliefert wird? „Keine Chance. Das Best-Case-Szenario für eine wirkliche Massenproduktion ist Ende 2018“, so Spiegel gegenüber dem AKTIONÄR.

„Lügner“
Zweifel hat er auch an der Aussage von Elon Musk, dass sein Verkauf von Aktien im Wert von 600 Millionen Dollar nur der Zahlung von Steuern gedient habe. Viele Dinge, die der Tesla-Chef sage, könnten nicht für bare Münze genommen werden. Dazu gehöre diese Musk-Aussage im Analysten-Call von Februar: “We do not discount our cars for anyone.” Tatsächlich gibt es derzeit Rabatt-Programme, weswegen Spiegel frägt: „Wie oft muss ein CEO lügen, bevor realisiert wird, dass er ein Lügner ist?“

Er geht davon, dass die noch „faulen“ Fondsmanager eines Tages die trügerischen Aussagen von Musk kennen würden und die Blase platzt. In etwas über 18 Monaten würden BMW, Mercedes, Audi und Co ihre eigenen Elektroautos mit großer Reichweite in den Markt drücken, was die Tesla-Aktie zum Kollabieren bringe. Denn Elon Musk habe keine Ahnung, wie man mit einem Unternehmen Geld verdiene.

Hohes Risiko
Die Meinung von Mark Spiegel ist nur eine von vielen. Doch sie macht deutlich: Aufgrund der großen Vorschusslorbeeren, die in der Bewertung der Aktie stecken, steht Elon Musk unter hohem Druck, Ergebnisse zu liefern. DER AKTIONÄR glaubt an den Siegeszug des Elektroautos an sich. Dennoch – oder gerade deswegen – rät er weiterhin, die Tesla-Aktie zu meiden. Nur Trader sollten sich derzeit in dem hochspekulativen Papier tummeln.

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