Commerzbank
- Martin Mrowka - Redakteur

Europas Banken droht weiteres Ungemach – Commerzbank und Deutsche dabei

Die Aktien von europäischen Finanzinstituten taumeln am Freitag wieder abwärts. Angesichts mehrerer Krisenherde ist das kaum verwunderlich. Auch die beiden Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank können sich dem Abwärtssog der Branche nicht entziehen.

Europas private Banken haben derzeit nichts zu lachen. Interne strukturelle Krisen, hohe Kosten, unverändert niedrige Zinsen, sinkende Gewinne, eine steigende Inflation, die Konkurrenz von FinTech-Banken, ein sich verschlechterndes Konjunkturumfeld und die weiter schwelende Türkei-Krise drücken auf die Aktienkurse der Traditionsbanken.

Italien-Banken führen Verlierer-Liste an

Einmal mehr gehören heute vor allem die italienischen Banken zu den schlechtesten Tages-Performern, wobei Banco BPM, UBI Banca und BPER Banca den Ausverkauf mit Verlusten von mehr als drei Prozent anführen. Sie leiden zusätzlich unter der Morandi-Brückenkatastrophe, die das ohnehin instabile politische Umfeld belastet. Auch die Großbank UniCredit – spätestens seit der Verschärfung der finanziellen Lage der Türkei im besonderen Fokus der EZB-Bankenaufsicht – rutscht an der Börse weiter ab. Am Freitag wurde der tiefste Stand seit Februar 2017 markiert. Die Allzeit-Tiefen erreichte die UniCredit im Jahr 2016 bei 8,60 Euro.

Tom Kinmonth, Experte für festverzinsliche Wertpapiere bei ABN Amro, befürchtet in den kommenden Monaten eine weitere Verschärfung der Probleme in Italien. Nicht aus der Türkei drohen die größten Gefahren. „Das wahre Problem für die europäische Bankenbranche ist Italien und das, was in diesem Land in den kommenden Monaten passieren wird“, sagte der Analyst am Dienstag gegenüber CNBC. Die Probleme in Italien würden die gesamte europäische Bankengeschichte für die nächsten drei bis fünf Jahre bestimmen, ist Kinmonth überzeugt.

Rechtsgerichtete Regierung will nicht mehr sparen

Die neue, rechtsgerichtete Koalitionsregierung arbeitet derzeit am Haushalt für das nächste Jahr. Der Finanzplan der drittgrößten Volkswirtschaft in der Europäischen Union werde von den europäischen Behörden und von den Marktteilnehmern genau verfolgt. Angesichts der Tatsache, dass Italien bereits einen extrem hohen öffentlichen Schuldenstand hat – der zweitgrößte in der Eurozone – sind die Anleger vorsichtig angesichts der staatlichen Rentensteigerungen und weiterer Ausgabenerhöhungen.

Die deutschen Finanzinstitute können sich dem Abwärtstrend der Bank-Aktien nicht entziehen. Die Commerzbank rutschte erstmals seit Ende Juni wieder unter die 8-Euro-Marke, die Deutsche Bank sackte um mehr als zwei Prozent auf 9,67 Euro ab.

Neue Tiefstände voraus?

Die Börsen-Talfahrt der beiden ehemals großen Banken könnte sich noch fortsetzen. Die Commerzbank wird zu allem Übel aller Voraussicht nach im September den DAX verlassen, die Deutsche Bank den EuroStoxx-50. DER AKTIONÄR rät weiterhin von den meisten Traditionsbanken als Investment ab.

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  • Viktor Rott -
    Trotzdem ist die Kursentwicklung eine einzige Katastrophe. Hätte es 2013 nicht einen Reverse-Split gegeben, wäre die Aktie heute noch ein Penny-Stock. Nach heutigen Kriterien war der Höchstkurs einmal ca. 400 Euro(!). Soviel zum Thema, dass sich langer Atem an der Börse auszahlt. "Alt"aktionäre der Commerzbank oder Deutschen Bank haben da sicher leider ganz andere Erfahrungen gemacht. Die meisten Länder sind hochverschuldet. Hinter jeder Ecke lauert eine neue Finazkrise. Bankaktien? Nein, danke. Im Moment jedenfalls noch nicht.
  • Rudolf Mayer -
    Nach meiner Meinung ist die Commerzbank auf solidem Wachstumspfad und wird von der Masse der Analysten völlig falsch eingeschätzt. Zum Jahresende werden wir wieder 9 - 10 Euro sehen, auch wenn sie nicht mehr im DAX sein sollte. Im Herbst tritt eine Gegenbewegung ein. Auch bei der Deutschen Bank. Alle völlig überverkauft.

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