Facebook
- André Fischer - Redakteur

Die neue Datenhoheit

Laut Aussage von Dipayan Ghosh habe das „unregulierte Ökosystem“, von dem Facebook profitieren würde, zu einer Situation geführt, „die Wettbewerb verhindert“. Der Datenschutzexperte ist der frühere Privatsphäre- und Policy-Berater des sozialen Netzwerkes. In den USA droht Facebook gleich von mehreren Seiten Ungemach. So will die Federal Trade Commission (FTC) dem Tech-Konzern demnächst wegen des Skandals rund um die Datenfirma Cambridge Analytica ein hohes Bußgeld aufs Auge drücken.

Bürger dürfen Verwendung ihrer Daten widersprechen

Eine weitere Gefahr erwächst dem sozialen Netzwerk aus dem California Consumer Privacy Act, der ab Anfang 2020 in Kraft treten soll. Diese vom US-Bundesstaat Kalifornien auf den Weg gebrachte Richtlinie würde Facebook verpflichten offenzulegen, welche Daten man von den Kunden speichert. Für das soziale Netzwerk kommt diese neue Datenschutzverordnung einer Katastrophe gleich. Der Hintergrund: Die Richtlinie versetzt Internetnutzer in die Lage, die Verwendung ihrer Daten (etwa für Werbezwecke) vergleichsweise einfach zu verbieten.

Kalifornien ist in Sachen Datenschutz aber nur der Vorreiter. Denn: Die Trump-Administration dürfte demnächst eine einheitliche Datenschutz-Regelung für alle US-Bundesstaaten auf den Weg bringen. Damit aber nicht genug: Der Tech-Experte Albert Wenger fordert, dass in Zukunft jede Konsumentenplattform oder App eine Schnittstelle haben muss, die mit einem Bot verknüpft werden kann – dieser soll im Interesse des Nutzers arbeiten.

Werbefinanziertes Geschäftsmodell gerät in Gefahr  

Mit persönlichen Bots könnten sich die Nutzer dann zum Beispiel ihre Timeline bei Facebook selbst zusammenstellen oder genau bestimmen, welche Daten sie mit welcher Firma teilen wollen. Es ist somit absehbar, dass die Bürger in Zukunft die Hoheit über ihre Daten zurückerhalten werden. Konkret: Die Nutzer werden in Zukunft ihre Daten nur noch zum eigenen Nutzen preisgeben. Facebook als werbefinanzierte Datenbankfirma würde in einem derartigen Szenario empfindlich getroffen werden.

Shortseller bleibt weiter vorsichtig

Der Shortseller-Börsenbrief hat die vielfältigen Gefahren für das Geschäftsmodell von Facebook frühzeitig vorausgesehen und im Dezember 2018 mit einem Put-Optionsschein einen Gewinn von 213 Prozent eingefahren. Der Informationsdienst rechnet bei dem sozialen Netzwerk zunächst mit einer Fortsetzung der Erholungsbewegung, bevor dann im zweiten Halbjahr 2019 ein Absturz auf neue Kurstiefs erfolgen könnte. Der Shortseller rät Anlegern daher nach wie vor dazu, von der Aktie konsequent die Finger zu lassen.

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  • Chillside
    Chillside -
    Und die neuste Aktionärsausgabe rät wiederum zum langfristigen Kauf von Facebook. Wonach sollen sich denn Ihre Leser nun richten?

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| Benedikt Kaufmann | 0 Kommentare

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