Bayer
- Marion Schlegel - Redakteurin

Die neue Bayer gibt Gas

Großkonzerne gelten vielerorts als eingefahren, wachstumsschwach und unbeweglich – schlichtweg langweilig. Dass dies aber nicht für alle gilt, dafür ist Bayer ein beeindruckendes Beispiel. In den vergangenen Jahren ist es dem Unternehmen gelungen, sich zu verschlanken und auf die lukrativen Geschäftsbereiche zu konzentrieren, beispielsweise wurde das hochinteressante Life-Science-Geschäft vorangetrieben. Zudem wurde das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneien 2014 durch die Übernahme der entsprechenden Sparte vom US-Konkurrenten Merck & Co massiv ausgebaut. Und Bayer hat sich erheblich in der margenstarken Krebssparte verstärkt. Die Pipeline ist hier enorm gut gefüllt. Mehr als ein Dutzend Wirkstoffe befinden sich in klinischen Phasen und könnten für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Um Entscheidungswege zu verkürzen und eine effizientere Arbeit zu ermöglichen, hat der Konzern seine bisherige Struktur zum Jahreswechsel in die drei Geschäftsbereiche Pharma, Verbrauchergesundheit und Agrochemie neu aufgeteilt. An der Tochtergesellschaft Covestro, der ehemaligen Kunststoffsparte, hält Bayer weiterhin 60 Prozent. Diese hat der Konzern im vergangenen Jahr in einem 1,5 Milliarden Euro schweren Börsengang abgespalten.

Und die Umstrukturierung hat sich bezahlt gemacht. Seit 2011 hat sich der Umsatz von gut 36 Milliarden Dollar auf einen neuen Rekordwert von 46,3 Milliarden Euro im Jahr 2015 erhöht. Der Gewinn je Aktie wuchs in diesem Zeitraum sogar überproportional um zwei Drittel auf 4,97 Euro. Mit einem 2016er-KGV von nur 13 zählt Bayer trotz seiner Wachstumsstärke zu den am günstigsten bewerteten Pharmawerten überhaupt.

Bayer stieg zwischenzeitlich zum nach Börsenwert größten deutschen Konzern auf. Und trotz der milliardenschweren Abspaltung von Covestro rangiert Bayer noch immer auf Platz 2 hinter SAP. Bayer gilt außerdem als Profiteur des derzeit schwachen Euro. Rund zwei Drittel der Umsätze werden außerhalb von Europa generiert. Auch im laufenden Jahr erwartet der Konzern nicht zuletzt deswegen erneut Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn, wenngleich man sich beim Ausblick eher vorsichtig gezeigt hat. Analysten rechnen im Schnitt mit 47,9 Milliarden Euro und einem Gewinn je Aktie von 5,86 Euro.

Die starke Entwicklung ist sicherlich insbesondere ein Verdienst des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Marijn Dekkers, der nun zwar seinen Posten räumen wird. Aber um eine adäquate Nachfolge brauchen sich Anleger mit Werner Baumann, der am 1. Mai das Amt übernimmt, keine Sorgen machen. Der bisherige Strategiechef hat die Neuorganisation entscheidend mit vorangetrieben.

Bayer hat sich in den vergangenen Jahren bestens aufgestellt und dürfte auch weiterhin auf Rekordkurs bleiben. Insbesondere nach der jüngsten Korrektur ist die Aktie im Peegroup- Vergleich sehr günstig bewertet. Und auch Dividendenjäger können sich freuen. Seit 2009 hat der Konzern die Ausschüttung regelmäßig angehoben. Die Rendite beträgt 2,6 Prozent.

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