Dialog Semi
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Dialog Semiconductor: Warum die Aktie nun wieder steigt

Für die Aktionäre des Chip-Entwicklers Dialog Semiconductor waren die vergangenen Tage wie Balsam für die gepeinigte Aktionärsseele. Nach dem Schock durch den vernichtenden Research-Bericht vom Bankhaus Lampe erholte sich der Wert wieder deutlich. Die Aktie hat die Kursverluste wieder komplett aufgeholt.

Analystenstudie als Kursschocker
Auslöser der vergangenen Schockwellen war ein Research-Update vom Bankhaus Lampe, das den Kurs zeitweise um rund 36 Prozent einbrechen ließ. Im Zentrum der Analystenkritik stand wie immer die hohe Abhängigkeit von Apple. Schätzungsweise 75 Prozent der Umsätze erzielt Dialog Semiconductor mit dem US-Konzern und ist damit die Halbleiterfirma mit der höchsten Apple-Abhängigkeit. Dialog liefert bekanntermaßen für iPhone, iPad und Co Power-Management-Chips, die den Stromverbrauch in den Geräten steuern. Lampe-Analyst Karsten Iltgen sieht laut seinem aktuellen Update Anzeichen dafür, dass Apple eigene Power-Management-Chips (PMICs) entwickeln will, was für Dialog angesichts des hohen Apple-Umsatzanteils fatal wäre. Apple stellt seit geraumer Zeit Spezialisten auf diesem Gebiet ein und arbeitet laut Brancheninformationen an eigenen PMICs. Ab 2019 könnten Eigenentwicklungen eingesetzt werden, sodass Dialog zumindest einen Teil der Apple-Erlöse verlieren könnte. Das „Verkaufen“-Votum war dann nur noch der Punkt des Ausrufezeichens.

Steigt Apple wirklich aus?
Was wären mögliche Gründe bei Apple für einen Zuliefererwechsel? Im Grunde der Preis, die Funktion und die Qualität. Bezüglich Dialog kann der Preis nicht das Problem sein. Bei einem Preis von 3,50 Dollar je Gerät ist der Einfluss von PMICs auf die Gesamtkosten von schätzungsweise 230 bis 250 Dollar je iPhone vernachlässigbar. Bleiben Funktion und Qualität.
Es sind einige Entwicklungen festzustellen, die nahelegen, dass auch im Hinblick auf Funktion und Qualität seitens Apple kein Handlungsbedarf besteht. Dia­log konnte den Chip-Anteil in fast allen Generationen steigern und wird im laufenden Jahr sogar eine Doppel-Chip-­Lösung beisteuern. Das resultierte bis dato in einem steigenden Umsatzanteil je Gerät mit robusten Margen. Preisdruck seitens Apple ist nicht zu erkennen. Zudem erweiterte Dialog das Apple-Portfolio kontinuierlich auf iWatch, iTV und MacBook in den vergangenen Jahren. Hinzu kommt die bereits mehrfach vom AKTIONÄR angesprochene Kooperation von Dialog mit Energous, die ausschließlich das Ziel haben dürfte, für Apple eine kabellose Ladefunktionalität zu entwickeln, welche unter Umständen bereits im iPhone 8 erstmals zum Einsatz kommen könnte .Kooperationspartner Energous hat für seine short- und mid-range Lade-Technologie bereits die Zulassung von der US-Telekombehörde FCC. Insgesamt ist man bei Energous offensichtlich sehr zuversichtlich. Die operativen Prozesse zur Markteinführung der als WattUp bezeichneten Technologie sind im Plan. Hier ein Auszug von Energous-Chef Steve Rizzone aus dem Conference Call zu den Q1-Zahlen von Energous:

Regarding the operational status and progress of the company it is first important to note that the Energous WattUp technology is ready for commercial deployment. Beyond additional engineering required to meet changes in specifications for some of our early adopter customers, the WattUp technology development is complete. Specifically, development of our core WattUp silicon chips is complete.

Manufacturing qualification of both the transmitter and receiver chips is complete for near field and progressing from mid-field and farfield. The qualification of the DA 4100 chip will be completed in time to ship to customers on schedule. Transfer of the fabrication and supply chain processes to Dialog is complete and the system is now in place to take orders and ship significant quantities of chipsets.

Conference Call überzeugt, Apple forciert Vertrieb
Operativ läuft es nachweislich gut. Im ersten Quartal startete Dialog erfolgreich in das Jahr. Einziger Malus: Der Ausblick für das zweite Quartal fiel mau aus, was kurzzeitig enttäuschte. Allerdings blickt die TecDAX-Firma mit Blick auf das zweite Halbjahr sehr zuversichtlich in die Zukunft, was der Hauptgrund für den Kursanstieg ist. Auch die Themen rund um Apple und deren Bestrebungen, angeblich eine eigene Power-Management-Lösung zu entwickeln, konnte Dialog-Chef Jalal Bagherli im Conference Call zum Q1-Bericht glätten. Die Visibilität der Projekte reicht 12 bis 18 Monate in die Zukunft, mit zahlreichen Kunden arbeitet Dialog bereits unverbindlich an Designs, die 2019 auf den Markt kommen sollen. Das klingt nicht nach einem Unternehmen, dass sich Sorgen um die Zukunft hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Apple macht.

Mit Blick auf den verhaltenen Ausblick auf das laufende zweite Quartal arbeitet Hauptkunde Apple an Entspannung. Der Vertrieb läuft auch Hochtouren, selbst das iPhone 6 wird teils mit Kampfpreisen forciert in den Markt gedrückt. Es wird unter anderem auch beim Discounter Aldi vertrieben.

Aktie jetzt kaufen?

Der jüngste Kursanstieg dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass sich eine Investorengruppe aus China bei dem Apple-Zulieferer eingekauft hat. Aktuell hält die Gruppe unter dem Label von Chinas Bildungsministerium knapp 3,3 Prozent der Aktien. Das heizt natürlich die Übernahmegerüchte um den Chip-Spezialisten an, nachdem chinesische Investoren in den zurückliegenden Quartalen im M&A-Sektor sehr aktiv waren.

Das Chance-Risiko-Profil ist nach dem jüngsten Anstieg nicht mehr ganz optimal, dennoch scheint sich die Sorge bei den Investoren gelegt zu haben. Ein Kauf drängt sich auf aktuellem Niveau noch nicht auf. Es bietet sich an mit einem Limit bei 42,50 Euro auf der Long-Seite zu agieren, da die Aktie nach der jüngsten Erholung kurzfristig konsolidierungsbedürftig ist. Wird die Order gefüllt, sollte ein Stopp bei 39 Euro platziert werden. 

 

 

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