Deutsche Bank
- Fabian Strebin - Redakteur

Analyst Hein: „Deutsche Bank sollte Investment-Banking aufgeben"

Im Interview mit dem AKTIONÄR steht Analyst Dieter Hein, von der Research-Gesellschaft Fairesearch, Rede und Antwort zu den Fusionsplänen von Deutscher Bank und Commerzbank, die aus seiner Sicht wenig sinnvoll sind. Außerdem bewertet der Experte die aktuelle Situation der beiden Banken und erklärt, ob die Aktien ein Kauf sind.

DER AKTIONÄR: Herr Hein, bei der Deutschen Bank und der Commerzbank liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei knapp 0,3. Sind die Titel für Anleger jetzt ein Schnäppchen?

Dieter Hein: Nein, absolut nicht. Niedrige Kurs-Buchwert-Verhältnisse bei Banken drücken derzeit vor allem eine massive Skepsis gegenüber der Bilanzqualität der Institute aus. Die Investoren misstrauen der Werthaltigkeit der Vermögenswerte in der Bilanz. Gerade im Investment-Banking ist nicht abzuschätzen, wie viel bestimmte Assets tatsächlich wert sind.

DER AKTIONÄR: Was sagen Sie zu den Fusion-Plänen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank, die kürzlich die Runde machten?

Dieter Hein: Zur bisherigen Strategie der Deutschen Bank passt das gar nicht. Der Konzern will eigentlich das Deutschland-Geschäft verkleinern, um Eigenkapital für das Investment-Banking freizubekommen. Die 2010 gekaufte Postbank steht ja wieder auf der Verkaufsliste. Generell braucht die Deutsche Bank höhere Eigenkapitalquoten, aber bei der derzeitigen Bewertung ist eine Kapitalerhöhung über die Börse schwierig. Sowohl die Postbank-Integration bei der Deutschen Bank, also auch die der Dresdner-Bank bei der Commerzbank, haben nicht zu dem geführt, was man sich vorher erhofft hatte.

DER AKTIONÄR: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage bei der Deutschen Bank?

Dieter Hein: Bei der Deutschen Bank sind fast alle wichtigen Positionen durch Manager aus dem Investment-Banking besetzt. Viele neue Vorstände haben wenig Erfahrung mit der Deutschen Bank und dem deutschen Markt. Das neue Management macht die gleichen Fehler wie die Vorgänger, es fehlt an neuen Ideen. Ich glaube, die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass dadurch der Fokus zu stark auf der riskanten und unprofitablen Investment-Banking-Sparte lag und daran hat sich nichts geändert. Die Deutsche Bank sollte sich vom Investment Banking verabschieden.

DER AKTIONÄR: Aber geht es nicht allen Banken schlecht wegen der Niedrigzinsen und der verschärften Regulierung?

Dieter Hein: Es gibt Banken, die sehr erfolgreich sind in Deutschland. Am Marktumfeld kann das schlechte Abschneiden von Deutscher Bank und Commerzbank also nicht liegen. Die Kreditrisikokosten sind im klassischen Bankgeschäft in den letzten Jahren aufgrund der soliden Konjunktur-Entwicklung auch gesunken. Ich sehe das Problem bei den beiden deutschen Großbanken ganz klar beim Management. Die Manager müssen ihr Institut und den Markt kennen, um eine erfolgreiche Strategie aufzustellen, eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

DER AKTIONÄR: Herr Hein, vielen Dank für das Gespräch!

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Bank: Die Gefahr heißt Trump

Die Deutsche Bank ist größte Gläubigerin des US-Präsidenten. Im Hypothekenstreit des vergangenen Jahres wurde das dem Konzern noch als Vorteil ausgelegt. Marktteilnehmer vermuteten wohl zurecht, Trump hätte wegen seiner Geschäftsbeziehungen nach Frankfurt kein Interesse an einer zu hohen Strafe für … mehr
| Fabian Strebin | 0 Kommentare

Deutsche Bank: Das will die HNA Group wirklich

Der chinesische Mischkonzern HNA Group ist in Deutschland bis vor kurzem nahezu unbekannt gewesen. Der Einstieg bei der Deutschen Bank im Frühjahr diesen Jahres hat das aber geändert. Die Chinesen haben im Zuge der jüngsten Kapitalerhöhung im April ihren Anteil überraschend auf 9,9 Prozent … mehr