Deutsche Bank
- Andreas Deutsch - Redakteur

Deutsche Bank: Reich dank Scheich - gelingt der Befreiungsschlag?

Die Deutsche Bank will sich mit einer Milliarden-Kapitalerhöhung und einem neuen Großaktionär aus dem arabischen Raum Luft verschaffen. Mit der Ausgabe von neuen Aktien für rund acht Milliarden Euro will sie die immer wieder aufkommenden Zweifel an ihrer Finanzkraft endgültig beiseite wischen.

1,75 Milliarden Euro der acht Milliarden Euro kommen vom Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani aus Katar, wie die Bank am Sonntagabend in Frankfurt mitteilte.

Die Deutsche-Bank-Spitze um die beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen braucht Ruhe an der Kapitalfront - schließlich kämpft die größte deutsche Bank nach wie vor mit den Folgen der Skandale aus der Finanzkrise und den schwierigen Märkten. Aus diesem Grund musste die Bank jetzt auch bei den Zielen für 2015 zum Teil heftig zurückrudern. Für das Geschäft mit Privatkunden und der Zahlungsabwicklung wurden die Prognosen für den Vorsteuergewinn deutlich gesenkt.

Renditeziel verschoben


Die Vorgaben bei der Rendite und Kostenquote wurden um ein Jahr nach hinten verschoben. Bestätigt wurden dagegen die Ziele beim Sparprogramm und dem Abbau von Risiken. Die jährlichen Kosten sollen insgesamt um 4,5 Milliarden Euro gedrückt, die Risiken sollen deutlich reduziert werden. Die Bank kündigte zudem an, in einigen Bereichen stärker als bislang geplant investieren zu wollen.

Bei dem Befreiungsschlag in puncto Kapital soll der Rest des benötigten Geldes über die Ausgabe von neuen Anteilen mit Bezugsrecht für Altaktionäre eingesammelt werden. An dieser Kapitalmaßnahme wird der Scheich wahrscheinlich auch teilnehmen, hieß es. Damit dürfte sein Engagement auf mehr als zwei Milliarden Euro steigen. Sein Anteil an der Bank wird daher wahrscheinlich künftig bei rund sechs Prozent liegen.

Schwach auf der Brust


Die massive Kapitalerhöhung, die rund ein Viertel des aktuellen Börsenwerts entspricht, ist die zweitgrößte in der Geschichte der Bank. Um die Folgen der Finanzkrise abzufedern und sich für die neuen Regeln für Banken zu rüsten, hatte der Konzern in den vergangenen Jahren immer wieder neue Anteile ausgegeben.

Die größte Emission datiert dabei mit etwas mehr als zehn Milliarden Euro aus dem Herbst 2010. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte sich das Institut knapp drei Milliarden Euro geholt. Da die Deutsche Bank gerade im internationalen Vergleich schwach kapitalisiert war, gab es zuletzt immer wieder Spekulationen und Gerüchte über eine erneute Ausgabe von Aktien.

Hoher Abschlag erwartet


Bei der jetzt geplanten Kapitalerhöhung nimmt der Scheich der Bank zunächst 60 Millionen Aktien zum Preis von je 29,20 Euro das Stück ab und hält dann knapp sechs Prozent der Anteile. In einem zweiten Schritt will das Frankfurter Institut dann bis zu 300 Millionen neue Aktien am Kapitalmarkt verkaufen. Altaktionäre dürfen dabei bevorzugt zugreifen.

Die neuen Papiere werden ihnen dabei mit einem deutlichen Abschlag angeboten, der bei Transaktionen in dieser Größenordnung gewöhnlich bei rund 30 Prozent liegt. Das angepeilte Volumen von 6,3 Milliarden Euro und die angekündigte Zahl neuer Aktien deutet nach dpa-AFX-Berechnungen auf einen Preis von rund 21 Euro hin - das wäre ein Abschlag von knapp 32 Prozent zum Kurs von Freitagabend.

Die genauen Konditionen und auch das Bezugsverhältnis dafür stehen noch nicht fest. Die Bank will am 5. Juni einen Wertpapierprospekt mit den Details veröffentlichen. Bis Ende Juni soll dann die Kapitalerhöhung abgeschlossen sein. Dann soll die Kapitalquote bei 11,8 Prozent nach zuletzt 9,5 Prozent liegen.

Aktie kein Kauf

Die Börse hatte eine Kapitalerhöhung lange erwartet. Nun ist die Katze aus dem Sack. Das Minus der Aktie am Montagmorgen fällt deswegen mit 1,4 Prozent auch moderat aus. Die Aktie ist mit einem 2015er-KGV von 6 sehr günstig bewertet. Allerdings dürfte der Kurs volatil bleiben. Schließlich hat es in den kommenden Monaten immer mal wieder die ein oder andere negative Überraschung gegeben. Einige Rechtsrisiken hängen nach wie vor wie ein Damoklesschwert über dem Aktienkurs. Die Aktie der Deutschen Bank fiel jüngst unter der Stoppkurs des AKTIONÄR. Ein Neu-Engagement drängt sich nicht auf.

(Mit Material von dpa-AFX)

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