Deutsche Bank
- Martin Mrowka - Redakteur

Deutsche Bank könnte Finanzsystem zum Kippen bringen

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Jahren viel von ihrem Glanz und ihrer Größe verloren. Doch das geschrumpfte und verlustreiche Geldhaus wird weiterhin als hochrelevant für das globale Finanzsystem eingestuft. Gemeinsam mit drei anderen Großbanken könnte die Deutsche im Falle eines Falles sogar einen globalen Kollaps verstärken.

Eigentlich wollte die Deutsche Bank ihre riskanten Geschäfte nach der Finanzkrise weiter reduzieren. Der Finanzstabilitätsrat FSB, ein internationales Beobachtergremium, zählt den deutschen Bankenprimus in seiner neuesten Liste zusammen mit der US-Investmentbank Citigroup und der britischen HSBC aber weiterhin zur zweithöchsten Kategorie der insgesamt 29 global systemrelevanten Banken (G-SIB). Sie muss damit zwei Prozentpunkte mehr Kapital vorhalten als eine "normale" Bank.

Nur JP Morgan ist noch systemrelevanter

In der obersten Kategorie der G-SIB wird nur die Investmentbank JP Morgan geführt. Die größte US-Bank muss 2,5 Prozentpunkte mehr an Kapital vorhalten.

Als potenziell gefährlich gelten Finanzinstitute, deren Zusammenbruch wegen der starken Vernetzung die Weltwirtschaft insgesamt ins Wanken bringen könnte. Nicht mit auf dieser FSB-Liste ist die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank.

Bank of America hat an Gefährlichkeit verloren

Der FSB bewertet die Banken nicht allein nach ihrer Größe, sondern auch nach dem Risiko, das in ihren Geschäften steckt und daran, wie vernetzt sie im weltweiten Finanzsystem sind, schreibt die Agentur Reuters. Denn das sei entscheidend dafür, welche Folgen eine Schieflage für die Branche und darüber hinaus hätte. Unter diesen Gesichtspunkten hat die Bank of America in den Augen der Regulierer an Gefährlichkeit verloren. Sie rutscht von der zweiten in die dritte Kategorie, die einen Aufschlag von 1,5 Prozent auf ihre Kapitaldecke braucht.

Bundesbank mahnte

Der jüngste Bankenstresstest offenbarte, dass insbesondere die harte Kernkapitalquote der Deutschen Bank weiterhin zu niedrig ist. Brisant ist die Lage der Deutschen auch nach dem jüngsten Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank. Demnach ist ein neues Krisenszenario durch eine unerwartet starke Eintrübung der Wirtschaftslage wahrscheinlicher geworden. Finanziell schwache Banken könnten einen Abschwung noch verstärken, eine Abwärtsspirale käme in Gang.

Auch wenn ein solches Szenario noch nicht sichtbar ist - mögliche Auslöser gibt es derzeit viele: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie der Haushaltsstreit mit Italien lassen dunkle Wolken am Wirtschaftshorizont aufziehen. Vor diesem Hintergrund bleibt die Deutsche-Bank-Aktie ein riskantes Investment und in Depots bis auf Weiteres außen vor.

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| Nikolas Kessler | 0 Kommentare

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