Deutsche Bank
- Nikolas Kessler - Redakteur

Deutsche Bank: Die Luft wird dünner

Der Geldwäscheskandal bei der Danske Bank hat inzwischen auch die EU auf den Plan gerufen. Die Bankenaufsicht der EU-Kommission, die European Banking Authority (EBA), hat am Dienstag ein formelles Untersuchungsverfahren eröffnet. Auch die Deutsche Bank steht im Fokus – als Korrespondenzbank hat sie einen Großteil der verdächtigen Gelder weitergeleitet.

Die EBA will bei ihrer Untersuchung die Verantwortung der nationalen Aufsichtsbehörden in Dänemark und Estland prüfen, wie das Handelsblatt berichtet. Dabei soll insbesondere geprüft werden, ob die Behörden gegen EU-Recht verstoßen haben.

Hintergrund ist die Tatsache, dass über die estnische Filiale der Danske Bank zwischen 2007 und 2015 verdächtige Gelder im Volumen von bis zu 200 Milliarden Euro transferiert wurden – und die Aufsichtsbehörden davon nichts mitbekommen haben wollen. Erst im November 2018 hatte ein Whistleblower den Skandal publik gemacht und dabei auch die Aufsichtsbehörden belastet.

Weitere Konsequenz: Am Dienstag kündigte die Danske Bank ihren Rückzug aus Estland an, nachdem die estnische Aufsicht das Institut dazu aufgefordert hatte, seine Aktivitäten im Land bis Ende des Jahres einzustellen. Die dänische Großbank zieht sich darüber hinaus auch aus den übrigen baltischen Ländern sowie aus Russland zurück.

Auch die Deutsche Bank ist betroffen

Der Geldwäsche-Skandal schlägt auch außerhalb Dänemarks und Estlands hohe Wellen. Vor allem die Deutsche Bank steht in der Kritik. Als Korrespondenzbank der Danske Bank ist ein Großteil der verdächtigen Gelder über das Institut geflossen. Erst in der Vorwoche hatte die BaFin das Mandat ihres Sonderbeauftragten bei der Deutschen Bank um die Untersuchung der Korrespondenzbank-Beziehungen mit der Danske Bank erweitert. Dieser soll im Auftrag der deutschen Finanzaufsicht die Umsetzung der Maßnahmen im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung überwachen.

Die Deutsche Bank selbst kann im Danske-Skandal bislang jedoch kein Fehlverhalten erkennen. Als Korrespondenzbank habe man die Kunden der Danske Bank nicht so intensiv durchleuchten musste wie ihre eigenen, so die Auffassung der Deutschen Bank. Man habe nichts falsch gemacht und daher bislang auch keine Rückstellungen für mögliche Strafen gebildet, hieß es zuletzt von Rechtsvorstand Karl von Rohr.

Aktie auf der Watchlist

Die Verstrickung in diverse Skandale hat zuletzt bereits Spuren im operativen Geschäft hinterlassen und zur enttäuschenden Entwicklung des Aktienkurses beigetragen. Die Papiere der Deutschen Bank notieren nur knapp oberhalb ihres Allzeittiefs von Ende Dezember, Impulse für eine nachhaltige Erholung sind aktuell nicht in Sicht. DER AKTIONÄR rät daher aktuell vom Kauf der Aktie ab.

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