Deutsche Bank
- Martin Mrowka - Redakteur

Deutsche Bank: Analysten verlieren den Glauben

Geht es nach den Experten in den Analysehäusern, dürfte die Talfahrt der Deutsche-Bank-Aktie in den kommenden Monaten weitergehen. Besonders pessimistisch hat sich nun die Berenberg Bank zu Deutschlands Bankenprimus geäußert. Auch zur Commerzbank gibt's Neues.

Berenberg-Analyst Eoin Mullany hat in einer aktuellen Studie sein Zwölf-Monats-Kursziel für die Deutsche gleich um 33 Prozent von 12 auf 8 Euro gesenkt und ist damit nun auf gleich niedrigem Niveau wie seine Kollegen von Barclays, RBC Capital und Société Générale. Die Aktien-Experten der Citigroup sind mit einem Kursziel von 7,50 Euro sogar noch skeptischer.

Struktureller Niedergang der traditionellen Banken

Die Deutsche Bank dürfte im Jahr 2020 eine Kapitalrendite von lediglich drei Prozent erwirtschaften und verliere in einer von strukturellem Niedergang geprägten Branche Marktanteile, schrieb Mullany. Dies mache die Aktie unattraktiv. Der Experte kappte seine Prognosen für das Ergebnis je Aktie in diesem und im kommenden Jahr um 81 beziehungsweise 54 Prozent.

Etwas optimistischer sind die Analysten der Schweizer Großbank UBS. Von ihnen bekommt die Deutsche Bank die Einstufung "Neutral" mit einem Kursziel von 10,20 Euro. Die Deutsche Bank dürfte ihre Kostenziele erreichen, glaubt die UBS. Pessimistischer ist man allerdings, was die Erträge angeht. Hier rechnen die Analysten mit einer Planverfehlung der Deutschen Bank. Derzeit empehlen 17 von 33 von Bloomberg erfasste Analysten die Aktie der Deutschen Bank zum Verkauf, nur drei würden sie jetzt kaufen.

Commerzbank wird ihre Ziele nicht erreichen

Die UBS äußerte sich auch zur Commerzbank. Die Experten gehen davon aus, dass sich die Börsianer bei dem Konzern vor allem auf Faktoren wie das Wachstum der Erträge und das Erreichen von Kostenzielen konzentrieren werden. Die Commerzbank-Aktie werde weiterhin mit "Neutral" eingestuft. Bei der UBS ist man allerdings der Meinung, dass die Commerzbank ihre selbst gesteckten Ziele nicht erreichen wird. 

Recht negativ kommt es bei den Analysten an, dass die Commerzbank ihr mit großen Hoffnungen gestartetes Online-Banking-Projekt Copernicus abgeblasen hat. Die europäische Digitalbank werde wieder im Stammhaus eingegliedert. Mit der Comdirect verfüge die Bank bereits über einen Direktbank-Ableger, der durchaus erfolgreich arbeite. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass die Commerzbank auch ihre Pläne zur Entwicklung einer eigenen digitalen Vermögensverwaltung aufgebe. Stattdessen verweist man nun Interessenten an den Robo Advisor der Comdirect. 

Auch die Deutsche Bank hatte im Frühsommer ihre Pläne zum Aufbau einer Onlinebank verworfen, deren Herzstück ein kostenloses Girokonto sein sollte. Stattdessen habe das Haus auf eine "digitale Plattform" verwiesen.

Aktien taumeln abwärts

Im Niedergang befinden sich auch die Aktienkurse der Institute. Die Papiere der Deutschen Bank verlieren heute gut zwei Prozent auf 9,80 Euro, stehen damit aber noch über ihrem Ende Juni markierten Rekordtief bei 8,76 Euro. Dennoch sind sich auf Jahressicht mit einem Minus von fast 40 Prozent der im Dax bislang schlechteste Wert. Die Commerzbank-Aktie verliert heute nur wenig auf 8,29 Euro. 

Beide Bank-Konzerne wurden übrigens vom Finanzdienstleister Wirecard überholt: Mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 22,6 Milliarden Euro hat der Zahlungsabwickler die Commerzbank (10,4 Mrd. Euro) längst hinter sich gelassen und bringt mittlerweile auch mehr auf die Waage, als die Deutsche Bank, die nur noch auf gut 20 Milliarden Euro kommt.

DER AKTIONÄR rät seit Monaten von den Aktien traditioneller Bank-Häuser als längerfristiges Investment ab und hält an dieser Einschätzung fest.

 

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