DAX
- Michael Schröder - Redakteur

DAX im Rallyemodus: „Die Finanzwelt hat sich gelöst von alten Verlaufsmustern“

tauchen, euro, abtauchen, schwimmen

Der DAX setzt seine Rekordfahrt fort. Nach einem zähen Handelsbeginn stieg der deutsche Leitindex am Donnerstag zum Handelsschluss auf mehr als 11.300 Punkte – so hoch wie nie zuvor. Damit verbuchte das Börsenbarometer den siebten Gewinntag in Folge. Wohin geht die Reise?

Die Geldflut der Notenbanken treibt seit Jahren die Börsen und sorgte in den vergangenen Wochen auch dafür, dass der DAX von einem Rekord zum nächsten gesprungen ist. Aber es gibt noch andere Gründe für diese Rallye – und deren Fortsetzung. DER AKTIONÄR fragte nach bei Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank.

Herr Halver, die Griechenland-Schuldenkrise wurde nach hinten geschoben. Die Ukraine-Krise scheint gelöst. Eine Zinswende in den USA ist weiter nicht in Sicht. Ab nächster Woche Beginnt die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren groß angelegten Anleihekäufen. Man könnte meinen, die jüngsten Krisen und Sorgen der Anleger lösen sich mehr und mehr in Luft auf – oder werden Sie nur unter dichtem Nebel versteckt?

Robert Halver: Wir haben es mindestens mit einem Zeitgewinn zu tun. Die Grexit-Frage stellt sich erst wieder im Sommer. Bis dahin hätten die europäischen Sicherungseinrichtung und insbesondere die EZB ausreichend Zeit, die Konsequenzen eines GREXIT auf andere Euro-Länder zu verhindern. Außerdem sind die Finanzmärkte mehr und mehr der Meinung, dass ein Grexit verkraftbar wäre, weil ein großes auch politisches Problem beseitigt ist. Frau Yellen in den USA zeigt sich immer weniger als Zinswendehals. Die Geldpolitik weltweit bleibt, auch angesichts von in diesem Jahr bereits 20 weiteren Zinssenkungen der internationalen Notenbanken auf der Überholspur. Und unser Mario Drahi verleiht der Liquiditätshausse ab dem nächsten Monat ja erst noch die höheren Weihen. Die Alternativrenditen im Zinsvermögen fallen weiter. Draghi und seine Notenbanker-Gang haben uns die Anlageklasse „Zinsvermögen“ komplett geklaut. Und die Ukraine-Krise zeigt so etwas wie eine stabile Seitenlage.

Größere Gewinnmitnahmen sind nach der DAX-Rallye bisher ausgeblieben. Blenden wird den Chart aus. Wohin könnte die Reise gehen?

Die Finanzwelt hat sich gelöst von alten Verlaufsmustern. Da meiner Meinung nach die Zinsen nicht mehr wirklich steigen werden, weil sie es zur Aufrechterhaltung der Finanzwelt gar nicht mehr können, fehlt eine gesamte Anlageklasse: das Zinsvermögen. Denn Mario Draghi hat den Deutschen eines ihrer Lieblingsspielzeuge genommen. Ähnlich wie im Kinderlied, wo der Fuchs die Gans, hat er uns die Zinsen geklaut. Und dabei hatte er Helfershelfer. Die gesamte Notenbanker-Gang hat ganze Arbeit geleistet. Sie alle haben aus Leitzinsen für uns Sparer Leidzinsen gemacht. Und dieser Zins- und Renditeraub breitet sich aus wie derzeit die Grippeviren: Eine ganze Anlageklasse haben uns die Dame bei der Fed - sie ist kein wirklicher Zinswendehals - und die vielen Herren Zentralbanker entwendet: Egal, ob Staatsanleihen urbi bei uns oder orbi sonst wo auf der Welt, ob Industrieanleihen, ob Bankanleihen, alle Zinsen und Renditen werden erbeutet. Fortsetzung folgt! Denn wir lebten, leben und werden leben in einer entkapitalisierten, weil zinsraubenden Zentralbankwelt.

Also wird sich der Trend weiter fortsetzen?

Die Zentralbanken sind die Aorta der Finanzmärkte. Sie verhindern einen stärkeren Aktieneinbruch. Ich erwarte, dass die Aktien im Trend noch weiter steigen werden. Zwischenzeitliche Rücksetzer sind zwar möglich. Aber was sollen denn die „armen“ Vermögensverwalter tun. Auch Versicherungen überlegen, stärke Aktienquoten zu fahren. Sie werden dabei auf Industrieperlen mit viel Substanz und Dividendentitel setzen. Der DAX hat demnach Luft bis 11.800 am Jahresende. Aus heutiger Sicht gibt es sogar „upside risks“.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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