DAX
- Jochen Kauper - Redakteur

DAX: Jetzt die Cash-Quote erhöhen?

Eine Frage, die sich vielen Anlegern in Zeiten wie diesen stellt ist, ob man die aktuelle Marktkorrektur nicht für einen Ausstieg nutzen sollte. Sollte man, wie die Pokerspieler sagen, „All-In“ bleiben oder besser „All-Out“ gehen?

Noch nie in der Geschichte des Kapitalmarkts war es so einfach, Aktienbestände glatt zu stellen. Einfach den Online-Broker aufrufen, auf den Knopf drücken und verkauft ist die Aktie. "Als ob die tatsächlichen Probleme nicht erst danach beginnen. Denn der Verkauf der Aktienbestände löst eine psychologische Kettenreaktion aus, schließlich ist die nicht ganz unwichtige Frage zu klären, wann der richtige Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg gekommen ist: Wenn die Märkte steigen, wartet der Anleger auf die nächste Korrektur, wenn die Märkte fallen, löst weiteres Zuwarten ohnehin keinen Konflikt aus, weil sie ja vermutlich noch tiefer sinken werden", sagt Peter-Thilo Hasler von Sphene Capital. 

"Nichts schmerzt mehr, als den Einstieg zu verpassen"

Mit gravierenden Folgen für die Performance. "Im Nachhinein mag es idiotisch gewesen sein, Anfang 2009 beim DAX-Stand von unter 4.000 Punkten nicht investiert zu haben. Doch darf nicht vergessen werden, dass die Lehman-Pleite erst wenige Monate zuvor die Märkte durchgeschüttelt hat. Seither haben die Menschen nach immer neuen Gründen gesucht, ihre fehlende Investitionsbereitschaft zu begründen: Double-Dip-Rezession, Inflation, Deflation, China-Krise, Italien-Krise, Ebola, Kollaps des Euros, Kollaps des US-Dollars.

In den Aktienmarkt einzusteigen ist nicht einfach, war es nie. Gerade von Privatanlegern ist häufig zu hören, dass ihnen das Halten von Bargeld Wahlmöglichkeiten verschafft, mit einem Schlag an die Börse zurückzukehren. Wenn sie es denn auch tun, denn nichts schmerzt mehr, als den Einstieg zu verpassen und mit einem Haufen Bargeld Anderen bei deren Performance zuzuschauen. Verhaltenspsychologen sprechen in diesem Fall von „Anchoring“. Das Niveau, zu dem man einst verkauft hat, setzt einen psychologischen Anker, der erst erreicht werden muss, ehe man sich wieder mit Aktien beschäftigen will. Dabei sollten Kaufentscheidungen einzig und allein auf der Basis von Zukunftserwartungen getroffen werden. Wer sich dagegen an Vergangenheitsdaten orientiert, hat gute Chancen, frühere Fehler zu wiederholen", sagt Hasler.

Kapitalanlage ist eine Herausforderung

Wer Aktien verkauft, um sie auf einem niedrigeren Niveau zurückzukaufen, muss zweimal richtig liegen. Schon beim ersten Mal die richtige Entscheidung zu treffen, ist schwierig genug. Doch wer von den Wenigen, die die Finanzmarktkrise richtig vorhergesagt haben, hat sich 2009 wieder auf der Bullen-Seite positioniert? "Selbst den besten Investoren der Welt fällt es schwer, die Richtung der Märkte und den Zeitpunkt dieser Bewegungen richtig vorherzusagen. Die Tatsache, dass so viele Privatanleger dauerhaft daran scheitern, sollte ein Signal dafür sein, dass Demut der Normalfall sein sollte, wenn es darum geht, die Märkte durch Timing überlisten zu wollen. Die Einnahme extremer Positionen an den Kapitalmärkten kann süchtig machen. Dabei steht in keinem Investorenhandbuch, dass man All-In oder All-Out sein muss, um erfolgreich zu sein. Die Kapitalanlage ist eine Herausforderung, die von denen gewonnen wird, die mit Wahrscheinlichkeiten und nicht mit Sicherheiten argumentieren", lautet das Fazit von Peter-Thilo Hasler.

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| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

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