DAX
- Dennis Riedl

DAX: 9. Höchster Drawdown in der Geschichte – wie sich die aktuelle Aktien-Lage einordnen lässt

Die Korrektur an den Aktienmärkten läuft. In seiner Geschichte hat der DAX nur 15 mal überhaupt um mehr als zehn Prozent von einem neuen Allzeithoch aus korrigiert. Der 16. Teil 16 dieser DAX-Staffel läuft nun seit dem 9. Februar. Wie lange setzt sich die Korrektur noch fort und wie tief wird sie ausfallen? Wirklich vorhersagen kann das niemand, auch über historische Vergleiche nicht. Allenfalls lassen sich Szenarien aufzeigen: Ein Überblick.

Wenn „unwahrscheinliches“ eintrifft
Seit 1959 konnte uns der DAX an insgesamt 530 Handelstagen ein neues Allzeithoch präsentieren (per Handelsschluss). Im Durchschnitt passiert das also an jedem 28. Handelstag. Das Problem: In manchen Zeiten eilt der DAX von Rekord zu Rekord, dann vergehen wieder Jahre ohne ein einziges, frisches „All Time High“. In diesen Phasen kam es wiederum allerdings auch nur 16 mal zu einem Kursrückgang von zehn oder mehr Prozent vom Allzeithoch. Die folgende Grafik zeigt, wann dieser demnach "unwahrscheinliche" eingetreten und wie tief es dann maximal abwärts gegangen ist.

 

Die Grafik zeigt: Der aktuelle Drawdown (-18,39% vom Allzeithoch am 23. Januar 2018 bis zum Tief vom letzten Dienstag) reiht sich immerhin bereits auf Platz 9 der größten Kapitalrückgänge in der 60-jährigen DAX-Geschichte ein. Sie kann aber keine Aussage darüber liefern, ob wir das Tief nun gesehen haben oder es noch (viel) tiefer geht – wie im Jahr 2003. Dem lässt sich nur anders überhaupt eine sinnvolle Aussage abgewinnen.

Hoher Drawdown = Schwäche
Eines ist ganz klar: Ein Markt fällt, weil er schwach ist – das heißt, weil es mehr Verkaufs- als Kaufbedarf gibt. Egal, wie die Gründe hierfür aussehen (die sich meist ohnehin erst im Nachhinein rekonstruieren lassen), der Markt sendet damit ein Signal: Vorsicht jetzt, bitte – mir geht es aktuell nicht gut!
Lässt sich dieses Vorsichtsgebot statistisch untermauern? Ich versuche es einmal.

Leitfrage: Wie ging es in ähnlichen Fällen weiter?
Indem man auswertet, wie es durchschnittlich in solchen Situationen eines gewissen Kapitalrückgangs am Markt weitergegangen ist, lassen sich zumindest Hinweise darauf erkennen, ob gerade ein eher günstiger Einstiegszeitpunkt ist oder Cash zu halten die klügere Alternative darstellt. Ich betrachte hier alle Fälle, in denen der DAX vom Hoch erstmals zehn Prozent verloren hat, und schaue, wie es danach weiterging. Ergebnis:

 

Im Durchschnitt war das Jahr unmittelbar nach dem Erreichen des 10%-Drawdowns ebenfalls schwach: Die Ergebnisse zeigen eine glatte Nullrendite. Der aktuelle Fall bestätigt das, der Verlauf war sogar noch schwächer (aktuell -8%). Auch die Gesamtmarktbarometer in den von mir btereuten Börsendiensten halten derzeit beide einen gewissen Anteil Cash. Statistisch beginnt nach einem Jahr allerdings wieder eine günstigere Gelegenheit, um erneut bzw. verstärkt in Aktien zu investieren. Die DAX-Rendite in den dann folgenden drei Jahren lag historisch bei insgesamt 37 Prozent (oder 11% p.a.). Eine 1:1-Übertragung würde also die Empfehlung liefern, rund um den 9. Februar 2019 zu kaufen (etwas später). Jedoch ist, wie bei allen Statistiken Vorsicht geboten: Der Autor ist überzeugt, dass statistische Daten einen wertvollen Beitrag zu sinnvollem Investieren liefern können, aber eben auch nur einen Beitrag. Das gilt vor allem, wenn die analysierte Stichprobe klein ist, wie im obigen Fall. Beispiel: So endete der schwächste Fall, der in die obige Durchschnittskurve eingegangen ist, nach vier Jahren bei -44 Prozent (vom 1. Bis 4. Jahr: -33%). Das war der weitere Verlauf nach dem am 14. April 2000, als der DAX erstmals zehn Prozent von seinem letzten Allzeithoch am 7. März 2000 verloren hatte.

Fazit: Historische Daten des DAX warnen in der Mehrzahl vor der aktuellen Börsenphase. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.

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Dr. Dennis Riedl ist professioneller Strategie-Entwickler und Autor der Börsenbriefe „Die Turnaround-Formel“ (+63% seit Feb 2017) und „TSI USA“ (+81% seit März 2016).

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