BMW
- Börsen.Briefing.

BMW steigt, Daimler fällt: Milliardenstrafen drohen, Konzerne gelassen, Aktionäre nicht

Es hat ein wenig gedauert. Jetzt fallen die Aktien von Daimler und VW zurück, BMW verharren wenige Stunden nachdem die EU-Kommission durchblicken hat lassen, dass sie davon ausgeht, die Autokonzerne hätten illegale Absprachen zu Technologien der Abgasreinigung getroffen, im Plus. Obwohl den Konzernen Milliardenstrafen drohen, zeigen sie sich gelassen. Die Anleger eher nicht.

BMW, Daimler und VW haben nach Erkenntnissen der EU-Wettbewerbshüter illegale Absprachen zu Technologien der Abgasreinigung getroffen. Dies teilte die EU-Kommission am Freitag in Brüssel auf Basis eines vorläufigen Ergebnisses der Ermittlungen mit. Die Unternehmen können nun zu den Vorwürfen noch Stellung nehmen. Ihnen droht eine Strafe in Milliardenhöhe.

Die EU-Kommission hatte 2017 Voruntersuchungen bei den Autobauern begonnen und war auch bei den Herstellern vorstellig geworden. Die formelle Untersuchung hatte sie 2018 eingeleitet.

Im Einzelnen sollen sich nach den Erkenntnissen der EU-Kommission die Autobauer bei der Einführung von SCR-Katalysatoren für Dieselmotoren und von Feinstaub-Partikelfiltern für Benzinmotoren (OPF) unerlaubterweise abgesprochen haben. Diese Absprachen seien bei Treffen der Automobilhersteller in den sogenannten 5er-Kreisen getroffen worden.

Die Unternehmen hätten den Innovationswettbewerb in Europa bei diesen beiden Abgasreinigungssystemen eingeschränkt und den Verbrauchern somit die Möglichkeit verwehrt, umweltfreundlichere Fahrzeuge zu kaufen – obwohl sie über die entsprechende Technologie verfügten, teilten die Wettbewerbshüter weiter mit. Sollte sich der Verdacht endgültig bestätigen, wäre es ein Verstoß gegen europäisches Kartellrecht – auch wenn es sich nicht um Preisabsprachen handele.

Daimler rechnet trotz der Vorwürfe nicht damit, ein Bußgeld zahlen zu müssen. "Daimler hat frühzeitig und umfassend mit der Europäischen Kommission als Kronzeuge kooperiert und erwartet in dieser Sache deshalb kein Bußgeld", teilte der Autobauer am Freitag mit.

Sowohl Daimler als auch Volkswagen hatten nach Bekanntwerden der Vorwürfe im vergangenen Jahr den Antrag auf Kronzeugenregelung gestellt. Der Kronzeuge in Kartellverfahren kann auf den größten Straferlass oder gar Straffreiheit hoffen. Im äußersten Fall können hingegen bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes fällig werden. Bei VW wären das im Extremfall mehr als 20 Milliarden Euro. 

Man habe Kenntnis über den Erlass der Beschwerdepunkte und warte auf die förmliche Zustellung, hieß es von Daimler. Darüber hinaus äußere man sich nicht, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Volkswagen kündigte an, die Beschwerde zu prüfen. Erst nach Auswertung der Untersuchungsakte werde man sich äußern, teilte der Konzern mit. Nach VW-Einschätzung erkennt die Kommission "grundsätzlich an, dass Kooperationen zwischen Herstellern zu technischen Fragen in der Automobilindustrie weltweit üblich sind". 

Mögliche Verstöße gegen Umweltvorschriften seien nicht Teil des Verfahrens, hieß es von der EU-Kommission. Die Ermittlungen seien zudem unabhängig von laufenden Untersuchungen etwa von Staatsanwaltschaften zur Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen der Autohersteller.

Die Aktien der drei Konzerne entwickeln sich heute unterschiedlich. Während Daimler nach anfänglichen Gewinnen inzwischen in die Verlustzone gerutscht sind, notiert das Papier von BMW im Plus. VW-Papiere indes nehmen die gleiche Entwicklung wie Daimler-Aktien und notieren nun schwächer.

Wie es mit der Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen weitergeht, lesen Sie regelmäßig im Börsen.Briefing., dem kostenfreien täglichen Newsletter des Anlegermagazins DER AKTIONÄR. Registrieren Sie sich einfach und unverbindlich unter www.boersenbriefing.de mithilfe Ihrer E-Mail-Adresse und bleiben Sie mit dem Börsen.Briefing. auf dem Laufenden. Es lohnt sich.

Ein Beitrag von Leon Müller, Chief Editor Börsen.Briefing. – dem täglichen Newsletter des Anlegermagazins DER AKTIONÄR (registrieren Sie sich kostenfrei unter www.boersenbriefing.de)

Mit Material von dpa-AFX

| Auf dem Laufenden bleiben | Täglich. Kostenfrei. Unverbindlich. |

Bleiben Sie über die neuesten Entwicklungen bei spannenden Unternehmen und der Börse auf dem Laufenden. Lesen Sie das Börsen.Briefing. – den täglichen Newsletter des AKTIONÄR. Wenn Sie sich bisher noch nicht registriert haben, besuchen Sie jetzt www.boersenbriefing.de und bestellen Sie kostenfrei und unverbindlich das Börsen.Briefing. Oder nutzen Sie einfach das nachstehende Formular. Schon am nächsten Börsentag erhalten Sie die erste Ausgabe des Börsen.Briefing. kostenfrei in Ihr E-Mail-Postfach zugestellt.


Der Newsletter ist unverbindlich und kostenlos. Zum Abbestellen reicht ein Klick auf den Abmelde-Link am Ende des Newsletters.



Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail-Adresse ein.


Bitte akzeptieren Sie unsere Datenschutzbedingungen.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Jan Heusinger | 0 Kommentare

BMW: Kaufsignal!

Die Aktie von BMW hat sich in den vergangenen Wochen kontinuierlich nach oben gearbeitet. Die Bodenbildung scheint abgeschlossen und ein Kaufsignal wurde generiert. Zudem gibt das Management einen positiven Ausblick auf das China-Geschäft. mehr
| Jan Heusinger | 0 Kommentare

BMW: Bringen starke Zahlen endlich den Ausbruch?

Anders als die  Konkurrenten Mercedes-Benz und Audi erlitt BMW im ersten Quartal 2019 keinen Absatzeinbruch. Die BMW Group verteidigte das starke Ergebnis des Vorjahrs. Für die Elektroflitzer des Autobauers war das erste Quartal 2019 sogar das erfolgreichste seit der Markteinführung. Schafft die … mehr
| Thomas Bergmann | 0 Kommentare

Märkte am Morgen: DAX mit Konsolidierung, Gewinnserie bei Apple, Auflagen für Deutsche Bank, neue Strafen für Autobauer, Abschied von Wirecard-Buchhalter

Uneinheitliche Vorgaben aus den USA und Asien lassen die deutschen Anleger zunächst einmal vorsichtig agieren. Der DAX notiert wieder unterhalb der wichtigen 12.000-Punkte-Marke. Beherrschende Themen sind die mögliche Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank, neue Kartellvorwürfe gegen die … mehr