Commerzbank
- Martin Mrowka - Redakteur

Commerzbank: Bahnt sich da etwas an?

Die Aktie der Commerzbank gehört heute zu den Tagesgewinnern im DAX. Grund ist eine Kaufempfehlung. Das Analysehaus RBC hat das Wertpapier unter anderem wegen der gestiegenen Wahrscheinlichkeit einer Übernahmeofferte durch die Deutsche Bank von „Sector Perform“ auf „Outperform“ hochgestuft.

RBC-Analystin Anke Reingen hat gleichzeitig ihr Kursziel von 9,50 auf 11 Euro angehoben. Sie sieht nun eine 50-prozentige Übernahmewahrscheinlichkeit durch die Deutsche Bank. Sogar einen Kaufpreis will sie ausgemacht haben: Die Offerte könnte bei 13 Euro je CoBank-Aktie liegen. Falls die Commerzbank eigenständig bleibt, sieht sie weiterhin ein Kursziel von 9,50 Euro.

Kostenvorteile durch Fusion

Viele Experten hatten zuletzt immer wieder gemahnt, dass zwei Kranke noch keinen Gesunden ergeben. Die Aktien beider Bankhäuser gehörten in den vergangenen Jahren zu den größten Verlierern der Branche. So sank der Wert der Deutschen Bank an der Börse alleine in diesem Jahr fast 38 Prozent, die Commerzbank verlor etwa 28 Prozent. Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre – also seit der Pleite der US-Investmenbank Lehman Brothers und der darauf folgenden Finanzkrise – summieren sich die Verluste auf 86 beziehungsweise 94 Prozent. Ein Zusammenschluss der beiden einst großen Banken könnte der letzte Ausweg sein, um der Dauerkrise zu entkommen.

RBC-Expertin Reingen hat die Kosten eines möglichen Zusammenschlusses durchgerechnet und sieht dabei vor allem Vorteile. Den von ihr prognostizierten Einsparungen von 2,1 Milliarden Euro stünden Einnahmeverluste von 700 Millionen Euro gegenüber. Die sich daraus errechnenden jährlichen Nettosynergien von 1,4 Milliarden Euro würden den gemeinsamen Wert der Bank um zirka 15 Prozent steigern.

Übernahme durch Deutsche Bank nur Theorie?

Das würde eigentlich sogar eine Offerte über 14 Euro je Aktie rechtfertigen. Da aber die Gefahr besteht, dass sich die Commerzbank-Gewinne nicht so entwickeln wie erhofft und die Einsparungen nicht so schnell realisiert werden können, hält die Analystin 13 Euro für realistischer.

Andere Experten halten selbst eine fusionierte Bank für nicht schlagkräftig genug. Die "Deutsche Commerz" käme nach dem Zusammenschluss wohl auf eine Marktkapitalisierung von etwa 40 Milliarden Euro. Derzeit liegt die Summe der beiden bei gut 30 Milliarden. Im Vergleich mit europäischen Wettbewerbern wäre das deutsche Haus immer noch klein. Die Marktkapitalisierung der größten europäischen Bank Santander liegt aktuell bei gut 70 Milliarden. US-Banken sind nochmals um ein Vielfaches größer - und profitabler.

Und dennoch: Die Commerzbank-Aktie kann an der Börse mit der aufgefrischten Fusionsfantasie am Mittwoch um gut zwei Prozent auf 9,18 Euro zulegen. Mit dem Schwung der vergangenen Tage konnten sowohl ein Abwärtstrend als auch die 90-Tage-Linie überwunden werden, was charttechnisch ein gutes Zeichen ist.

Ist das nun schon die Trendwende aufwärts? Jein. Bei 9,29 Euro trifft die CoBank-Aktie bereits auf den nächsten Chart-Widerstand in Form des Hochpunkts von Anfang August. Darüber hinaus warten Widerstände bei 9,81 Euro, bei der 200-Tage-Linie und bei 11 Euro. DER AKTIONÄR hält es für wahrscheinlich, dass die Aktie in den kommenden Tagen zunächst um die Neun-Euro-Marke schwanken wird und nicht direkt durchstartet. Bis auf spekulative Kurzfrist-Käufe wird wenig zu holen sein.

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| Dennis Riedl | 0 Kommentare

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