Commerzbank
- Martin Mrowka - Redakteur

Commerzbank: Börsianer wollen Hochzeitsglocken hören

Die Aktie der Commerzbank führt auch am Donnerstag die Liste der Tagesgewinner im DAX an. Gleich mehrere Gründe kommen für den fast unheimlichen Kursanstieg in Frage. Einer hat mit der Deutschen Bank zu tun.

Seit Tagen wollen die Gerüchte um eine sich anbahnende Hochzeit zwischen den beiden Großbanken nicht verstummen. Obwohl Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing eine Übernahme der Commerzbank mehrmals ausschloss bzw. sie frühestens 2020 für vorstellbar hielt, werden die beiden geschrumpften Institute nun vom Markt zu einem Zusammenschluss getrieben. Der Spiegel meldete in der vergangenen Woche unter der Überschrift "Hochzeit aus Angst vor dem Tod", dass sich die Stimmung in den Führungsetagen Richtung pro Fusion dreht. Auch die Bundesregierung, die noch mit gut 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt ist, könne sich mittlerweile eine Fusion der beiden Großbanken vorstellen.

Rausschmiss aus wichtigen Indizes

Auch wenn man nach der Finanzkrise eigentlich keine großen Bankhäuser mehr wollte derzeit droht das Gegenteil: Die beiden deutschen Privatbanken versinken in der Bedeutungslosigkeit. Die Commerzbank ist ab Montag nicht mehr im DAX vertreten, die Deutsche Bank fliegt aus dem EuroStoxx 50. Auch im Ausland kommt das nicht gerade gut an. Ein großer, internationaler Player aus Deutschland sollte schon sein. CDU-Fraktionschef Volker Kauder sagte Anfang September: „Wir müssen uns überlegen, wie wir in Deutschland wieder leistungsfähige Großbanken bekommen.“

Doch beide Banken haben derzeit noch in hohem Maße mit sich selbst zu tun. Nach der Finanzkrise wurde nur halbherzig umstrukturiert, hohe Verluste nicht nur an der Börse waren die Folge. Um wieder ordentliche Gewinne machen zu können, werden Kosten gesenkt, Standorte und Abteilungen geschlossen, die IT modernisiert, das Digitalgeschäft neu aufgestellt, die Organisation optimiert. Das dauert. Eine Übernahme oder Fusion ließe ganz neue Mega-Baustellen entstehen.

Den Börsianern ist der Zeitpunkt einer Hochzeit egal, sie glauben offenbar an den Zusammenschluss. Oder baut da etwa klammheimlich ein ausländischer Konkurrent eine Beteiligung auf? Am Mittwoch wurden bereits mögliche Übernahme-Preise für die CoBank-Aktie herumgereicht. Eine Analysten von RBC kann sich etwa 13 Euro vorstellen - gegenüber dem aktuellen Kursniveau wäre das ein Aufschlag von über 30 Prozent.

Chartbild hat sich verbessert

Am Donnerstag steht die Commerzbank-Aktie mit einem Plus von über zwei Prozent auf 9,50 Euro erneut an der DAX-Spitze, das Papier der Deutschen Bank steigt auf 10,33 Euro. Die CoBank-Aktie wird derzeit auch von technischen Aspekten aufwärts getrieben. Der neunmonatige Abwärtstrend konnte überwunden werden, auch die 90-Tage-Linie wurde geschwind hinter sich gelassen. Die 8-Euro-Marke hat sich mehrmals als tragfähiger Boden erwiesen.

Auch wenn DER AKTIONÄR nicht an eine schnelle Hochzeit glaubt und auch fundamental noch kein Land in Sicht ist  das gute Chartbild schreit nach einem Hoffnungskauf.  Der Aktienkurs könnte in den kommenden Tagen nochmals Richtung 9-Euro-Marke zurückfallen, mutige Anleger legen sich dann ein paar Commerzbank-Stücke ins Depot.  Ohne Übernahme wird jedoch die Zone um 11 Euro schwer zu knacken sein.

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| Nikolas Kessler | 0 Kommentare

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