China Mobile (Honkong)
- Thorsten Küfner - Redakteur

China Mobile: 816 Millionen Gewinnbringer

Kein Telekomkonzern hat auch nur annähernd so viele Kunden wie China Mobile. Bringen die mehr als 800 Millionen Nutzer dem Unternehmen in den kommenden Monaten dank der verstärkten Nutzung von internetfähigen Handys auch endlich wieder höhere Erträge, winken den Anteilseignern deutlich steigende Kurse.

Es hatte gekracht – und zwar gewaltig. Nachdem die chinesischen Aktien mo­natelang haussierten und die Stimmung dort bereits ähnliche Züge annahm wie hierzulande in den Jahren 1999/2000, folgte das böse Erwachen: Die Aktienmärkte brachen ein. Allerdings war dieser heftige Kursrutsch nur von kurzer Dauer, zumal es wenig später auch wieder gute Nachrichten gab. So legte etwa das chinesische Brutto­inlandsprodukt im zweiten Quartal um satte sieben Prozent zu und damit stärker, als Experten erwartet hatten.

Unter der jüngsten Korrektur litten indes auch die Anteile eines der am stärksten aufgestellten und solidesten Un­ternehmen Chinas: China Mobile. Dies sollte langfristig orientierte Anleger hellhörig machen, denn die Papiere zählten bereits zuvor zu den günstigeren Titeln im Sektor. So beläuft sich das 2015er-KGV für den Konzern mit den weltweit meisten Kunden (Stand 31.05.2014: 816 Millionen) auf relativ günstige 14. Auch das Kurs-Buchwert-Ver­hältnis von 1,6 entspricht keinesfalls der Ertragsstärke des Telekom-Riesen.

Enorm starke Bilanz
Blickt man auf die Dividende, so weist China Mobile eine Rendite von drei Prozent aus. Dies ist angesichts der Nie­drigzinsphase durchaus bemerkenswert, im Branchenvergleich stehen die Chinesen damit dennoch weit unten. Viele Konkurrenten im traditionell spendablen Telekomsektor bieten mit teilweise mehr als fünf Prozent zwar höhere Renditen. Allerdings sollte man bedenken, dass es sich bei den hohen Dividenden teilweise um eine Art Trost für fehlendes Wachstum handelt. Zudem ist bei Dividenden die Nachhaltigkeit wichtig. Und hier ist bei einigen China-Mobile-Konkurrenten Vorsicht angebracht, schieben diese doch enorme Schuldenberge vor sich her, während die Chinesen über eine prall gefüllte Kasse verfügen.

Steigt der Ertrag pro Kunde wieder?
Trotz der beeindruckenden Bilanzstärke hat China Mobile aber ein Problem: Die Erträge pro Kunde sinken. Hatte der Te­lekom-Riese 2013 noch 68 Yuan an jedem Nutzer verdient, waren es 2014 nur noch 61 Yuan (knapp neun Euro). Hauptgrund für diese Entwicklung ist neben rückläufigen Einnahmen aus Einzelgesprächen vor allem der starke Rückgang bei Erträgen durch Kurznachrichten. Nahm China Mobile über Jahre hinweg Milliarden dadurch ein, dass die Kunden sich fleißig SMS zuschickten, setzen auch in China Millionen von Menschen nun verstärkt auf andere Dienste wie etwa WhatsApp oder WeChat.
Dieses Phänomen ist nicht neu und China Mobile steht dieser Entwicklung auch längst nicht handlungsunfähig gegenüber. Denn nachdem man sich Ende 2013 endlich mit Apple auf eine Zusammenarbeit einigen konnte, steigt auch die Zahl der China-Mobile-Kunden mit iPhones. Diese bescheren dem Konzern vor allem durch das Surfen im Netz meist deutlich höhere Erträge als die restliche Kunden.

Zudem ist auch 4G stark im Kommen. Diese Nachfolgegeneration des aktuellen Mo­bilfunkstandards 3G bietet den Nutzern deutlich höhere Datenraten. Von den Kunden werden China Mobiles 4G-Angebote dankbar angenommen. Die Kundenzahlen hierfür explodierten in den vergangenen Monaten: von drei auf 190 Millionen! Und die stattliche Zahl von 190 4G-Nutzern entspricht aber noch nicht einmal einem Viertel aller China-Mobile-Kunden. Weiteres Wachstumspotenzial ist also noch reichlich vorhanden – mit leicht erkennbaren Auswirkungen.

So hat sich das Datenvolumen der Konzernkunden bereits 2014 mehr als verdoppelt. Die Einnahmen für die Datenpakete konnten damit um mehr als 40 Prozent gesteigert werden. Auch für das erste Halbjahr des laufenden Kalenderjahres wird mit satten Zuwächsen ge­rechnet. Die Chancen, dass China Mobile es schafft, dass die Erträge pro Kunde trotz Konkurrenz durch Messaging-Dienste nicht mehr sinken beziehungsweise in Zukunft sogar wieder deutlich steigen, stehen damit gut.

Fast 20 Prozent Aufwärtspotenzial
Die meisten Analysten rechnen zukünftig wieder deutlich mit steigenden Ge­winnen bei China Mobile. Kein Wunder, dass das Gros der Experten für die Aktie sehr positiv gestimmt ist. So raten aktuell 24 der 38 Experten, die sich regelmäßig mit den Anteilen des weltgrößten Telekommunikationsdienstleisters befassen, zum Einstieg. Zehn Analysten stufen die Papiere mit Halten ein, nur vier raten zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel beläuft sich auf 117 Hongkong-Dollar, was fast 20 Prozent über dem aktuellen Kursniveau liegt.

Hervorragende Einstiegschance
China Mobile ist auf einem guten Weg, die Erträge pro Kunde wieder zu steigern. Gepaart mit der stetig steigenden Kundenzahl dürften dadurch Umsatz und Gewinn künftig kräftig zulegen. Angesichts dieser guten Aussichten, der hervorragenden Marktstellung und der mehr als starken Bilanz ist das Bewertungsniveau sehr niedrig. Langfristig orientierte Anleger sollten daher die jüngste Korrektur nutzen.

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