Cancom IT Systeme
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Cancom: Investoren stehen Schlange

Während in Deutschland darüber diskutiert wird, ob Aktien mit einer Bewertung von einem 23- bis 25-fachen des Jahresergebnisses günstig sind, scheuen sich amerikanische Investoren nicht, in solche Wachstumsaktien zu investieren. Davon profitiert Cancom in überdurchschnittlichem Umfang. So hat sich zuletzt allein Threadneedle Investment mit drei unterschiedlichen Fonds mit jeweils über drei Prozent bei Cancom eingekauft. Weitere Investoren stehen vor der Tür. DER AKTIONÄR traf Vorstandschef Klaus Weinmann zum Interview.

DER AKTIONÄR: Herr Weinmann, Sie haben im letzten Jahr wieder einmal alle Rekorde gebrochen, in dem Sie die EBITDA-Marge von 5,0 auf 5,4 Prozent erhöhen konnten und allein im vierten Quartal 2013 den vorläufigen Konzernumsatz von 151,3 Mio. auf 196 Mio. Euro steigern konnten. Wie stehen die Wachstumschancen für das laufende Jahr?

Klaus Weinmann: Wir können natürlich Umsatz- und Ergebniswachstum auch nicht aus dem Hut zaubern. Aber wir sind sicher, dass wir in der richtigen Branche zu Hause sind und dass das Cloud-Geschäft nicht nur das Tüpfelchen auf dem i darstellt.

Können Sie bestätigen, dass ab 2014 Ihr Cloud-Geschäft in einem Segment geführt wird?

Ja, um unser Geschäft mehr transparenter zu machen, werden wir dies erstmals im Rahmen des kommenden Quartalsberichts umsetzen. Dies erhöht nicht nur die Transparenz für unser Geschäftsmodell, sondern wird auch zeigen, wo die aktuellen Wachstumstreiber liegen.

Zum Eigenkapitalforum 2013 im November haben Sie einige konkrete Kundenprojekte genannt, bei denen die Investoren nachvollziehen konnten, dass im Cloud-Geschäft große Kunden betreut werden. Hat sich diese positive Geschäftsentwicklung in den letzten Monaten weiter fortgesetzt?

Das Cloud Geschäft läuft nach wie vor gut. Das Interesse der Kunden ist sehr hoch und wir haben zwischenzeitlich eine stabile Pipeline, die eine längerfristige Auslastung sichert. Der Zuwachs im Cloud Geschäft steht bei uns an erster Stelle und diese Strategie werden wir auch in Zukunft beibehalten. Die Claims im Cloud Umfeld werden jetzt gesteckt, der IT Markt wird teilweise neu verteilt und es kommt jetzt darauf an, so viel Marktanteil wie möglich zu gewinnen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Integration von Pironet?

An verschiedenen Stellen in Deutschland wird gesagt, dass wir Pironet viel zu teuer gekauft haben. Unsere UK und US Investoren, die wir im Rahmen unserer Roadshows sehen, sprechen genau vom Gegenteil. Da Amerika weit fortgeschrittener im Cloud-Geschäft ist als wir in Deutschland, vertrauen wir in erster Linie auf deren Urteil.

Sie sind also nicht verängstigt, dass demnächst der Kurs von CANCOM in sich zusammenfallen könnte?

Nein, das sehen wir nicht. Bei uns haben sich in den letzten Wochen namhafte Investoren in verstärktem Umfang eingekauft und weitere werden nach unserer Einschätzung aus dem Ausland folgen. Wir sehen uns in deren Interesse durchaus bestätigt und freuen uns sehr darüber. Uns ist daran gelegen, mit einer breiten Aktionärsstruktur aufgestellt zu sein und Investoren, die unser Geschäftsmodell verstehen und unser Wachstum unterstützen sind uns jederzeit herzlich willkommen.

Aber Sie kennen doch das tückische Verhalten der angloamerikanischen Investoren?

Ja, natürlich sehen wir die Risiken, den Fokus unserer IR-Arbeit rein auf die USA und England zu richten. Das wollen wir nicht und werden wir auch nicht tun. Aber im Sinne unseres Shareholder Value ist es von Vorteil, wenn wir auf diese Investoren ein nachhaltiges Augenmerk legen.

Wie sieht es mit neuem Researchmaterial aus?

Wir gehen davon aus, dass in naher Zukunft neue Analysen kommen werden, die das Wachstum im Kurs unterstützen werden. Wir sehen im Moment eine Beschleunigung des Trends zur Private Cloud und keinen Abbruch. Sie brauchen sich nur anschauen, was IBM für Softlayer bezahlt hat und dass gleichzeitig ein Teil des Legacy Geschäftes verkauft wurde. Auch SAP beschleunigt das Wachstum in der Cloud und in den USA entstehen komplett neue Börsengiganten, die vor einem Jahr noch niemand gekannt hat. Das zunehmende Interesse aus UK und USA an uns führt dazu, dass wir auch seitens der Analysten viele neue Kontakte bekommen.

Herr Weinmann, besten Dank für das Gespräch.

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