Royal Dutch Shell B
- Thorsten Küfner - Redakteur

BP, OMV, Rosneft, Shell oder Petrobras? Wo Anleger jetzt günstig einsteigen können

Der Ölpreis ist innerhalb der vergangenen Monate dramatisch abgestürzt. Grund hierfür ist das enorme Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt. Doch dieses dürfte in einigen Monaten Geschichte sein. Mutige Anleger positionieren sich bereits jetzt bei den Top-Unternehmen des Energiesektors.

Innerhalb von nur wenigen Monaten hat sich der Preis für Rohöl mehr als halbiert. Neben der Tatsache, dass das OPEC-Schwergewicht Saudi-Arabien gegen ein Eingreifen des Kartells ist, sorgt vor allem die stetig wachsende Förderung in den USA für ein Überangebot auf dem Weltmarkt. Hauptgrund hierfür ist das ökologisch umstrittene Fracking. Laut einer Studie der Société Générale steigt dadurch im ersten Quartal das Angebot auf 94,0 Millionen Barrel pro Tag, während die Nachfrage relativ konstant bei 92,4 Millionen Barrel liegt.

Wie lange lohnt sich Fracking noch?
Doch eines ist klar: Auf dem aktuellen Preisniveau lohnt sich Fracking kaum noch. Der Großteil der Produzenten ist nicht in der Lage, die aufwendigen Bohrungen bei Preisen von weniger als 50 Dollar kostendeckend durchzuführen. Spätestens ab 40 Dollar dürfte kein Projekt mehr Gewinne abwerfen.
Allerdings bedeutet dies noch längst nicht, dass nun sämtliche Fracking-Aktivitäten eingestellt werden. Schließlich haben sich einige Produzenten durch Kontrakte mit höheren Lieferpreisen abgesichert. Daher produzieren viele Firmen trotz der niedrigen Preise vorerst weiter. Sie haben bereits die Ausrüstung und das Land erworben – und werden es ausbeuten, solange der Ölpreis wenigstens noch hoch genug ist, um die restlichen Kosten für Material (unter anderem Wasser, Sand und Chemikalien) sowie die Löhne der Arbeiter zu decken. Zumal ein kompletter Bohrstopp sowie eine – bei höheren Preisen erfolgende – Wiederaufnahme der Arbeiten noch höhere Kosten bedeuten würde.
Dennoch ziehen viele die Reißleine. So ist die Zahl der aktiven US-Bohrlöcher in zehn der vergangenen 13 Wochen gesunken. Laut Ölfeld-Dienstleister Baker Hughes waren es in der ersten Woche 2015 sogar 62 weniger – der stärkste Rückgang seit dem Jahr 1991. Zudem halten sich die Ölförderer bei der Erschließung neuer Schieferöl-Vorkommen stark zurück. Dies dürfte dazu führen, dass das Überangebot am Ölmarkt in den kommenden Monaten abgebaut wird. Zwar dürften die ohnehin bereits sehr gut gefüllten Lager bis dahin noch weiter anschwellen, dennoch müsste eigentlich spätestens dann der Ölpreis einen Boden ausbilden.

Chevron: Der sichere Hafen
Spätestens dann – wahrscheinlich sogar schon früher – sollten auch die Aktien der Energieriesen wieder anziehen. Bereits in den vergangenen Wochen zeigten die Aktien im Vergleich zum Rohstoff relative Stärke. Einer der sichersten Titel im Ölsektor ist ganz klar Chevron. Der drittgrößte westliche Energiekonzern ist selbst bei Preisen unter 40 Dollar noch in der Lage, hochprofitabel zu wirtschaften. Unter den großen Energiekonzernen verfügt zudem keiner über niedrigere Kosten als die Amerikaner. Ein weiteres großes Plus: Chevron hat in den vergangenen Jahren wesentlich mehr neue Vorkommen entdeckt als ausgebeutet. Mit einem Reserve-Replacement-Ratio von 120 Prozent steht Chev­ron auch in diesem Punkt unter den Ölmultis am besten da. Zudem zählt der Konzern zu den sogenannten Dividendenaristokraten. Denn Chevron hat seit 27 Jahren die Dividende kontinuierlich angehoben. Aktuell beläuft sich die Rendite auf 4,0 Prozent.

Russisches Schnäppchen für Mutige
Mutige Anleger können indes auch ein Auge auf Luk­oil werfen. Der russische Ölriese hat anders als der halbstaatliche Konkurrent Rosneft eine weniger enge Bindung an den Kreml und vor allem eine weitaus solidere Bilanz. So beläuft sich Lukoils Nettoverschuldung aktuell nur auf 8,8 Milliarden Dollar. Dies ist angesichts für 2015 erwarteter Umsatzerlöse von 102 Milliarden Dollar und eines operativen Gewinns von 18,7 Milliarden Dollar absolut beherrschbar. Darüber hinaus ist die Bewertung mit einem 2015er-KGV von 5 und einem KBV von 0,4 sehr niedrig. Wer bereit ist, das politische sowie das Währungsrisiko einzugehen, könnte im Falle einer Bodenbildung des Ölpreises an der Lukoil-Aktie in den kommenden Jahren viel Freude haben.

Chance höher als Risiko
Auch wenn die aktuelle Lage für den Ölpreis trüb ist, dürften mittlerweile die Chancen die Risiken übersteigen. Wer direkt auf das Öl-Comeback spekulieren will, kann sich den Brent-Öl-Tracker aus dem Derivate-Depot (Seite 43) ins Depot legen. Konservative Anleger setzen auf Chevron oder Royal Dutch Shell (mehr dazu lesen Sie hier), mutige auf Lukoil.

 

 

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