BMW
- Jochen Kauper - Redakteur

BMW-Aktie: Elektrische Offensive

Zugegeben, der i3 ist ein Hingucker, ein kleine Revolution in der Autobranche. Von Grund auf als Elektroauto aufgebaut und dennoch ohne Kompromisse: Mit wuchtigen Rädern versehen, 170 PS unter der Haube, 140 Km Reichweite und einer Karosserie aus Carbon, um Gewicht zu sparen. "Jetzt gilt Vorsprung durch Technik nicht mehr in Ingolstadt, sondern ist in München zu Hause. Es ist mutig, was BMW macht. Aber ich bin davon überzeugt, es ist auch richtig", sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer.


Hohes Risiko
BMW geht in Vorleistung. Mit über zwei Milliarden Euro. So viel hat der Premium-Autobauer nämlich in sein Elektroprojekt, den i3 gesteckt. Und niemand weiß genau zu sagen, wann der Markt für Elektroautos richtig ins laufen kommt. Sicher, Kanzlerin Angela Merkel wird nicht müde immer und immer wieder zu betonen, dass in Deutschland im Jahr 2020 rund eine Millionen Elektroautos auf Deutschlands Strassen flitzen sollen. Von diesem Ziel ist man noch meilenweit entfernt. Im Jahr 2012 wurden nur 3.438 Elektroautos neu zugelassne. Insgesamt flitzen rund 7.500 Stromer auf Deutschlands Straßen umher. 


Andere Strategie
Das alles könnte BMW das hervorragende Image kosten. Denn: Wer soll diesen Stromer für 40.000 Euro überhaupt kaufen? Wird der Elektroflitzer i3 gar ein Flop und ist es überhaupt die richtige Strategie die BMW eingeschlagen hat? Reithofer hat mit BMW einen völlig anderen Weg eingeschlagen wie VW oder Daimler. Zum Vergleich: VW steckt seinen Elektroantrieb in den bereits erprobten VW up, setzt einfach ein ¿e¿ in den Schriftzug und schon haben Winterkorn und Co einen Elektroflitzer im Portfolio. Daimler hat den smart kurzerhand zum Elektroauto umgebaut. Die Elektro-B-Klasse kommt im Frühjahr in den USA auf den Markt, Erst Ende 2014 kommt der Stromer auf den deutschen Markt. Dennoch, Reithofer ist der Konkurrenz vorerst weit davongeeilt. "Audi hinkt nicht nur beim Elektroauto hinterher. Das gesamte Feld Leichtbau geht mit dem i3 an BMW. Bei Daimler sieht es anders aus. Einerseits ist man mit dem Smart EV und Batterietechnik aus dem  Joint Venture mit Evonik mit Hochleistungstechnik unterwegs. Zum zweiten gewinnt Daimler auch durch seine Zusammenarbeit mit Renault-Nissan, die ja Marktführer bei Elektroautos sind" ergänzt Dudenhöffer. Die Strategie von BMW könnte also aufgehen. Zielmärkte des i3 sind ohnehin Megacitys wie Shanghai, New York oder Delhi, nicht unbedingt also Hamburg oder München. Denn: Große Städte in China haben zwischen 12 und 24 Millionen Einwohner. Da bekommt ein Auto wie ein i3 eine enorme Bedeutung, gerade wenn es in ein Mobilitätskonzept mit anderen Verkehrsmitteln eingebunden ist. 

Der Konkurrenz voraus
Der i3 könnte also  genau zur richtigen Zeit kommen. Das Produkt Auto befindet sich im Wandel. Technisch sind die Fahrzeuge der Premiumhersteller zu einem großen Teil austauschbar. Der Kauf wird oftmals über die emotionale Schiene entschieden. Und genau darauf setzt BMW. Reithofer trifft den Nerv der Zeit. "Mit einem sehr auf  Lifestyle-Faktoren setzenden Auto wie dem i3, dürfte man sicherlich erfolgreich sein, wenn sich die E-Mobilität bald durchsetzen sollte", sagt Analyst Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe. Damit nicht genug: Geht es nach dem britischen Automagazin WhatCar?, könnte BMW wohl bald sogar den i5 als Konkurrenzmodel zu Teslas Model S ins Rennen schicken. Der i5 würde die Lücke zwischen dem Stromer i3 und dem Hybridsportwagen i8 schließen.




In Wachstumsmärkten glänzen
Die Pipeline von BMW ist ohnehin gut gefüllt. Für die Zukunft sind Reithofer und sein Team gut aufgestellt. Die Aktie bleibt interessant. Kursziel: 100 Euro.



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