- Andreas Deutsch - Redakteur

Bijou Brigitte: Der tiefe Fall einer Legende

Die Aktie des einstigen Highflyers Bijou Brigitte notiert auf dem tiefsten Stand seit zwölf Jahren. Der Grund: die schwachen Zahlen für das vergangene Quartal. Wie will der Schmuckhändler aus der Krise herauskommen?

Es gab Zeiten, da wollte jeder Anleger Bijou-Brigitte-Aktien haben. Ende der 90er Jahre fing der Boom an, er zog sich bis 2006. Kaum eine Aktie in ganz Europa entwickelte sich so stark wie die Aktie des Schmuckhändlers: Von 1999 bis 2006 legte der Titel 4.900 Prozent zu.

Doch seitdem hat Bijou Brigitte ihren Glanz verloren. Die Performance seit dem Hoch ist katastrophal: In den zwölf Jahren hat die Aktie 84 Prozent verloren. Das entspricht einem jährlichen Rückgang von 13,7 Prozent.

Selbst wenn man die traditionell üppigen Dividenden reinvestiert hätte, wäre der Verlust mit Bijou Brigitte ausgesprochen schmerzhaft: Das Minus seit 2006 beläuft sich so auf 50 Prozent.

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Im ersten Halbjahr ging der Umsatz nach vorläufigen Zahlen um 2,1 Prozent auf 146 Millionen Euro zurück. An der Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr hält der Vorstand fest. Erwartet werden Erlöse zwischen 315 und 330 Millionen Euro und ein Konzernergebnis vor Steuern zwischen 20 und 30 Millionen Euro.

Null-Wachstum gefällt keinem Aktionär. Die Börse erwartet Antworten, wie der Vorstand in Zeiten von E-Commerce an alte Zeiten anknüpfen möchte. DER AKTIONÄR hat nachgefragt. Unter anderem will das Management das Filialnetz um unprofitable Filialen bereinigen, um die Standortqualität weiter zu verbessern. Zudem sollen neue Ladenbaukonzepte entwickelt und die bestehenden Filialen modernisiert werden. Darüber hinaus sollen die Online-Aktivitäten ausgebaut werden. Nach Angaben des Unternehmens ist der Onlineumsatz im Vergleich zum Konzernumsatz noch nicht relevant, „wächst aber kontinuierlich weiter“.

So weit, so gut. Doch vielen Investoren schmeckt eine andere Sache überhaupt nicht: Bijou Brigitte hortet schon lange einen Haufen Cash – genauer gesagt: 145 Millionen Euro – und weiß damit derzeit anzufangen. Eine Sonderdividende wäre eine Möglichkeit oder ein Zukauf. Passiert ist bislang nichts. Es gebe keinen geeigneten Akquise-Kandidaten, generell sei der Konzern aber nicht abgeneigt, eine solche Investition zu tätigen, heißt es von Firmenseite.

Abwärtstrend intakt

Cashbereinigt kommt Bijou Brigitte auf ein KGV von 10, die Dividendenrendite liegt bei sieben Prozent. Das ist ohne Frage günstig – aber das reicht nicht. Ein Boost für die Aktie – zumindest kurzfristig – könnte eine Sonderdividende sein. Top wäre eine Strategie, um vor allem junge Kunden in den Bijou-Online-Shop zu locken und so etwas wie das Zalando für Modeschmuck zu werden. Bis es so weit ist, heißt es für Börsianer: kein Kauf!

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