Baidu
- Benedikt Kaufmann

Baidu: Ein Riesenproblem für Anleger – da helfen auch keine starken Q-Zahlen

Wer schon lange bei Baidu investiert ist, kann sich über Kursgewinne freuen. Wer in den vergangenen Jahren Aktien des Suchmaschinen-Konzerns gekauft hat, sitzt wahrscheinlich auf einem Verlust. Allein seit dem Mai-Hoch verlor die Aktie in der Spitze über 45 Prozent. Klar ist: Baidu hat ein Riesenproblem und auch die Q-Zahlen dürften hier keine Abhilfe schaffen.

Das Riesenproblem mit der Wahrnehmung

Nicht nur der Handelskonflikt setzte der Aktie von Baidu im vergangenen Jahr deutlich zu, sondern auch die öffentlichen Wahrnehmung seines Kernprodukts, der Suchmaschine.

So hat die chinesische Regierung die Angebote des chinesischen Internet-Konzerns weiter unter Beobachtung. Der Vorwurf: Die News-Angebote von Baidu verbreiten Fake-News und vulgäre Inhalte. Anfang des Jahres musste Baidu daher für eine Woche einige Nachrichten-Angebote vom Netz nehmen. Zudem betrachtet die Bevölkerung die Ergebnisse der Baidu-Suche als wenig objektiv, da über die Suchfunktion hauptsächlich auf eigene Angebote hingewiesen wird.

Eine attraktive Lücke in die auch Konkurrenten gerne vorstoßen möchten. Zwar ist die Google-Rückkehr wegen Zensur-Kritik aus dem Westen vorerst abgeblasen, doch andere machen sich bereit. So drängt Microsoft Bing auf den Markt (aufgrund des Handelsstreits aktuell geblockt) und Tencent hat für WeChat eine Art Social-Suche für News und Mitteilungen von Freunden eingeführt.

Was bedeutet das Problem für Anleger?

Anleger sollten sich bewusst sein, dass dies kein kleines Problem ist, sondern eins, dass das gesamte Baidu-Werbe-Ökosystem empfindlich stören kann. Bereits 2016 hatte die Suchmaschine mit einem massiven PR-Problem zu kämpfen, nachdem ein Student aufgrund der Einnahme eines auf Baidu beworbenen Medikamentes verstarb. Die Regierung wurde kurzerhand tätig und verbot Medikamenten-Werbung – Baidus Umsatz und Aktienkurs sanken daraufhin massiv.

Anleger sollten sich aber nicht zu sehr verunsichern lassen, denn die Kritik an Baidu ist nichts Neues (siehe auch die Kursentwicklung seit 2015). Trotz des andauernden gesellschaftlichen Unmutes bleibt Baidu mit 70 Prozent des Suchmaschinen-Marktes mangels Konkurrenz unangefochtener Marktführer. Nach dem Aufschrei 2016 wurde das Geschäft zudem differenziert und ein Fokus auf andere Segmente wie Cloud-Infrastruktur oder Autonomes Fahren gelegt. Online-Werbung macht aktuell nur noch 80 Prozent der Erlöse aus.

Attraktive Bewertung und Chancen im Aufwärtstrend

Angesichts der Tragweite der Problematik dürften die Quartalszahlen am 21.Februar kaum Abhilfe schaffen. Dennoch lässt die attraktive Bewertung mit einem 19er-KGV von 17 durchaus Luft für eine Gegenbewegung der Aktie – insbesondere nach einer positiven Zahlenreaktion. Langfristig ist der Konzern dank der fortschreitenden Differenzierung gut aufgestellt. DER AKTIONÄR empfiehlt dem frischen Aufwärtstrend zu folgen. Nächstes Ziel: 90-Tage-Linie bei 178,20 Dollar.

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