DAX
- Andreas Deutsch - Redakteur

Angst vor dem Grexit: Das müssen Sie jetzt im Griechen-Drama wissen

Den Griechen bleiben noch knapp vier Tage, um neue Reformvorschläge vorzulegen. Sollten sie die Geldgeber nicht zufrieden sein, wird es eng für Griechenland, sehr eng. Dann wird der Grexit sehr wahrscheinlich. Und was passiert dann?

Muss Griechenland im Falle einer Pleite aus dem Euroraum austreten? Nein. In den EU-Verträgen ist der Austritt eines Landes aus dem gemeinsamen Währungsraum mit seinen derzeit 19 Mitgliedstaaten nicht vorgesehen. Die Europäische Währungsunion ist eigentlich auf ewig angelegt. Doch die Kassen des griechischen Staates sind im Grunde leer, ohne frische Hilfsmilliarden kommt das Land nach einhelliger Einschätzung von Ökonomen nicht wieder auf die Beine.

Was passiert, wenn Griechenland pleite ist? Dann könnte Griechenland zunächst Euroland bleiben. Wie lange, dafür gibt es keine Regeln. Allerdings wäre das Land gezwungen, Geld in einer eigenen Währung auszugeben. Wenn Athen die Euros ausgehen, könnte die Regierung einen Teil der Staatsausgaben über eine Parallelwährung finanzieren. Der griechische Staat könnte seinen Angestellten und Rentnern einen Teil ihrer Bezüge in Schuldscheinen auszahlen. Werden solche Papiere im Laden um die Ecke als Zahlungsmittel akzeptiert, könnte das zumindest vorübergehend funktionieren.

Ist eine Parallelwährung eine Dauerlösung? Lange dürfte die Wirtschaft des Landes das nicht durchhalten: Denn die EZB wäre spätestens im Fall einer offiziell festgestellten Staatspleite gezwungen, ihre Nothilfen (Ela) an griechische Banken einzustellen. Damit wäre das griechische Bankensystem pleite und das Land vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten. Neue griechische Schuldscheine könnten rasch an Wert verlieren, Athen müsste dann immer mehr solcher Papiere drucken. Der wirtschaftliche Verfall Griechenlands würde sich verschärfen.

Ist es dann nicht besser, Griechenland führt die Drachme wieder ein? Würde Griechenland statt des harten Euro wieder eine weiche Drachme einführen, könnte die heimische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung ihre Produkte viel günstiger anbieten. Heimische Produkte würden stärker nachgefragt, Importe teurer werden. Da die neue Drachme wohl rasch abwerten würde, käme es vermutlich schon nach ein, zwei Jahren wieder zu einem kräftigen Wirtschaftsaufschwung, weil weniger Importware gekauft und der Tourismus belebt würde, schätzt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Wie schnell könnte die Drachme wieder eingeführt werden? Das dürfte Monate dauern - allein deshalb, weil die neuen Scheine erst gedruckt und in Umlauf gebracht werden müssten.

Wie könnte ein Grexit konkret ablaufen? Für einen Grexit gibt es keine Regeln. Um dies einigermaßen geordnet über die Bühne zu bekommen, bräuchte es eine Vereinbarung zwischen Athen und den Europartnern. Allerdings wäre dies zugleich das Eingeständnis, dass das politische Projekt der europäischen Integration bei seinem schwächsten Glied gescheitert ist. Selbst bei einem Austritt aus dem Euro bliebe Griechenland höchstwahrscheinlich in der Europäischen Union

Was würde ein Grexit kosten? Commerzbank -Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet vor: Im Falle eines Euro-Austritts Griechenlands wären etwa 350 Milliarden Euro in Gefahr, wenn auch nicht auf einen Schlag: "Richtig ist, dass Griechenland den anderen Euro-Ländern direkt oder indirekt sehr viel Geld schuldet." Größter Gläubiger ist der Euro-Rettungsfonds EFSF mit 130,9 Milliarden Euro. Die direkten bilateralen Kredite der anderen Euroländer summieren sich auf 52,9 Milliarden Euro. Dazu kommen Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Verbindlichkeiten gegenüber der EZB.

Um wie viel Geld der deutschen Steuerzahler geht es? Das Risiko Deutschlands beläuft sich schätzungsweise auf etwa 80 Milliarden bis 90 Milliarden Euro. Deutschlands Staatskasse würde allerdings nicht sofort belastet: Die meisten Kredite sind erst ab dem Jahr 2020 fällig.

Wären deutsche Banken von Staatspleite und Grexit betroffen? Die direkten Gefahren wären gering. Ende 2014 hatten die Institute nach Berechnungen der Bundesbank in Griechenland noch 2,4 Milliarden Euro verliehen. Staatsanleihen des Landes halten sie seit dem Schuldenschnitt vom Frühjahr 2012 kaum noch. Damals mussten die Banken auf rund die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Seitdem fuhren sie ihre Investitionen in griechische Staatstitel systematisch zurück.

(Mit Material von dpa-AFX)

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Maximilian Völkl | 0 Kommentare

DAX: Die Bullen schlagen zurück

Am Dienstag startet der DAX erneut einen Erholungsversuch. Während Nordkorea und das Polit-Chaos um Donald Trump weiter für Unsicherheit sorgen, rückt die Jackson-Hole-Konferenz, bei der ab Donnerstag wichtige Notenbanker zusammenkommen, vermehrt in den Fokus. Die Entwicklung der Geldpolitik dürfte … mehr
| DER AKTIONÄR | 0 Kommentare

Kaufen oder verkaufen? Der große DAX-Check! Alle 30 Aktien neu bewertet +++ Bitcoin-Irrsinn: 300% in 6 Monaten +++ Durchstarten: Wer profitiert von Air-Berlin-Insolvenz? +++ Auch im Heft: Amazon, Alibaba, Netflix, Tesla

Der DAX hat es nicht leicht in diesem Jahr. Zwar liegt er mit rund sechs Prozent im Plus, aber seit Mitte Juni hat der deutsche Leitindex spürbar nachgegeben. Neben den geopolitischen Risiken liegt das vor allem an der schwachen Entwicklung einiger wichtiger Indexmitglieder. Wie geht es weiter? Um … mehr