Gerry Weber
- Michael Schröder - Redakteur

Achtung, Zockeralarm: +20% bei Gerry Weber - geht da noch mehr?

Der kriselnde Modehändler Gerry Weber kommt nicht aus den Schlagzeilen. Aufgrund der desaströsen operativen Entwicklung wurde vor Kurzem ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben. Nun dreht sich das Personalkarussell: Künftig wird kein Familienmitglied mehr im Vorstand im sitzen. Die Aktie ist derweil zum Spielball von Zockern geworden.

Der Aufsichtsrat von Gerry Weber hat einen „umfassenden Umbau des Vorstands zur forcierten Neuausrichtung des Unternehmens“ beschlossen: Der noch vor kurzem das operative Geschäft führende Firmen-Mitgründer Gerhard Weber zieht sich beim gleichnamigen Modekonzern ganz zurück. Sein Sohn Ralf Weber, der ihn erst Anfang 2015 als Vorstandschef abgelöst hatte, hat künftig weniger im Tagesgeschäft zu sagen und wechselt in den Aufsichtsrat. Zudem zieht ein auf die Sanierung von Unternehmen spezialisierter Experte in das Management ein. Im operativen Geschäft hat künftig Johannes Ehling, der bisher im Vorstand den Verkauf und die Digitalaktivitäten verantwortet, das Ruder in der Hand. Weiter offen ist die Position des Finanzvorstands.

Zur Erinnerung: Der Modehändler kämpft derzeit an vielen Fronten – unter anderem mit einem schwachen Digitalgeschäft, einer schlechten Positionierung der Marken sowie starker Konkurrenz. Das Unternehmen hatte erst vor wenigen Tagen ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben – und damit die Talfahrt der Aktie noch einmal erheblich beschleunigt. Im Tief rutschte der Kurs auf 2,69 Euro. So billig war das Papier seit 2003 nicht mehr.

Der Vorstandsumbau kommt dagegen gut an und sorgt für ein dynamisches Comeback der Aktie. Aber: Die enge Verknüpfung der Familie Weber mit dem Tagesgeschäft hat in der Vergangenheit radikaleren Reformen verhindert. Nun ist der Weg für eine Sanierung zwar geebnet, ob und ab wann diese Früchte trägt, ist allerdings fraglich. Angesichts der enormen Herausforderungen bleiben konservative Anleger vorerst an der Seitenlinie. Für kurzfristig orientierte und vor allem erfahrene Trader ist die extrem volatile Aktie dagegen ein gefundenes Fressen. Eine Rallye in Richtung 3,75 Euro ist möglich, unter 2,50 Euro droht dagegen eine Fortsetzung des Ausverkaufs.

 

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