Volkswagen
- Andreas Deutsch - Redakteur

"VW ist bei E-Autos ganz gut aufgestellt"

Dem Diesel-Skandal zum Trotz: Hendrik Leber schreibt den Wolfsburger Traditionskonzern nicht ab. Im Interview mit dem AKTIONÄR spricht der Fondsmanager zudem über seinen neuen Fonds, Tesla und eine baldige Korrektur.

DER AKTIONÄR: Herr Leber, haben Sie in Zukunft sehr viel Freizeit?

HENDRIK LEBER: Sie meinen, der Computer übernimmt bald meinen Job? Schauen wir mal, wie sich das alles so entwickelt. Vielleicht nehme ich ja die besten Ideen des Computers für den Acatis Aktien Global. Top-Schachspieler verbessern ihr Spiel ja auch mithilfe von Rechnern. Ich bin für alles offen.

Wie genau funktioniert der Acatis AI Global Equities?

Wir nutzen bei dem Fonds die Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz. Die Vorgaben und die Daten für die Investmentstrategie stammen von Acatis. Die darauf aufbauende Aktienauswahl, -gewichtung und -umschichtung basieren auf sogenannten Deep-Learning-Modellen, die inspiriert sind durch die Funktionsweise des menschlichen Gehirns.

Das Deep-Learning-Modell ist selbstlernend, es passt sich in der Zeit dem Marktumfeld an. Wir füttern den Computer mit Rohdaten, aus denen er Zusammenhänge berechnet. Die Daten stammen aus unserer umfangreichen Unternehmensdatenbank, die wir seit 15 Jahren aufbauen und stetig erweitern. Die Daten umfassen unter anderem EBIT, Gewinn und Umsatz.

Was genau macht der Computer mit den Daten?

Er stellt nach einer Vorauswahl in der Portfoliokonstruktion Zufallsportfolios zusammen und überprüft, welche die beste Zusammenstellung gewesen wären. Das macht er millionenfach. Man kann sich das wie beim Fußball vorstellen: Ein Jogi-Löw-Computer sucht die besten Spieler aus der Bundesliga für die Nationalmannschaft, indem er die Spieler aller 18 Vereine gegeneinander spielen lässt – und zwar immer in verschiedenen Aufstellungen. Am Ende hat er die perfekte Nationalmannschaft gefunden.

Herr Leber, sprechen wir über den Markt. Viele Experten warnen vor einer neuen Tech-Blase. Die Fang-Aktien seien fällig für eine Korrektur und könnten den Markt nach unten reißen. Ihre Einschätzung?

Eine Korrektur im Sommer ist wahrscheinlich. Wir haben einige Krisenherde: Katar, Türkei, Nordkorea. Das wird spannend. Außerdem gibt es immer eine Korrektur, wenn ich im Urlaub bin. Gott sei Dank fahre ich dieses Mal nur kurz fort.

Was die Tech-Aktien angeht: Eine Amazon ist zwar teuer, genau wie eine Facebook. Trotzdem sind die Geschäftsmodelle wirklich gut. Amazon macht ein neues Geschäftsfeld nach dem anderen auf, Facebook hat über zwei Milliarden Kunden – da ist noch sehr viel Wachstum möglich. Auch Apple gefällt mir gut. Nein, eine Tech-Bubble sehe ich eigentlich nicht.

Was halten Sie von Tesla?

Von Tesla lasse ich die Finger, die ist mir zu teuer. Ich setze lieber auf die chinesische Build Your Dreams (BYD). Elon Musk ist für mich eher der Wegbereiter in Sachen E-Mobilität. Das große Geschäft machen andere, BYD oder auch Geely.

Und was passiert mit den deutschen Autoherstellern? Bleiben die alle auf der Strecke?

Keine Frage, die werden es sehr schwer haben. Auch die Zulieferer. Wahrscheinlich werden in Deutschland ganze Industrie-Landstriche verschwinden.

Wer hat denn hierzulande eine Chance?

Volkswagen sehe ich in Sachen E-Auto ganz gut aufgestellt. Continental ebenfalls, denn auch E-Autos brauchen ja weiterhin Bremssysteme, Airbags und Reifen. Und natürlich Infineon. Der Halbleiterhersteller hat fast alles, was ein E-Auto braucht. Aber das große Geschäft wird in China gemacht. Die Chinesen überschwemmen den Markt mit Batterien, was dazu führt, dass die Preise für Batterien rapide sinken. In allen Bereichen ist das E-Auto schon günstiger: Anschaffungskosten (ohne Batterie), laufende Wartung, Verbrauch, nur die Batterie ist noch teuer. Sobald sich das ändert, und das wird es, gibt es für die Kunden keinen Grund mehr, ein Auto mit Verbrennungsmotor zu kaufen.

Vielen Dank für das Interview.

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