Wer dachte, der klassische Aktienmarkt würde den wilden Krypto-Westen zähmen, sah sich am Donnerstag getäuscht. BitGo Holdings, einer der ältesten und größten Krypto-Verwahrer der USA, legte ein Börsendebüt hin, das an die Kurvenverläufe von Bitcoin zu dessen besten (und schlechtesten) Zeiten erinnerte.
Zum Handelsstart kannte die Euphorie keine Grenzen. Unter dem Ticker BTGO schoss das Papier kurz nach der Eröffnungsglocke um satte 36 Prozent nach oben. In der Spitze zahlten Aneger 24,50 Dollar für die Aktie – deutlich über dem Ausgabepreis von 18 Dollar.
Doch die Luft wurde schnell dünn. Während Gewinnmitnahmen einsetzten, bröckelten die Kursgewinne im Laufe des Nachmittags fast vollständig ab. Zum Handelsschluss rettete sich die Aktie mit einem Plus von mageren 2,7 Prozent auf 18,49 Dollar ins Ziel. Auch nachbörslich pendelte der Kurs bei 18,35 Dollar eher seitwärts.
Bewertung hält stand
Trotz der Achterbahnfahrt: Das IPO spülte rund 212,8 Millionen Dollar in die Kassen und zementiert eine Bewertung von über zwei Milliarden Dollar. BitGo ist dabei kein flüchtiges Phänomen, sondern Infrastruktur-Schwergewicht. Gegründet 2013, verwaltet das Unternehmen Assets im Wert von über 100 Milliarden Dollar und bietet institutionellen Kunden alles von Wallet-Infrastruktur bis Settlement-Diensten.
Signalwirkung für die Branche
Der Börsengang markiert das erste große Krypto-Listing des Jahres 2026. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die regulatorischen Daumenschrauben in den USA lockern sich. Erst im Dezember sicherte sich BitGo – flankiert von Branchengrößen wie Circle und Ripple – eine bedingte US-Trust-Bank-Lizenz.
Rivalen wie Anchorage Digital sowie die Börsen Kraken und Bitpanda wägen ebenfalls eigene IPOs im späteren Jahresverlauf ab.
BitGo hat den Sprung an die Wall Street geschafft, doch der sofortige Abverkauf zeigt: Die Anleger trauen dem Frieden noch nicht ganz. Anleger bleiben vorerst an der Seitenlinie.
Heute, 08:49