DAX
- Dennis Riedl

Was bringt die 200-Tage-Linie? Diese Studie gibt Aufschluss

Die Bayer-Aktie befindet sich aktuell 30 Prozent unter ihrer 200-Tage-Linie, Adidas fast exakt darauf und die Deutsche Telekom sogar zehn Prozent darüber. Soweit, so gut – aber sagt das etwas über das zukünftige Potential einer Aktie aus? Diese Studie gibt eine Antwort.

Die 200-Tage-Linie wird oft verwendet, aber selten hinterfragt. Ist sie nun nützlich oder nicht? Die Standard-Strategie lautet ja: „Kaufe, wenn die Aktie ihre 200-Tage-Linie von unten nach oben durchbricht, und verkaufe, wenn sie wieder darunter fällt“. In einer ganzen Video-Reihe hatte ich kürzlich schon einmal dargelegt, dass diese Strategie nicht zu einer Outperformance des Gesamtmarkts führt, aber man hierdurch immerhin niedrigere Drawdowns in Kauf nehmen muss (z.B. hier).

Der Abstand zur 200-Tage-Linie im Test
Vielleicht sieht die Sache allerdings anders aus, wenn man den Abstand zwischen aktuellen Aktienkurs und 200-Tage-Linie betrachtet. Die naheliegende Vermutung wäre: Je besser eine Aktie im Vergleich zu ihrem 200-Tage-Durchschnitt liegt, umso positiver ist der Trend – und umso höher die erwartete Rendite der näheren Zukunft. Andererseits: Ein zu großer, positiver Abstand zur Linie könnte auf eine stark überhitzte Situation hindeuten, was also eher negativ zu werten wäre. Notiert eine Aktie andersherum weit unter ihrer 200-Tage-Linie, so mag sie „überverkauft“ und damit ein günstiges Schnäppchen sein. Kurzum: Wie sieht die Realität aus?
Hierzu habe ich den historischen DAX und MDAX seit dem Jahr 2000 hergenommen und entsprechende Berechnungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigt die folgende Grafik:

 

Starkes Ergebnis – mit einem Haken
Auf der x-Achse ist der Abstand zur 200-Tage-Linie abgetragen, auf der y-Achse die durchschnittliche Performance, die eine Aktie in den darauffolgenden zehn Wochen erzielt hat. Das Ergebnis ist eindeutig: Aktien, die 50 bis 80 Prozent oberhalb ihrer 200-Tage-Linie notieren, haben die beste Renditeerwartung in Bezug auf die nächsten Handelswochen. Nicht kaufen sollte man hingegen Aktien, die bis zu 40 Prozent hierunter liegen. Erst bei extremeren Werten spielt die oben beschriebene Überhitzung (in beide Richtungen) eine Rolle.
Einen „Haken“ hat diese Auswertung: In Phasen wie derzeit gibt es kaum Aktien, die so weit über ihrer 200-Tage-Linie notieren. Aktuell stehen lediglich die Deutsche Telekom, Innogy, Merck, MTU und TAG Immobilien aus dem DAX und MDAX etwa zehn Prozent hierüber. Das sind im Großen und Ganzen auch die aktuellen TSI-Favoriten – Stichwort: relative Stärke. Von den oben erwähnten Aktien bieten sich Adidas und Bayer in dieser Hinsicht also aktuell eher nicht an.

Fazit: Die Analyse zeigt, dass die 200-Tage-Linie sehr wohl bedeutsame Informationen in sich trägt – aber nur, wenn man sie anders nutzt als es die meisten Anleger tun. Dass so wenige Aktien derzeit in günstiger Position liegen, spricht dabei nicht gerade für den Gesamtmarkt in den nächsten Wochen.
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Dr. Dennis Riedl ist professioneller Strategie-Entwickler und Autor der Börsenbriefe „Die Turnaround-Formel“ (+63% seit Feb 2017) und „TSI USA“ (+81% seit März 2016).

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