Volkswagen Vz.
- Jochen Kauper - Redakteur

VW-Aktie: Kampf um die Krone

Rückrufe, Naturkatastrophen und Japans Wirtschaftsflaute: Allen Widrigkeiten zum Trotz sitzt Toyota wieder auf dem Thron der Autowelt. Dort möchte Volkswagen noch hin. Beide sind nah an der Marke von zehn Millionen verkauften Autos pro Jahr. Doch was macht Toyota anders als ihr schärfster Verfolger aus Wolfsburg? Eine Idee konnte man bei der Abendgestaltung vor dem Auftakt des Genfer Auto-Salons bekommen.

Offensive
Da fuhr Europas Branchenprimus sein ganzes Repertoire an Modellen auf die Bühne. Und die Volkswagen-Manager holten weit aus um die optischen Vorzüge der Wagen anzupreisen: 'Skulpturale Form', 'klassenlos sympathische Ausstrahlung', 'Mondschein-Perleffekt' - es ging hoch her, als VW rund ein Dutzend Entscheider auf die eigens aufgebaute Bühne gebracht hatte. Hunderte geladene Zuschauer und die Internet-Gemeinde sollten die Markenvielfalt von Skoda bis Bugatti zu Gesicht bekommen, mit der der Konzern nach der Krone der Autowelt greift.

Zurückhaltung
Toyota hielt es fern der japanischen Heimat eine ganze Ecke nüchterner: Europachef Didier Leroy saß keine zwei Stunden zuvor gut einen Kilometer Luftlinie entfernt im Konferenzraum eines Hotels. Der weltgrößte Autohersteller hatte rund 30 Journalisten eingeladen, um über die Aussichten für den hiesigen Markt zu sprechen und ein Brennstoffzellen-Auto als nächsten Schritt des elektrischen Fahrens anzukündigen. Zum großen Rivalen aus Wolfsburg sagte Leroy nicht viel. Großen Respekt habe man vor Volkswagen, betonte er. Und man wolle den Rang als größter Hersteller nicht um jeden Preis verteidigen. Wichtiger sei es, mit den Autos gutes Geld zu verdienen.

Kopf-an-Kopf-Rennen
Die Ausgangslage beider Autoriesen ist klar: Die Wolfsburger versuchen gerade, mit einem Milliarden-Angebot ihre Lkw-Tochter Scania von der Börse zu nehmen, um die konzerninterne Nutzfahrzeug-Allianz auf Trab zu bringen. Zwölf Marken wie Porsche, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti oder Lamborghini hat VW bisher unter einem Dach vereint. Toyota hat nur die Premiummarke Lexus als Zusatz und hält die Mehrheit an Daihatsu sowie dem Lkw-Bauer Hino. Dafür holt sich der Konzern Hilfe ins Haus, wo eigene Kompetenzen fehlen. Der neue Verso hat einen Dieselmotor von BMW unter der Haube - dafür profitieren die Münchner von dem Know-How der Japaner bei Hybrid-Antrieben. Mit dem französischen PSA-Konzern baut Toyota den Kleinwagen Aygo, um in diesem Segment profitabel bleiben zu können.

Hohe Toyota-Marge  
Auch deswegen spielen die Japaner beim Profit in einer anderen Liga. Mit überwiegend Massenware kommen sie auf Margen wie BMW oder Audi. Knapp 1.800 Euro verdient Toyota mit jedem verkauften Auto. Volkswagen kommt derzeit nur auf knapp 600 Euro. Zwar treibt derzeit auch der schwache Yen Toyotas Gewinn in die Höhe. Aber Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sieht den Konzern vor allem beim Thema Effizienz als Vorreiter. Manches habe Volkswagen inzwischen nachgemacht, doch etwa bei Qualitätskontrolle und -überwachung sei Toyota weiter vorne. Und trotz alter Probleme mit Massen-Rückrufen bleibe Zuverlässigkeit Teil des Profils. Auch auf den Automärkten der Welt bescheinigt Pieper Toyota mehr Balance: Die Japaner haben keinen weißen Fleck wie VW mit dem Wachstumsmarkt Südostasien, wo Toyota auf bis zu 50 Prozent Marktanteil kommt. Dafür spielen die Japaner in China oder in Volkswagens Heimat nur eine Nebenrolle. 'In Deutschland ist Toyota stark unter die Räder gekommen - das ist auch eine Designfrage, weil die Autos zum Teil als gesichtslos wahrgenommen werden', sagt Analyst Frank Schwope von der Nord LB.

VW mit guten Chancen
Bringt Design mit 'Mondschein-Perleffekt' also den Unterschied? Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sieht das größere Plus für Volkswagen eher in der Markenvielfalt. 'Das wird sich langfristig auszahlen', sagt er. Auf '60 zu 40' schätzt er daher die Chancen, dass VW 2018 tatsächlich zum absatzstärksten Autokonzern der Welt aufsteigt. Nicht aber zum Rendite-König: "Bei der Ertragskraft sehe ich noch Toyota vorne."

VW-Aktie interessant
Die Erholung der Autoverkäufe in Europa spielt insbesondere dem Massenhersteller Volkswagen in die Karten. Auch ist VW in China glänzend positioniert. Die Aktie bleibt interessant. Kurse zwischen 185 und 190 Euro sind Kaufkurse.

 
(Mit Material von dpa-AFX)

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