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- Nikolas Kessler - Volontär

Tradingcoach Rüdiger Maaß im Interview: Niemals ohne Stopp!

Buchautor und Chart-Experte Rüdiger Maaß ist seit über 20 Jahren an der Börse aktiv. Als Tradingcoach bei nextmarkets.com gibt er Einblicke in die faszinierende Welt der Elliott-Wellen und Fibonacci-Folgen. Im Interview erklärt er, worauf es beim Trading ankommt.

Der AKTIONÄR: Herr Maaß, wie sind Sie zum Trading gekommen?

Rüdiger Maaß: Mit meinem Freund aus Texas machte ich eine Banklehre in Hamburg. Mein Freund wechselte anschließend von der Bank zu einem Devisenmakler. Er schlug mir vor, ebenfalls Devisenmakler zu werden und mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich nahm den Job im Jahr 1979 an und arbeitete etwa zehn Jahre als Devisenmakler mit den Händlern und Chefhändlern der großen internationalen Banken, bei Maklern in Hamburg, Düsseldorf und London. Von den bes­ten Händlern der internationalen Banken lernen zu dürfen ist ein Erfahrungsschatz, für den ich sehr dankbar bin.

Welcher war bisher Ihr bester Trade?

Das ist schon einige Jahre her. Kurz bevor ich mit meiner Frau in den Urlaub fahren wollte, entdeckte ich eine vielversprechende Elliott-Wellen-Formation, die stark fallende Kurse ankündigte. Erst wollte ich den Urlaub ausfallen lassen, doch stattdessen setzte ich einen Stopp und wir fuhren trotzdem. Damals gab es noch keine Handys mit Internetzugang und als ich nach vier Wochen wieder zurückkam, war der DAX um 500 Punkte gefallen. Ich kaufte sofort zurück und freute mich über den besten Gewinn während eines Urlaubs.

Was zeichnet einen guten Swing-Trader aus?

Der gute Swing-Trader hat einen Plan und festgelegte Regeln, nach denen er arbeitet. Der gute Swing-Trader hat Geduld, Selbstdisziplin und Ausdauer, genau diesem Plan zu folgen. Der gute Swing-Trader lässt sich nicht ablenken und bleibt sich treu. Er ändert den Plan nur, wenn er ihn damit verbessern kann. Er ist mental stark. Er ist nicht wütend, will keine Revanche, hat keine Angst und wird nicht zornig. Diese negativen Emotionen haben einen zerstörerischen Einfluss auf das Geschäft an der Börse. Das Elliott-Wellen-Prinzip ist auf Naturgesetzen begründet und liefert feste Gesetzmäßigkeiten, die aus einem durchschnittlichen Swing-Trader einen guten Swing-Trader machen.

Welches ist Ihr Fachgebiet beim Trading?

Ich habe schon von den Elliott-Wellen geschwärmt. Nachdem ich die Erfahrung direkt an der Börse mit den besten Händlern der Banken gemacht habe, erkannte ich, dass die Grundlage für Kursbewegungen der Mensch und seine emotionale Situation ist. Dank R. N. Elliott und Leonardo da Pisa, auch Fibonacci genannt, lassen sich mit den fraktal wiederkehrenden Elliott-Wellen und den Fibonacci-Zahlen die Kurse richtig berechnen, es sei denn, man beachtet eine Regel nicht.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Märkte in diesem Jahr ein?

Seit 2012 haben sich kontinuierlich Abschlussmuster gebildet, die einen Trendwechsel anzeigen. Die Politik der Fed und EZB führten immer wieder zu Abschlussmustern und weiteren Hochpunkten. Damit wurde zwar kurzfristig der Markt beruhigt, aber grundsätzlich besitzt neues Geld keine eigene Kraft, sondern ist nur ein psychologisches Mittel, um die Marktteilnehmer zu beruhigen. Das Helikoptergeld ist mit dem Placeboeffekt bei Medikamenten zu vergleichen. Mit Stroh und Papier kann man das Feuer nur kurz anheizen, das zeigen die Elliott-Wellen deutlich in Form von Abschlussmustern, beispielsweise waagrechten Dreiecken.

Entsprechend werden wir 2016 wahrscheinlich mit steigenden Korrektur­mustern beschäftigt sein. Ich erwarte grundsätzlich einen Abwärtstrend mit Zielen im Bereich von 7.500. Später sollten Ziele im Bereich 6.000 erreicht werden. Nach den Elliott-Wellen entwickeln sich die Märkte nach den Abschlussmustern mindestens bis auf das Niveau der waagerechten Dreiecke zurück. Eines liegt in diesem Bereich.

Sollten die Zentralbanken den Markt weiter mit Papiergeld fluten, könnte noch ein Hoch mit einem Abschluss­muster entstehen. Das würde in der Folge nur zu noch stärker fallenden Kursen führen.

Auf welchen Basiswerten liegt dabei Ihr Schwerpunkt?

Hauptsächlich beschäftige ich mich mit dem DAX und dem NASDAQ. Gemeinsam mit meiner Tochter nehme ich außerdem die Währungspaare Euro/Yen, Euro/Dollar und den amerikanischen Dow-Jones-Index unter die Lupe.
Welche Maßnahmen zum Risikomanagement ergreifen Sie?
Das Elliott-Wellen-Prinzip lässt es zu, das Risiko gemäß fester Prinzipien zu minimieren. Es gibt feste mathematische Regeln für die Korrekturwellen 2 und 4. Wenn die Regeln verletzt werden, wird der Stopp ausgelöst. Das Chance-Risiko-Verhältnis lässt sich eindeutig berechnen.

Auf wie viele Empfehlungen können sich Ihre Follower einstellen? Und wie lange bleiben die Empfehlungen durchschnittlich im Depot?

Im Day-Trading-Bereich lassen sich ein bis maximal zwei Trades pro Tag realisieren. Es gibt aber auch Tage, an denen keine Signale entstehen. Das Elliott-Prinzip funktioniert fraktal, deshalb sind auch Empfehlungen für Tage oder Wochen möglich, wenn auch viel seltener.

Wozu würden Sie Ihrem Kind raten: zu einem BWL-Studium oder einer Ausbildung zum Trader?

Meine Tochter hat eine kaufmännische Ausbildung gemacht, arbeitet seit vier Jahren mit in unserer Firma und handelt ebenfalls nach den Elliott-Wellen.

Welche Tipps würden Sie jedem Anleger mit auf den Weg geben?

Entwickeln Sie einen Businessplan und handeln Sie ausschließlich nach diesem Plan. Führen Sie ein Tradingtagebuch, um sich ständig zu verbessern. Und handeln Sie nie ohne Stopp!

Herr Maaß, vielen Dank für das Interview!

Hinweis auf potenzielle Interessenkonflikte: An der nextmarkets GmbH ist die börsennotierte FinLab AG (WKN 121806 / ISIN DE0001218063 / Tickersymbol: A7A) beteiligt. An der FinLab wiederum ist der Herausgeber von DER AKTIONÄR mittelbar wesentlich beteiligt.

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